Experten geben Tipps: So können Eltern das Lernen zuhause organisieren

Seit heute müssen viele Eltern den Schulbetrieb zuhause organisieren. Viele stellt diese ungewohnte Situation zusätzlich vor eine Herausforderung. Expertinnen der Uni Innsbruck und von Lernquadrat.at zeigen Möglichkeiten, den ungewohnten Alltag zu strukturieren.

Heimunterricht braucht klare Strukturen, damit die Kinder nicht die Lust verlieren.
© AFP

Innsbruck – Plötzlich findet die Schule zuhause im Wohnzimmer oder am Esstisch statt: Viele Eltern sind seit heute nicht nur mit der Betreuung ihrer Kinder befasst, sondern müssen auch noch den Unterricht übernehmen. Womit man sonst meist nur bei Elternsprechstunden und im Austausch mit den Klassenlehrern in Berührung kommt, gehört für die meisten Haushalte plötzlich zum Alltag. Aber wie gestaltet man den Heimunterricht am besten? Die Expertinnen Angela Schmidt von Lernquadrat und Olivia Vrabl von der Uni Innsbruck geben wichtige Tipps, die wir im Folgenden zusammengefasst haben.

1. Lernplan machen, Stunden festlegen

Zu Beginn des Unterrichts sollten Eltern mit den Kindern einen verbindlichen Stundenplan anlegen, am besten bereits für die ganze Woche: Darin wird eingetragen, wann Lernzeiten und wann Freizeiten sind. Wie ausgedehnt die Lernzeiten gestaltet werden, hängt auch vom Alter der Schüler ab: Volksschüler können sich etwas weniger lang konzentrieren als ältere Kinder. Wichtig ist es, einen Rhythmus zu erzeugen, an den sich die Kinder halten können. "Setzen Sie keine inhaltlichen Ziele, da Sie nicht wissen, wie lange die Aufgaben dauern. Setzen Sie stattdessen zeitliche Ziele. Dieses Ziel können Sie leichter erreichen und Ihre Kinder erfahren dadurch kleine Erfolge", erklärt Olivia Vrabl.

2. Den Arbeitsplatz herrichten

Der Lerntisch sollte gut geordnet sein, alle unnötigen Dinge verschwinden vom Tisch. In Greifnähe bleiben dann Hefte, Bücher, Stifte, Zirkel – und auch ein Glas Wasser – um nicht öfter als nötig den Platz verlassen zu müssen. Handy und Fernseher sollten abgedreht bleiben, rät Lernquadrat-Expertin Schmidt. Vrabl ergänzt, dass Kinder beim Essen nicht am gleichen Stuhl sitzen sollten wie beim Lernen, damit wirklich klar getrennt wird, wann Freizeit und wann Lernzeit ist.

In den kommenden Wochen werden viele – vor allem berufstätige Eltern – vor Herausforderungen gestellt.
© APA/dpa/Dedert

3. Umziehen und nicht im Pyjama bleiben

Auch wenn man zu Hause bleibt und der Schulweg entfällt, sollte man sich anziehen und nicht den ganzen Tag im Pyjama bleiben. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es gestärkt in den Lernvormittag!

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4. Pausen machen, Bewegung einbauen

Wichtig ist, dass nach einer vereinbarten Lernphase von etwa 30 Minuten eine etwa 5-minütige Pause eingelegt wird. In der Pause hilft Bewegung, das Zimmer lüften, Beschäftigung mit dem Haustier oder ein Glas Wasser trinken.

5. Abwechslung beim Lernen

Die Schüler haben Lernmaterial von den Schulen mitbekommen. Es hilft den Schülern besser, verschiedene Fächer hintereinander zu lernen, die einander nicht ähnlich sind. Also sollten beispielsweise Englisch und Französisch nicht hintereinander gelernt werden, sondern dazwischen vielleicht Mathematik eingeschoben werden.

6. Große Ziele in kleine zerteilen

Wenn ein großes Ziel in viele kleinere zerlegt wird, hat das Kind dadurch mehrere Erfolgserlebnisse und bleibt motiviert.

7. Lernspektrum erweitern

Lernen muss nicht immer am Schreibtisch stattfinden. Je spielerischer und erfinderischer die Eltern den Unterricht gestalten, umso eher bleiben die Kinder auch bei der Stange: Man kann zum Beispiel gemeinsam Lernspiele spielen oder Quizzen, fremdsprachige Hörspiele anhören oder Wissenssendungen in den Unterricht einbauen.

8. Freizeit genießen

Wenn die Lernphasen beendet sind, heißt es die Freizeit richtig zu genießen. Das gibt Kraft für den nächsten Lerntag zu Hause. (TT.com)

Home-Office mit Kind braucht Regeln und Gelassenheit

Für viele der rund 690.000 Schüler unter 14 Jahren, mehr als 300.000 Kindergartenkinder und deren Eltern beginnen mit heute für mehrere Wochen das Experiment Home-Office mit Kind. Damit diese Situation das Familienleben möglichst wenig belastet, braucht es dabei laut Bildungspsychologin Christiane Spiel von der Uni Wien vor allem zwei Dinge: Regeln und "eine gewisse Gelassenheit".

➡️ "Stress und Hektik übertragen sich auf das Kind und das Ganze wird noch einmal hektischer", betonte Spiel im APA-Gespräch. Sie empfiehlt deshalb, dass Eltern und Kinder Abläufe vereinbaren. Ab dem Kindergartenalter sei das gut möglich. Man könne dem Kind erklären, dass man sich nun für eine bestimmte Zeit voll konzentrieren muss und das Kind sich in dieser Zeit still selbst beschäftigten soll - die Eltern können mit dem Kind besprechen, was das genau sein könnte. Für die Zeit danach bekommt dann dafür das Kind die volle Aufmerksamkeit von Mutter oder Vater. "Wichtig ist, dass die Eltern das dann auch einhalten und nicht daneben ständig auf ihr Handy schauen."

➡️ Um gut über die kommenden Wochen zu kommen, sei es auch wichtig, für die Kinder eine regelmäßige Tagesstruktur aufrechtzuerhalten, in deren Planung sollten die Kinder möglichst einbezogen werden. "Struktur gibt Sicherheit und Klarheit und die Kinder sind daran gewohnt. Es ist wichtig, dass wieder eine Struktur entsteht, auch wenn sie etwas anders aussieht als normalerweise." So sei es völlig in Ordnung, wenn Kinder, die sonst schwer aus dem Bett kommen, etwas länger schlafen. Nach dem Frühstück sollten dann bei Schulkindern allerdings von Montag bis Freitag die von den Lehrern mitgegebenen Lernaufgaben angegangen werden.

➡️ Eltern sollten sich außerdem auch überlegen, was die Kinder und Jugendlichen machen können, wenn sie nicht lernen, empfiehlt Spiel. "Da kann man Spiele spielen, man kann Malen, Spiele erfinden. Das ist jetzt eine Phase, da können wir unsere Kreativität ausleben und Sachen machen, für die wir normalerweise viel zu wenig Zeit haben." (APA)


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