Gut zu wissen: Wie es in der Corona-Krise nun mit Schulen weitergeht

Schulen bleiben in den nächsten Wochen aufgrund des Coronavirus zu, doch wie geht es weiter? Diese Frage treibt derzeit Eltern, Lehrer und Schüler gleichermaßen um. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Ab Montag bzw. Mittwoch bleiben Österreichs Schulen geschlossen.
© HANS PUNZ

Wien – Mit dem Einstellen des Unterrichts an den Schulen ab Montag (Oberstufen) bzw. Mittwoch (Rest) finden auch keine Prüfungen und Schularbeiten statt. Stattdessen sollen die Schüler wo möglich auf E-Learning umsteigen bzw. von den Lehrern vorbereitete Übungsaufgaben bearbeiten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Schließung der Schulen und Kindergärten hier. 👇

📚 Müssen Volksschüler und Unterstufenschüler am Montag noch in die Schule kommen?

▶️ Nein. An berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), AHS-Oberstufen, Berufsschulen und Polytechnischen Schulen findet kein Unterricht mehr vor Ort statt. An Volksschulen, AHS-Unterstufen und Neuen Mittelschulen (NMS) wird zwar noch unterrichtet – alle Schüler, die nicht kommen (weil es eine Betreuungsmöglichkeit für sie gibt), gelten aber automatisch als entschuldigt.

📚 Sind die Schulen (Gebäude) geschlossen?

▶️ Nein. Es ist aber (an Oberstufen ab Montag, an den anderen Schulen ab Mittwoch) unterrichtsfrei, Schularbeiten, Tests und Prüfungen entfallen. Direktoren, Lehrer und Verwaltungspersonal sind – soweit sie nicht eigenen Betreuungspflichtern nachkommen müssen – normal im Dienst und stellen etwa Übungsaufgaben zusammen oder geben in den Bibliotheken Bücher aus. An Oberstufenschulen können Lehrer auch von zuhause arbeiten. Schüler unter 14 Jahren ohne Betreuungsmöglichkeit daheim werden am Schulstandort betreut. Das gilt auch am Nachmittag – die Dauer der Betreuung richtet sich nach dem Stundenplan der jeweiligen Schule. Wer für eine ganztägige Schule angemeldet ist, wird dort auch ganztägig betreut.

📚 Wie sieht es in den Kindergärten aus?

▶️ Hier gilt eine analoge Regelung zu den Unter-14-Jährigen. Sie bleiben weiter geöffnet – die Eltern werden aber gebeten, ihre Kinder nur dann zu bringen, wenn sie nicht daheim betreut werden können. Im verpflichtenden letzten Kindergartenjahr entfällt die Besuchspflicht.

📚 Müssen Schularbeiten nachgeholt werden?

▶️ Nicht unbedingt. Für die Anzahl der Schularbeiten ist je nach Schulstufe meist nur eine gewisse Bandbreite vorgegeben. Grundsätzlich wird aber ein Nachholen angestrebt. Einschränkung: Die Schularbeiten sind dann nicht nachzuholen, "sofern dies im betreffenden Semester nicht möglich ist", heißt es in der Leistungsbeurteilungsverordnung. Im Endeffekt kommt es also auf die Dauer des Unterrichtsentfalls an.

Beispiel: Für Deutsch und Fremdsprachen sind in der sechsten Klasse Oberstufe „zwei bis vier" Schularbeiten vorgesehen und für Mathematik „drei bis fünf", wovon pro Semester mindestens eine stattfinden muss. Entfällt daher eine von zwei oder drei vorgesehenen Schularbeiten im zweiten Semester, ist ein Nachholen nicht unbedingt nötig. War ohnehin nur eine vorgesehen, ist es – mit Ausnahme der Maturaklassen – eher unwahrscheinlich, dass diese schon vor Ostern angesetzt war. War dies doch der Fall, müsste sie nachgeholt werden.

📚 Wie sieht es in der Maturaklasse aus? Wird die Zentralmatura verschoben?

