Gut zu wissen: Das ist bei häuslicher Quarantäne zu beachten

Wer muss in Quarantäne, wie lang kann sie dauern, wie soll man sich als Betroffener verhalten und was ist mit Mitbewohnern, die gesund sind? Die Antworten auf wichtige Fragen rund um häusliche Quarantäne bei Corona-Verdacht lesen Sie hier.

Auch zuhause kann man Menschen anstecken: Als Vorsichtsmaßnahme kann bei Kontakt mit anderen ein Mundschutz getragen werden.
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Innsbruck – Häusliche Quarantäne für meist mindestens 14 Tage – Hunderte stehen derzeit in Österreich im Verdacht, mit dem neuen Coronavirus infiziert zu sein, und müssen sich auf Müßiggang daheim einstellen. Ziel dieser Maßnahme ist es, die immer rasantere Verbreitung des Virus zu verhindern bzw. deutlich zu verlangsamen. Aber wie läuft so eine Quarantäne eigentlich ab? Ob man als Betroffener völlig isoliert bleiben muss, wie die Verpflegung funktioniert, wie man sich gegenüber Mitbewohnern verhalten soll und wie weit man das Haus verlassen darf, beantworten wir hier.

❓ Wer muss in Quarantäne?

Das Epidemiegesetz in Österreich legt fest, dass Quarantäne bei „Kranken, Krankheitsverdächtigen oder Ansteckungsverdächtigen" angeordnet werden kann. Zuständig dafür ist in den einzelnen Regionen die Bezirkshauptmannschaft oder das Magistrat. Als „krank" gelten laut Bundesrecht jene Personen, bei denen die Krankheit bereits festgestellt wurde und als „krankheitsverdächtig" solche, die Erscheinungen zeigen, die das Vorhandensein der Krankheit vermuten lassen. Als „ansteckungsverdächtig" wiederum gelten Personen, die zwar keine Krankheitserscheinungen aufweisen, bei denen jedoch bakteriologisch nachgewiesen ist, dass sie als Träger des Krankheitskeimes anzusehen sind, oder bei denen sonst feststeht oder anzunehmen ist, dass sie der Ansteckung ausgesetzt waren.

Bei (ernst zu nehmendem!) Verdacht auf eine Erkrankung sollte man sich bei einer der folgenden Hotlines melden – im Gespräch wird entschieden, ob Quarantäne-Maßnahmen notwendig sind.

  • Für Menschen mit Symptomen und Reise in Krisenregion und/oder Kontakt mit bestätigtem Corona-Fall: 1450
  • Bei allgemeinen Fragen zum Coronavirus: Tel. 0800 555 621
  • 24-Stunden-Hotline vom Land Tirol: Tel. 0800 80 80 30
  • 24-Stunden-Hotline der AGES: Tel. 0800 555 621

❓ Wie werden Bescheide über Quarantänemaßnahmen zugestellt?

Bescheide über Quarantänemaßnahmen (d.h. Bescheide über die Absonderung und Bescheide über Verkehrsbeschränkungen) werden dann mittels RSb-Schreiben (= „Rückscheinbrief weiß", behördliches Schriftstück) zugestellt. Damit kann ein solcher Bescheid auch von einem Ersatzempfänger angenommen werden, wodurch der Kontakt mit einer erkrankten Person vermieden wird.

❓ Wie soll man sich in häuslicher Quarantäne verhalten?

Der Betroffene muss zu Hause bleiben und seinen Gesundheitszustand beobachten, Fieber messen und dokumentieren. Zeigen sich Symptome, sollte er das melden. Die zuständige Behörde kann etwa mit Anrufen prüfen, ob die Quarantäne eingehalten wird. Einen Musterbescheid mit Ge- und Verboten bei häuslicher Quarantäne stellt das Robert-Koch-Institut zur Verfügung. Darin werden unter anderem folgende Punkte angeführt:

  • Die Wohnung darf nicht ohne ausdrückliche Zustimmung der zuständigen Behörde verlassen werden.
  • Es ist untersagt, Besuch von Personen zu empfangen, die nicht dem Haushalt angehören.
  • Die zuständige Behörde oder beauftragte Personen dürfen jederzeit Untersuchungen oder Entnahmen von Untersuchungsmaterial durchführen, beispielsweise Abstriche nehmen oder Blut abnehmen.
  • Mitarbeiter der Behörde dürfen Betroffene jederzeit vorladen und deren Wohnung betreten.

