"Wie im Krieg": Leer gefegte Straßen, rigorose Kontrollen in Italien

In Norditalien ist derzeit absolute Ausnahmesituation. Lokale sind geschlossen, Bahnsteige wie leergefegt. Eine Südtirolerin, die nun aus Italien ausgeflogen wurde, erzählt von ihren Erfahrungen.

Ein einsamer Tourist beim Forum Romanum in Rom.
© VINCENZO PINTO

Rom – Szenen "wie im Krieg" hat Lydia Ninz, Geschäftsführerin von "Ajour", einer vom AMS Wien geförderten Anlaufstelle für Journalisten, die arbeitslos oder von Jobverlust bedroht sind, in den vergangenen zehn Tagen in Norditalien erlebt. Ninz war wegen eines privaten Todesfalles in Bozen und reiste am Freitag von Bozen nach Venedig, um dort den AUA-Flug nach Wien zu erwischen.

Menschen müssen im Freien Erklärung mit sich führen

"Es ist wie in einem Krieg hier", schilderte die gebürtige Südtirolerin. "Die Menschen dürfen ihren Wohnort nicht verlassen und müssen eine Eigenerklärung bei sich tragen, wenn sie auf der Straße sind. Polizei und Militär kontrollieren rigoros und es gibt drakonische Strafen, wenn man ohne die Bescheinigung außerhalb des Wohnortes erwischt wird. Nicht nur Geldstrafen bis zu 253 Euro, es gibt auch Haftstrafen bis zu drei Monaten."

Das öffentliche Leben ist praktisch zum Erliegen gekommen. "Die Geschäfte sind alle zu, es ist gespenstisch. Nur Lebensmittelgeschäfte haben offen: Die Leute stehen wie früher im Ostblock vor den Shops in Schlangen, im Abstand von einem Meter zueinander. Je nach Größe des Geschäfts darf immer nur eine bestimmte Anzahl von Menschen hineingehen", erzählte Ninz. Restaurants und Bars haben mittlerweile geschlossen, nur an Bahnhöfen bekommt man noch einen Kaffee.

Rolläden von Lokalen sind längst unten

Vor einigen Tagen war das noch nicht ganz so. Gastronomen mussten aber garantieren, dass die Gäste in einem Abstand von mindestens einem Meter zueinander sitzen. "Die Familie war essen. Der Wirt hat die Gäste aufgefordert, diesen Mindestabstand einzuhalten, sonst würden sie aus dem Lokal geworfen. Denn die Wirte verlieren ihre Lizenz, wenn sie die Einhaltung des Abstands nicht garantieren."

Ninz, seit 1984 österreichische Staatsbürgerin, wandte sich an die Hotline des Außenministeriums, um zu erfahren, wie sie nach Österreich zurückgelangen könnte. Über den Brenner und andere Grenzübergänge geht wegen der italienischen Maßnahmen nichts mehr, ihre Verwandten durften sie auch nicht mit dem Auto irgendwohin führen. So wurde der ehemaligen Journalistin gesagt, sie müsse bis 13 Uhr am Flughafen Marco Polo in Venedig sein, dort werde sie der Flieger um 15 Uhr mitnehmen. Bis dahin wurden aber noch Tests angeordnet.

Bahnsteige leergefegt

"Ich bin um 6 Uhr in Bozen auf dem Bahnsteig gestanden", schilderte Ninz. "Einige Regionalzüge sind ausgefallen." Die "Ajour"-Geschäftsführerin befürchtete, die Reise nach Venedig könnte kompliziert werden. Sie erwischte einen Regionalzug nach Verona, und in verhältnismäßig kurzer Zeit einen weiteren, der sie nach Mestre brachte, wo sie um 11 Uhr schon eingetroffen war. "Wir sind durch den Bahnhof Vicenza/Padua gefahren, es war gespenstisch. Keine Leute, die Bahnsteige sind leergefegt." In Mestre wurde Lydia Ninz mit einer Maske ausgerüstet, bevor sie in einer Hotellobby auf ein Shuttle zum Flughafen fahren durfte.

Dass sie in Wien 14 Tage in Heimquarantäne verbringen wird, war Ninz schon vorher bewusst. "Ich komme aus einem Risikogebiet, und ich hätte mich auch freiwillig in Quarantäne begeben. Ich bin ja vernetzt. Die Leute müssen kapieren, dass es um den Schutz geht - vor allem der älteren Menschen, aber auch sich selbst." (APA)


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