▶️ Das ist noch nicht endgültig gelöst. Nach derzeitigem Stand soll sie planmäßig von 5. bis 13. Mai stattfinden. Das Bildungsministerium weist aber ausdrücklich darauf hin, dass sich dies ändern kann.

📽 Video | Bildungsminister gab Details zu Schulschließungen bekannt:

„Es ginge sich jetzt noch aus, wenn die Maßnahmen nicht zu lange dauern", meinte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) noch am Donnerstag. Ansonsten sei eine Verschiebung nach hinten natürlich naheliegend. „Es kommt darauf an, wie die Maßnahmen an den Schulen greifen", so Ministeriums-Generalsekretär Martin Netzer. Die Lehrer würden einen speziellen Fokus auf die Maturanten legen – dabei komme es entgegen, dass in den Maturaklassen mittlerweile ohnehin kein neuer Stoff mehr durchgenommen werde.

📚 Was ist mit der Präsentation von vorwissenschaftlichen Arbeiten (VWA) bzw. Diplomarbeiten?

▶️ Diese sind ebenfalls Teil der neuen Reifeprüfung und können auch in den kommenden Wochen durchgeführt werden – allerdings "unter Einhaltung der hygienischen Verhaltensregeln soweit dies aufgrund der örtlichen Situation vertretbar ist". Die Schüler stellen dabei vor der Maturakommission ihre Arbeiten vor und beantworten eventuell Fragen dazu. „Die Präsentation soll nur in Kleingruppen stattfinden, unter Wahrung der hygienisch relevanten Vorschriften", so Faßmann.

Nutzt die Zeit. Meidet große Menschenansammlungen, Discos, Partys.
Bildungsminister Heinz Faßmann

Grundbotschaft an die Schüler laut dem Minister: „Macht euch keine Sorgen." Außergewöhnliche Situationen würden außergewöhnliche Maßnahmen erfordern. „Ihr werdet den Lernstoff im richtigen Tempo lernen, wir werden auf eine faire Leistungsbeurteilung achten." In Richtung der älteren Schüler meinte er: „Nutzt die Zeit. Meidet große Menschenansammlungen, Discos, Partys."

📚 Wird in der unterrichtsfreien Zeit neuer Stoff durchgenommen?

▶️ Nein, grundsätzlich nicht. Die Schüler sollen Übungs-und Wiederholungsaufgaben erhalten. Möglich sind aber „vorbereitende Maßnahmen" für neue Stoffgebiete - Schüler können also aufgetragen bekommen, sich neue Kapitel in ihren Lehrbüchern durchzulesen oder Bücher zu lesen. Diese Themen müssen allerdings nach der Wiederaufnahme des regulären Betriebs nochmals im Unterricht behandelt werden.

Volksschulen, AHS-Unterstufen und Neue Mittelschulen (NMS) sind angehalten, einheitliche Übungshefte pro Klasse zu erstellen und mitzugeben. Die Inhalte werden schulautonom festgelegt. Kinder werden im Journaldienst von Lehrern betreut – wie groß diese Gruppen sein werden, ist aber noch nicht klar und werde wohl pro Schule unterschiedlich sein, so Faßmann. Darüber werde man mit den Direktoren aber noch reden.

Schüler müssen die ihnen mitgegebenen Portfolios abarbeiten – entweder in der Betreuung oder daheim. An die Eltern appellierte Faßmann, nur jene Kinder an die Schulen zu bringen, für die keine häusliche Betreuung organisiert werden kann bzw. weil es aufgrund beruflicher Verpflichtungen nicht anders geht. An den Oberstufen ist die Regelung abgesehen von der Betreuung ähnlich – auch diese Schulen bleiben geöffnet, etwa für Schüler, die sich in der Bibliothek Material organisieren müssen.

📚 Werden die Übungs- und Wiederholungsaufgaben benotet?