Wer unter häusliche Quarantäne gestellt wird, sollte außerdem seinen Gesundheitszustand regelmäßig überprüfen und dokumentieren:

  • Zweimal täglich sollte die Körpertemperatur gemessen werden.
  • Es sollte ein Tagebuch geführt werden, das Angaben zu Symptomen, Körpertemperatur, Aktivitäten und Kontaktpersonen enthält.

📋 Grafik: Wie man sich in Quarantäne verhalten soll

❓ Wie lange dauert eine Quarantäne?

Die Entscheidung über die genaue Dauer trifft die Bezirksverwaltungsbehörde. Üblicherweise dauert eine häusliche Quarantäne aber mindestens so lange an, bis zwei negative Befunde im Abstand von 24 Stunden vorliegen. Zudem muss ein ausreichend langer gesunder Zustand vorliegen, der ärztlich bestätigt wird. Bisher wurden betroffene Personen bei Coronavirus-Verdacht 14 Tage lang beobachtet. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Beginn von Symptomen der Krankheit, dauert nach bisherigem Stand etwa so lange. Genau angegeben werden kann sie allerdings noch nicht – Analysen zufolge kann sie in seltenen Fällen auch bis zu 24 Tage betragen.

❓ Wer versorgt einen? Bekommt man Hilfe bei der Verpflegung?

Die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen notwendigen Artikeln sollte im besten Fall von Nachbarn oder Bekannten übernommen werden. Ist dies nicht möglich, kann man wiederum die Bezirksverwaltungsbehörde (telefonisch) um Rat fragen. Die sozialen Dienste und das Team Österreich (0800 600 600) kümmern sich im Notfall um die Verpflegung.

❓ Wie kann man sich auf häusliche Quarantäne vorbereiten?

Generell gilt laut Zivilschutzverband: Ein ausreichender Vorrat im Ernstfall sollte zumindest für sieben Tage für die gesamte Familie bzw. alle Mitbewohner reichen. Zu diesem Vorrat gehören Wasser/Getränke, haltbare Lebensmittel, einfache Licht- und Energiequellen sowie Medikamente und Erste-Hilfe-Material.

📽 Video | Haushaltscheckliste für den Notfall

❓ Wie geht man mit Mitbewohnern, der Familie, Kindern um?

Völlig allein müssen Betroffene in der häuslichen Quarantäne nicht sein. Für den nicht vermeidbaren Umgang mit anderen Familien- oder Haushaltsmitgliedern gelten jedoch Regeln:

  • Räumliche Trennung: Kontakte sollen soweit wie möglich minimiert werden, das heißt die betroffene Person sollte sich möglichst in einem anderen Raum als die übrigen Menschen aufhalten. Ist ein Kontakt unvermeidbar, schützt am besten das Tragen eines Mundschutzes.
  • Es wird zudem zu einer zeitlichen Trennung von anderen Menschen im Haushalt geraten. Mahlzeiten sollten beispielsweise nicht gleichzeitig, sondern nacheinander eingenommen werden.
  • Hygiene: Geschirr, Wäsche und Hygieneartikel sollten nicht mit anderen geteilt und ebenso gründlich gereinigt werden.

❓ Wie geht man mit Haustieren um? Darf man mit dem Hund raus?

Wer unter Heim-Quarantäne steht, muss laut zuständigem Bundesministerium im Haus bzw. in der Wohnung bleiben. Ausnahme: Hundebesitzer dürfen mit ihrem Hund in den Garten gehen. Sie dürfen das eigene Grundstück jedoch nicht verlassen und keine sozialen Kontakte wahrnehmen. Gassi-Runden im Park, im Wald oder am Flussufer sind somit tabu. Das Ministerium empfiehlt Hundebesitzern, ihren Liebling während der Dauer der Quarantäne einer Hundepension oder einem Hundesitter anzuvertrauen.

Generell gilt: Ist man mit SARS-CoV-2 infiziert, sollte man auch den Kontakt zu Tieren so gut wie möglich vermeiden.

❓ Welche Hygieneregeln sind in Quarantäne zu beachten?

Auch in Heimquarantäne gelten die üblichen Hygieneregeln: Beim Husten und Niesen sollte Abstand und die Armbeuge vor Mund und Nase gehalten werden, regelmäßiges und gründliches Händewaschen sind Pflicht, Berührung von Augen, Nase und Mund sollte vermieden werden. Dazu sollte die Wohnung immer gut belüftet und regelmäßig gereinigt werden. Geschirr, Wäsche und Hygieneartikel sollten gründlich gereinigt werden. (TT.com/anl)

📽 Video | So wäscht man sich die Hände richtig


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