Volle Reisewarnung für Italien: Österreicher sollen dringend nach Hause

Die italienische Regierung hat am Montagabend ganz Italien zur Sperrzone erklärt. Österreicher sollen dringend zurück nach Hause kommen. Das österreichische Außenministerium hat eine volle Reisewarnung für Italien ausgesprochen.

Reisende werden aufgerufen, Italien zu verlassen. Italien will die "rote Zone" ab Dienstag drastisch ausweiten.
© AFP/Hache

Rom/Wien – Das österreichische Außenministerium hat am Dienstag wegen des neuartigen Coronavirus eine volle Reisewarnung für Italien ausgesprochen. Die Sicherheitsstufe wurde auf die höchste Stufe 6 hinaufgesetzt, wie Außenministeriums-Sprecher Peter Guschelbauer sagte. Reisenden wird dringend nahegelegt, nach Österreich zurückzukehren.

Der Schritt des Außenministeriums folgte auf die Entscheidung von Italiens Regierung, wegen der Coronavirus-Epidemie die Reise- und Versammlungsfreiheit im ganzen Land einzuschränken und die "rote Zone" empfindlich auszuweiten.

✈️🚆 Aktuelle Verkehrshinweise:

📎 Aktuell gilt eine volle Reisewarnung (Sicherheitsstufe 6) für Italien.

📎 Seit Montag, 9. März 2020, sind sie Direktflüge zwischen Mailand, Bologna und Wien ausgesetzt.

📎 Der Nightjet der ÖBB nach Mailand und Venedig verkehrt nicht mehr.

📎 Ab heute, Dienstag finden am Grenzübergang Brenner, in Sillian und am Reschenpass punktuelle Gesundheitskontrollen statt – an Autobahn, Landesstraßen und im Zugverkehr. Auch an den Kärntner Grenzen zu Italien sind solche Kontrollen geplant.

Die italienische Regierung hatte am späten Montagabend ein Dekret angekündigt, das bereits am Dienstag in Kraft treten soll. Es sieht die Ausweitung der "roten Zone" vor, also ein grundsätzliches Ein-und Ausreiseverbot sowie eine Beschränkung der Bewegungsfreiheit. Ausnahmen gibt es bei Vorliegen zwingender beruflicher Gründe, Notsituationen oder medizinische Gründe. Die Rückkehr an den Wohnort ist möglich. Die Polizei und andere Ordnungskräfte kontrollieren das Vorliegen der Gründe, informierte das österreichische Außenministerium.

Die italienische Polizei kontrolliert noch schärfer als bisher.
© AFP/Cruciatti

Regierungschef Giuseppe Conte rief die Italiener am Montagabend dazu auf, landesweit auf Reisen zu verzichten. Das Dekret kündigte er mit dem Slogan "Ich bleibe zu Hause" an. Trotz Einschränkungen sollen die Grenzen offen bleiben, das Schengen-Abkommen, das Reisefreiheit ohne Grenzkontrollen in der EU garantiert, wird nicht ausgesetzt. Er kündigte zudem ein Versammlungsverbot an, das am Dienstag in Kraft treten soll. Die Schulen und Universitäten in ganz Italien bleiben bis zum 3. April geschlossen.

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Keine Beschränkung im öffentlichen Verkehr

Bei den öffentlichen Verkehrsmitteln soll es zu keinen Beschränkungen kommen. Man wolle somit den Menschen erlauben, zur Arbeit zu gehen, erklärte der Premier bei einer Pressekonferenz in Rom. Sportliche Veranstaltungen sollen ganz ausgesetzt werden. Zuvor hatte die Regierung bereits die Schließung aller Skigebiete angeordnet.

Die Kontrollen in den öffentlichen Verkehrsmitteln werden ebenfalls noch engmaschiger.
© AFP/Medina

Auf den italienischen Flughäfen soll weiterhin mit Thermoscanner die Temperatur der Passagiere gemessen werden. Der lombardische Präsident Attilio Fontana begrüßte die jüngsten Maßnahmen der Regierung Conte, er meinte jedoch, sie seien angesichts der eskalierenden Coronavirus-Infektionen noch ungenügend. "Die Zahlen zu den Infektionsfällen sagen uns, dass die Epidemie noch wächst. Das bedeutet besonderen Druck auf das Gesundheitssystem. Nur mit der Einhaltung noch strengerer Regeln können wir diese Epidemie überwinden", so Fontana.

