Tiroler Sportler in der Warteschleife: „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“

Üblicherweise reisen Jakob Schubert, Patrick Gamper oder Felix Gall dieser Tage rund um den Globus – nun ist für die Tiroler Lückenfüllen angesagt.

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Nicht nur für Jakob Schubert und seine Kletter-Kollegen wird die aktuelle
© GEPA pictures/ Andreas Pranter

Von Roman Stelzl

Innsbruck – Ausgangssperre. Trainingsverbot. Geschlossene Sportstätten. Absage über Absage. Und dann diese Ungewissheit, was die Zukunft bringt. Die Sportwelt ist zum Stillstand gekommen – und gerade jene Athleten, die diese Sportwelt jetzt auf der Jagd nach Erfolg umrunden würden, hängen in der Luft. Dennoch: Die Zeit muss mit Trainings gefüllt werden, will doch jeder bei einem raschen Saisonbeginn fit sein. Ein schmale­r Grat. Auf dem wandern auch Tiroler Sportler.

Jakob Schubert: Österreichs bester Kletterer nimmt die Absage der EM sowie aller Weltcups bis Mai locker. „Als Kletterer kann man ruhig mal zwei, drei Wochen Pause machen. Wir haben die Zeit genutzt, um ein wenig an die Felsen zu gehen und dort zu trainieren. Aber dabei meiden wir Klettergebiete, in denen zu viel los ist“, sagt der 29-jährige Innsbrucker.

Untätig wollte Tirols Sportler des Jahres an der künstlichen Wand aber nicht sein: „Wir haben noch die Chance, in der Kletterhalle zu trainieren, mit maximal fünf Leuten und dem Trainer.“ Ob dieser Plan Bestand hat, wird sich weisen. Und Schubert stellt sich auf weitere Absagen ein, vielleicht sogar der Olympia-Premiere in Tokio (JPN): „Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wenn es ganz schlecht hergeht, kann es sein, dass wir das ganze Jahr keine Bewerbe haben.“

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Felix Gall: Der Ex-Juniorenweltmeister und Neo-Rad-Profi (Team Sunweb) weilt derzeit in seiner Osttiroler Heimat in Nußdorf-Debant. Der erste große Renneinsatz bei der hochkarätigen Katalonien-Rundfahrt (23.–29. 3.) ist gestrichen. Däumchendrehen will der 22-Jährige, der heuer erst ein Rennen bestritten hat, aber nicht. „Das Wetter ist ganz gut, daher konnte ich zumindest draußen trainieren. Ein, zwei Wochen mal zurückstecken passt auch“, sagt Gall. „Wir wissen nicht, wann das nächste Rennen ist. Daher müssen wir nicht wirklich in Top-Form sein und schrauben die Intensität zurück.“

Patrick Gamper: Das Gleiche gilt auch für das große Rad-Talent aus Münster. Der zweite Tiroler Neo-Profi (Bor­a hansgrohe) stellt sich auf eine längere Pause ein. „Ich weiß absolut gar nicht, wie es weitergeht, und bin skeptisch, dass es im April noch Rennen gibt. Ich glaube, dass es ein intensiver Herbst wird, weil da sicher einige Rennen nachgeholt werden“, meinte der 22-Jährige, der neben Radeinheiten am Achensee wohl mehr Ruhe einkehren lässt: „Vielleicht stecke ich auch ein wenig zurück.“

Kathrin Unterwurzacher, Bernadette Graf: Tirols Vorzeige-Judoka improvisierten und schafften sich eiligst Trainingsgeräte an, um im Garten zu trainieren. „Ich habe lange mit Kathi geredet, wir haben uns schnell noch Kurzhanteln und Bälle geholt. Jede wird nun in ihrem Garten ein Zirkeltraining aufbauen“ schilderte die Tulferin Graf. Die Turniere der Olympia-Kandidatinnen sind vorerst alle auf Eis gelegt.

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Alexander Erler: Besonders hart trifft die Situation auch die Tennis-Spieler wie Tirols besten Akteur. „Wir haben keine Plätze zum Trainieren und können de facto nichts tun. Alex braucht Spielpraxis – und die bekommst du als Tennisspieler derzeit nicht. Das ist eine ganz verzwickte Lage“, sagt Manager Markus Erler. Der 22-jährige Kufsteiner kehrte erst dieser Tage aus Griechenland zurück. Nun wird an der Fitness gearbeitet. Die ATP-Tour samt ITF-Ebene wurde ja für sechs Wochen ausgesetzt. Und es werden wohl mehr.


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