Liverpool hofft auf Anfield-Atmosphäre, PSG droht im Geisterspiel das Aus

Die "Reds" peilen nach dem 0:1 in Madrid die Wende gegen Atletico an, Paris muss ohne Fans einen Rückstand gegen Dortmund drehen.

Liverpool-Coach Jürgen Klopp hofft, dass die Fans den Unterschied machen.
© GEOFF CADDICK

Liverpool/Paris – Liverpool setzt wieder einmal auf den Mythos Anfield. Der Titelverteidiger kämpft am Mittwochabend (21.00 Uhr/live DAZN) um den Aufstieg ins Viertelfinale der Champions League, muss dafür aber die Wende schaffen. Atletico Madrid hat vor drei Wochen das Hinspiel mit 1:0 gewonnen. Die Spanier werden an der Merseyside erneut Beton anrühren, um die Überraschung schaffen zu können.

Hat das Coronavirus in England vorerst noch für keine Zugangsbeschränkungen in den Stadien gesorgt, verhält sich dies im zweiten Achtelfinal-Rückspiel am Mittwoch anders. Paris Saint-Germain gegen Borussia Dortmund findet ohne Zuschauer statt. Auch der Großteil der Medien wird nicht live dabei sein, Pressekonferenzen wird es nicht geben. Dortmund geht mit einem 2:1-Vorsprung in die Retourpartie bei Frankreichs Meister.

Für Klopp ist kommt erst die "bessere Halbzeit"

Liverpool schaffte rechtzeitig vor dem Aufeinandertreffen mit Atletico wieder ein Erfolgserlebnis. Seit der Niederlage in Spanien war zumindest resultatsmäßig Sand im Getriebe der "Reds". Trainer Jürgen Klopp war nach dem 2:1 gegen Bournemouth "absolut glücklich". Es war der 22. Heimsieg in der Premier League in Folge. Im Europacup ist Liverpool an der Anfield Road seit 25 Spielen unbesiegt, holte dabei 18 Siege.

Legendär ist die Aufholjagd gegen Barcelona im Champions-League-Halbfinale der vergangenen Saison. Das 4:0 soll als Stimmungsmacher dienen. Nach dem Hinspiel warnte Klopp Atletico vor der Atmosphäre in Liverpools Heimstadion. "Es ist Halbzeit für uns. In der zweiten Spielhälfte lernen wir normal und verbessern uns. Dieses Mal hatten wir drei Wochen und nicht 15 Minuten dafür", sagte der Deutsche nun am Tag vor der Partie. Klopp wusste, woran es im Hinspiel lag: "Wir müssen mehr aufs Tor schießen."

Liverpool ohne Goalie Alisson

So produzierte Liverpool in Madrid keinen einzigen Schuss aufs Gehäuse des Gegners. "Wenn das wieder passiert, werden wir nicht aufsteigen", wusste Linksverteidiger Andy Robertson. Der Schotte kehrt nach einer Verletzung wie auch Kapitän Jordan Henderson in die Mannschaft zurück. Weiter fehlen wird Torhüter Alisson. Robertson betonte auch: "Die Fans können einen großen Unterschied ausmachen. Aber wir dürfen nicht denken, dass die Zuschauer alleine uns weiterbringen werden."

Liverpools Bilanz gegen spanische Clubs ist nicht die schlechteste: Neun von elf K.o.-Duellen im Europacup wurden gewonnen. Die bisher letzte internationale Heim-Niederlage setzte es jedoch gegen einen LaLiga-Vertreter. Real Madrid gewann im Oktober 2014 mit 3:0. Atletico präsentierte sich in der Champions League in den vergangenen Jahren auswärts wenig erfolgreich. Den "Rojiblancos" reicht aber schon ein Remis zum Aufstieg. Trainer Diego Simeone will laut "Marca" die "Anfield Formel" gefunden und Schwächen in Liverpools Verteidigung ausgemacht haben.

"Spiel ohne Fans ist nicht angenehm"

Dortmund erwartet ein gänzlich anderes Stadionerlebnis. Die Polizeipräfektur in Paris hat aus Sorge vor einer Verbreitung des Coronavirus beschlossen, die Partie im Prinzenpark ohne Zuschauer stattfinden zu lassen. In Frankreich sind Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen verboten. "Ein Spiel ohne Zuschauer ist nicht angenehm für beide Mannschaften. Niemand weiß, ob das die richtige Entscheidung für den Fußball ist", sagte BVB-Trainer Lucien Favre vor der Abreise. Mit besorgter Miene fügte der Schweizer an: "Es ist ganz anders. Wir müssen uns mental darauf vorbereiten."

Schon der Start vom Dortmunder Airport vermittelte ein erstes Gefühl für die besondere Situation. Um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren, vermieden die Spieler jeden Kontakt mit Fans und Journalisten und verzichteten auf Interviews, Autogramme und Selfies. Statt zum großen Airport Charles de Gaulle ging die Reise zum kleinen Flughafen Le Bourget nordöstlich von Paris. Er ermöglichte den Profis, direkt von der Landebahn in den Teambus zu steigen.

Mehr noch als für Dortmund könnte der Zuschauerausschluss für den Tabellenführer der Ligue 1 zum Nachteil werden. Schließlich geht der Heimvorteil großteils verloren. Zudem machen PSG Personalsorgen zu schaffen. Thiago Silva und Ander Herrera fallen verletzt aus, Thomas Meunier und Marco Verratti sind gelbgesperrt, und der Einsatz des erkälteten Top-Stürmers Kylian Mbappe ist ungewiss. Viel auf dem Spiel steht für Trainer Thomas Tuchel. Bei einem neuerlichen Aus von PSG im Achtelfinale der Champions League könnte die im Sommer 2018 begonnene Amtszeit des Deutschen in Paris schnell zu Ende gehen. (APA)


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