Conte erklärte, die 20 italienischen Regionen seien mit den beschlossenen Maßnahmen einverstanden. Die öffentliche Gesundheit habe über alles den Vorrang, weshalb Bürger Opfer bringen und ihren Lebensstil ändern sollen. "Dies ist Zeit der kollektiven Verantwortung. Wir müssen alle auf etwas verzichten. Wir werden die Epidemie besiegen, wenn wir noch drastischere Maßnahmen zum Schutz unserer Bürger ergreifen. Wir schaffen keine ́rote Zone ́, sondern ganz Italien wird zur geschützten Zone", erklärte der 55-jährige Regierungschef.

📽 Video | Ganzes Land zur Sperrzone erklärt

Italien will Forderungen an EU stellen

Conte, der sich mit der EU-Kommission auf zusätzliche Defizitflexibilität in der Größenordnung von 7,5 Milliarden Euro zur Begrenzung der negativen Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie auf die italienische Wirtschaft geeinigt hat, will von Brüssel noch mehr Spielraum fordern. "Wir denken an die Möglichkeit, Brüssel eine höhere Forderung zu stellen", sagte Conte. Die Regierung hatte vergangene Woche ein Maßnahmenpaket mit wirtschaftsstützenden Maßnahmen verabschiedet.

Regierung reagiert auf neue Entwicklung in Italien

Die österreichische Bundesregierung wird noch am heutigen Dienstag ein neues Maßnahmenpaket angesichts der jüngsten Entwicklungen das Coronavirus betreffend vorstellen. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) treten am späteren Vormittag vor die Presse, um Details kundzutun.

Italien hat ja am Montagabend massive Reisebeschränkungen das gesamte Land betreffend angekündigt, jedoch avisiert, die Grenzen an sich nicht zu schließen. Die Bundesregierung dürfte nun kundtun, wie sie auf die neue Situation zu reagieren gedenkt. Bisher waren bloß punktuelle Fiebermessungen an Grenzübergängen vorgesehen.

Der parteilose Premier verurteilte die Revolten, die aus Protest gegen die wegen der Epidemie ergriffenen restriktiven Maßnahmen in 27 italienischen Gefängnissen ausgebrochen sind. Die Regierung werde sich um höchste Vorsichtsmaßnahmen in den italienischen Strafanstalten bemühen. Revolten, Insassenflucht und Verwüstungen seien jedoch nicht tolerierbar, sagte Conte.

Zahl der Opfer stark gestiegen

Die europaweit beispiellosen Maßnahmen wurden von der Regierung ergriffen, nachdem auch am Montag die Zahl der Coronavirus-Opfer weiterhin drastisch gestiegen ist. Innerhalb eines Tages erlagen 97 Menschen der neuartigen Lungenkrankheit. Damit stieg die Zahl der Todesopfer auf 463. Die Zahl der Infizierten kletterte auf 7985, am Sonntag waren es noch 7375 gewesen.

Zu den 724 Genesenen zählt inzwischen auch der "Patient 1", der erste am Coronavirus infizierte Italiener. Am Montag konnte er aus der Intensivstation des Krankenhauses der lombardischen Stadt Pavia entlassen werden, er atmet mittlerweile selbstständig. Der 38-jährige Manager des Konzerns Unilever hatte sich wahrscheinlich im Krankenhaus der lombardischen Stadt Codogno angesteckt. Sein Zustand war von den Ärzten als kritisch bezeichnet worden. Er war mit seiner im achten Monat schwangeren Frau ins Spital eingeliefert worden, die inzwischen genesen ist. (APA)

In Italien steigt auch die Zahl der Todesopfer immer drastischer an.
© AFP/Gobet

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