MH17-Prozess: Staatsanwaltschaft wirft Russland Einmischung vor

Angehörige von MH17-Opfern vor dem Gerichtsgebäude.
© KOEN VAN WEEL

Amsterdam – Im Prozess um den Abschuss von Flug MH17 über der Ostukraine wirft die niederländische Staatsanwaltschaft Russland vor, die Ermittlungen zum Absturz sabotieren zu wollen. Russland versuche "aktiv", die Ermittlungen "zu behindern", sagten die Staatsanwälte am Dienstag im Gericht im niederländischen Schipol.

Mehr als fünfeinhalb Jahre nach der MH17-Katastrophe hatte dort am Vortag der Prozess gegen drei Russen und einen Ukrainer in Abwesenheit begonnen. Die Staatsanwaltschaft warf Russland unter anderem Hacking-Versuche gegen die Ermittler vor und sprach über Befürchtungen, dass Moskau versuchen könnte, Zeugen aufzuspüren. Britische und niederländische Behörden hätten festgestellt, dass Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU an Versuchen beteiligt waren, "sich in die Systeme der malaysischen Ermittlungsbehörden zu hacken", sagte Staatsanwalt Thijs Berger vor den Richtern und erwähnte ähnliche Versuche bei den niederländischen Ermittlern.

Außerdem hätten mehrere Zeugen in dieser Untersuchung gesagt, sie würden "um ihr Leben fürchten, wenn ihre Identität aufgedeckt wird", führte Berger weiter aus.

Die Maschine der Malaysia Airlines war vom Flughafen Schiphol in der Nähe von Amsterdam am 17. Juli 2014 nach Kuala Lumpur gestartet. Bei dem Abschuss über dem Konfliktgebiet im Osten der Ukraine wurden 298 Menschen getötet, unter ihnen 196 Niederländer und 38 Australier.

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Ein internationales Ermittlerteam kam im Mai 2018 zu dem Schluss, dass die Maschine von einer BUK-Rakete abgeschossen wurde, die von einem Stützpunkt im russischen Kursk stammte. Die vier Angeklagten werden unter anderem beschuldigt, die Rakete in die Ostukraine gebracht zu haben. Sie sollen in den Reihen der prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine hohe Ränge bekleidet haben.

Nachdem das Ermittlerteam 2018 seine Ergebnisse vorgelegt hatte, machten die Niederlande und Australien Russland für den Abschuss der Maschine und den Tod der 298 Passagiere verantwortlich. Moskau bestritt stets jede Verwicklung und beschuldigte seinerseits die Führung in Kiew. (APA, AFP)


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