Faktenchecker warnen: Massiver Anstieg von Fake News durch Coronavirus

Plattform mimikama.at verzeichnet massiven Anstieg an Falschmeldungen. Vor allem ältere Menschen werden via Messenger verunsichert. Die angebliche Windows-App "Coronavirus Map" klaut Passwörter und Kreditkartendaten.

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Wien - Das Thema Coronavirus führt derzeit zu einem massiven Anstieg von Falschmeldungen im Internet, die vor allem über Social Media verbreitet werden. Die Mitarbeiter der österreichischen Faktencheck-Plattform mimikama.at arbeiten derzeit "rund um die Uhr", wie Andre Wolf, mimikama-Pressesprecher erläutert.

Besonders betroffen seien dabei allerdings nicht primär junge Menschen, die ohnehin ein starkes Bewusstsein für die Existenz von Falschmeldungen hätten, sondern die Generation 50 plus. Diese sei damit aufgewachsen, dass Nachrichten nicht nur stimmen, sondern auch relevant sind. Sie können laut Wolf weniger leicht erkennen, wenn es sich um FakeNews handelt.

Informationskonsum entschleunigen

Zudem sei diese Generation besonders intensiv bei Messengern aktiv. Doch egal über welchen privaten Kanal man derzeit mit "Nachrichten" über das Coronavirus informiert wird - es geltle, einige Regeln einzuhalten. "Es ist derzeit besonders wichtig, den Informationskonsum zu entschleunigen und auf die Quellen zu achten. Man muss sich Zeit nehmen, sich zu fragen: Sind das Behauptungen oder Fakten", betont Wolf.

Oft reiche es bereits, Schlagwörter der Postings oder Nachrichten in Suchmaschinen einzugeben und so "Vergleichsarbeit" zu leisten. Haben auch andere Medien bereits darüber berichtet? Gibt es bereits Meldungen, wonach es sich dabei um Falschmeldungen handelt?

"Geschäftemachen" mit dem Virus

Zum derzeitigen, "in der Menge noch nie da gewesenem" Aufkommen von Falschmeldungen hält Wolf noch fest, dass viele Dinge derart absurd seien, dass sie gar nicht auf Fakten überprüft werden können, weil es in den Postings und Kettenbriefen gar keine Fakten gebe. "Da heißt es oft nur, jemand hat von jemandem gehört, der jemanden kennt, der gesagt hat....".

Jeder einzelne könne weiters zur Eindämmung der Verbreitung von Falschmeldungen beitragen, indem man nicht alles, was man geschickt bekommt, einfach weiterschickt. Auf Facebook & Co. selbst sollte man sich nicht verlassen. So lösche das Unternehmen derzeit vor allem irreführende Werbung oder Fake-Shops, um das "Geschäftemachen" mit dem Virus einzudämmen. Bei Fake News werden lediglich Gegendarstellungen unter dem Beitrag gepostet. Das findet Andre Wolf, der "gegen Löschpolitiken" ist, aber auch ausreichend.

Datenklau durch Malware

Auch Viren-Autoren sind bereits auf den Zug aufgesprungen. Forscher warnen vor einer Karte, die die Ausbreitung des Virus zeigt und Malware auf Computer schmuggelt, berichtet die Tageszeitung Standard in ihrer Online-Ausgabe.

Per Mail sowie über Messenger würden derzeit Dateien verbreitet, über die man sich eine interaktive Karte am Computer installieren kann. Beim Öffnen der Dateien, die Namen wie Coronamap.exe und ähnlich tragen, werde die Karte auch tatsächlich angezeigt.

Allerdings wird vom Nutzer unbemerkt auch Malware auf dem PC installiert. Und diese ist in der Lage, unter anderem Nutzernamen, Passwörter und Kreditkartennummern abzugreifen, wie Forscher von Reason Cybersecurity warnen.

Die Orginalseite der John Hopkina Universität, erkennbar an der URL: https://coronavirus.jhu.edu/map.html
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Das Perfide an der Sache sei: Die Karte greift auf Daten der Johns-Hopkins-Universität zurück. Die Wissenschafter haben eine interaktive Karte mit dem Grad der aktuellen Ausbreitung des Coronavirus erstellt. Wer auf der Suche nach dieser Karte ist, laufe Gefahr, auf die verseuchte Variante hereinzufallen. Zumal diese auch auf einigen Websites zum Download angeboten werde.

Das offizielle Dashboard sei jedenfalls eine Website und keine herunterladbare Windows-Applikation, so der Standard. Die schadhafte Windows-Applikation ruft sodann die URL des offiziellen Dashboards auf und zeigt diese innerhalb der Windows-Applikation an. (APA, TT.com)

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Grundsätzlich unterscheidet man bei Mimikama drei Niveaus von Fake News: Zunächst gebe es die Nutzerebene, auf der Kettenbriefe oder Beobachtungen ohne böse Absicht geteilt würden. Auf dem "mittleren Level" gebe es Trolle und bewusste Falschmeldungen, mit denen sich die Sender "einen Spaß machen wollen". Dies sollte man als Nutzer auch erkennen können.

Das "gefährliche Level" sei allerdings jenes, wo Fake News politisch destabilisierend wirken können. Hier nennt Wolf etwa Verschwörungstheorien rund um das Coronavirus. Hier gelte es, möglichst rasch aufzuklären und diesen destruktiven Fake News etwas entgegenzusetzen.


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