▶️ Nicht im klassischen Sinn. Das ist aber etwas widersprüchlich. Einerseits teilt das Bildungsministerium mit, dass die "Bearbeitung des zur Verfügung gestellten Unterrichtsmaterials auf freiwilliger Basis erfolgt und – anders als Hausübungen, welche zur Mitarbeit zählen – nicht in die Leistungsbeurteilung einfließt". An anderer Stelle heißt es wiederum, dass "die Inhalte der Übungs- und Vertiefungsmaterialien von den Schülerinnen und Schülern verbindlich bearbeitet werden sollen".

📚 Wie kommunizieren die Schulen mit den Eltern bzw. Schülern?

▶️ Auf allen Wegen. Infos gibt es an den Volksschulen vor allem über die Mitteilungshefte, Mailverteiler der Klassen-Elternvertreter, WhatsApp-Gruppen oder über die Schul-Homepage. An den Höheren Schulen gibt es zusätzlich Plattformen wie WebUntis, über die schon jetzt etwa die Hausübungen für die einzelnen Klassen abgerufen werden können.

📚 Gibt es überhaupt E-Learning-Angebote für Schulen?

▶️ Das kommt auf die Definition an. Angestrebt wird vor allem an den Oberstufen eine Abwicklung der Arbeitsaufträge über diverse E-Learning-Plattformen. Das ist aber nicht verpflichtend. Wenn eine digitale Lösung am Standort oder in der häuslichen Betreuung nicht zur Verfügung steht, sollen Kopien ausgeteilt werden. Die erforderlichen Kopierkosten übernimmt der Schulerhalter.

Streaming-Angebote wie bei manchen Lehrveranstaltungen an Unis sind eher selten. Umgekehrt gibt es aber einen Großteil der Schulbücher auch kostenlos zusätzlich als E-Books mit etwa Audiofiles. Außerdem schalten derzeit einige Schulbuchverlage für die Dauer der Schulschließungen ihre digitalen Unterrichtsmaterialien kostenlos frei. Letztere gibt es mittlerweile haufenweise im Internet zu finden – ob und welche davon sie für ihren Unterricht verwenden, entscheiden die Lehrer.

Übungsmaterialien gibt es neben den digitalen Angeboten der Schulbuchverlage auf der Eduthek des Ministeriums. Die derzeit rund 2.600 zur Verfügung stehenden Lerninhalte werden derzeit laufend erweitert.

📚 Was bedeutet das für die Lehrer?

▶️ Eingeschränkter Betrieb. Für die Betreuung der Kinder würde ein eingeschränkter Betrieb ausreichen, so Faßmann. Auf Lehrer mit Betreuungspflichten oder Vorerkrankungen werde Rücksicht genommen. Auch dienstrechtlich sehe er keine Probleme: „Es wird keiner so genau auf die Uhr schauen." Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Lehrer sagen werde, dass er zu viel eingesetzt werde. „Und es wird kein Dienstvorgesetzter sagen, es ist zu wenig."

Zusätzliche Kosten würden nur eingeschränkt entstehen, betonte Netzer. Das Personal koste genauso viel wie bisher – „wir werden aber sicher höhere Kopierkosten haben".

📚 Was ist mit Schulveranstaltungen wie Skikursen oder der Wien-Woche?

▶️ Sie entfallen.

📚 Welche Eltern sollen auf jeden Fall ihre Kinder in der Schule betreuen lassen?

▶️ Unterrichtsangebote in der Schule sollen vor allem von Schülern in Anspruch genommen werden, deren Eltern beruflich unabkömmlich sind bzw. die keine Möglichkeit einer Betreuung zu Hause haben, sichergestellt werden. Zu diesen Personengruppen zählen jedenfalls:

• Ärztinnen/Ärzte sowie weiteres medizinisches Personal

• Pflegepersonal

• Personal von Blaulichtorganisationen

• Mitglieder von Einsatz- und Krisenstäben

• Personen, die in der Versorgung tätig sind: Angestellte in Apotheken, Supermärkten und öffentlichen Verkehrsbetrieben

• Alleinerzieherinnen/Alleinerzieher

Nochmals wird in einem Papier des Bildungsministeriums betont, dass keinesfalls die Großeltern mit der Betreuung der Kinder beauftragt werden sollen. (APA/TT.com)


Kommentieren


Schlagworte