Gut zu wissen: Wie die Grenzkontrollen zu Italien zur Virus-Eindämmung ablaufen

Wer wird kontrolliert, unter welchen Umständen darf man noch nach Österreich einreisen und was ist mit beruflichen Pendlern oder Einsatzkräften? Wie die Grenzkontrollen zu Italien zur Eindämmung des Coronavirus aussehen, lesen Sie hier.

Seit Mittwoch kontrollieren Polizisten alle Reisenden am Autobahngrenzübergang an der A13 am Brenner bei der Einreise nach Österreich.
© APA/Groder

Innsbruck – Das Coronavirus macht vor Landesgrenzen nicht Halt, weshalb an den drei Übergängen zwischen Österreich und Italien am Mittwoch mit Kontrollen gestartet wurde, die über Fiebermessen hinausgehen. Am Brenner wurde hierfür die Infrastruktur des 2015 in der Migrationskrise errichteten Grenzmanagements hochgefahren. Wie sehen diese Kontrollen aber aus und wen genau betreffen sie? Ist damit auch eine Durchreise tabu? Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Maßnahmen an der Grenze finden Sie hier.

❓ Darf man derzeit durch Österreich durchreisen?

Ja. Allerdings darf das Land nur passiert werden, wenn eine Durchreise ohne Zwischenstopp sichergestellt werden kann – also etwa der Tank voll genug ist. Das wird an der Grenze kontrolliert.

❓ Ist die Einreise von Italien nach Österreich überhaupt möglich?

Prinzipiell gibt es ein Einreise-Stopp. Nach Österreich dürfen nur

▪️ Personen mit ärztlichem Attest einer negativen Coronavirus-Testung, das nicht älter als vier Tage ist.

▪️ österreichische Staatsbürger oder Personen mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in Österreich, die sich schriftlich zu einer 14-tägigen selbst überwachten Heimquarantäne verpflichten.

❓ Ist öffentlicher Verkehr über die Grenze möglich?

Nein, derzeit nicht. Sowohl der Reisebusverkehr als auch der Personenzugverkehr wurden bis auf Weiteres eingestellt und sind untersagt.

❓ Ist Güterverkehr oder gewerblicher Verkehr noch möglich?

Ja, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Bei Lkw-Lenkern werden stichprobenartig Gesundheitschecks durchgeführt.

Der derzeitige Stand: Kein Verdachtsfall bis jetzt

Keinen einzigen Verdachtsfall hat es am Donnerstag bei den Grenzkontrollen in Tirol an den Grenzen (am Brenner, in Sillian und am Reschenpass) zu Italien gegeben. Auch der zunächst enorme Rückstau an Lkw auf der Brennerautobahn in Südtirol habe sich aufgelöst, sagte ein Sprecher der Polizei am Freitag. Da der Pkw-Verkehr beinahe vollständig zum Erliegen gekommen war, konnten alle drei Kontrollspuren für Lkw genutzt werden.

Insgesamt habe es am Donnerstag zwischen 7 und 24 Uhr 3.975 Amtshandlungen nach dem Fremdenpolizeigesetz gegeben. Dabei sei es zu fünf Zurückweisungen gekommen, weil die Betroffenen nicht die notwendigen Reisepapiere bei sich hatten. Die Gesundheitsbehörde habe zudem 637 Gesundheits-Checks durchgeführt, wobei es zu 41 Abweisungen kam – in den meisten Fällen hatten die Betroffenen nicht die notwendigen ärztlichen Bescheinigungen bei sich. 1.040 Fahrzeugen wurde die Durchreise gewährt und 34 Personen begaben sich in die freiwillige 14-tägige Heimquarantäne.

Indes setzte das Land Tirol "als Reaktion auf die aus den Grenzkontrollen resultierenden Lkw-Staus am Brenner" am kommenden Samstag das vorgezogene Wochenendfahrverbot außer Kraft. „Um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, sind wir auch in Tirol zu einschneidenden Maßnahmen verpflichtet. Zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit haben wir uns jedoch dazu entschlossen, das vorgezogene Wochenendfahrverbot am kommenden Samstag auszusetzen", erklärten Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und seine Stellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) unisono.

Es gilt für alle transitierenden Schwerfahrzeuge, die ein Fahrziel in Italien oder Deutschland haben. Konkret bedeutet das laut Land, dass das normale Wochenendfahrverbot nach der Straßenverkehrsordnung in Kraft tritt, das von Samstag 15 Uhr bis Sonntag 22 Uhr gilt.

❓ Wie sieht es mit beruflichem Pendlerverkehr aus?

Berufliche Pendler dürfen passieren, auch bei ihnen werden stichprobenartig Gesundheitschecks durchgeführt. Allerdings muss ein Nachweis vorliegen, in Österreich zu arbeiten. Sensible Berufsgruppen wie Pflegepersonal oder Ärzte dürfen laut Land nicht mehr pendeln.

❓ Dürfen Einsatzfahrzeuge noch passieren?

Ja, ebenso wie diplomatisches Personal.

❓ Muss man mit zeitlichen Verzögerungen an der Grenze rechnen?

Ja. Durch die Grenzkontrollen und Gesundheitschecks ist mit vermehrten Wartezeiten an allen Grenzübergängen zu rechnen. Am Brenner gab es am Dienstag und Mittwoch kilometerlange Staus. Die Tiroler Polizei reagierte darauf am Donnerstag mit einer weiteren Spur für die Lkw-Kontrollen – diese finden nun auf allen drei Spuren statt. Der Individualverkehr am Brenner sei bereits beinahe zum Erliegen gekommen.

❓ Wie lange wird an der Grenze kontrolliert werden?

Die Kontrollen an den drei Grenzübgergängen am Brenner, am Reschen und in Sillian sind vorerst bis 20. März befristet. Danach wird über die weitere Vorgehensweise entschieden. (TT.com/anl/APA)


Kommentieren


Schlagworte