Kraft: „Situation ist ernst, da muss man nicht große Feiern machen"

Angesichts der Corona-Krise fiel die große Kristallkugel-Party von Stefan Kraft ins Wasser. So zog der ÖSV-Adler im kleinen Rahmen noch einmal Bilanz.

Stefan Kraft posierte mit seinen Kristallkugeln für die Fotografen auf der Schanze in Bischofshofen.
© EXPA/ JFK

Bischofshofen – Der Ort war sehr passend, der Rahmen war es bedingt durch die Umstände nicht. Dort, wo seine große Karriere begonnen hatte, übernahm Stefan Kraft am Montag im kleinsten Kreis die Trophäen für einen weiteren erfolgreichen Winter. Der 26-Jährige erhielt am Schanzentisch in Bischofshofen die Kristallkugeln für die Gesamtsiege im Skisprung- und Skiflug-Weltcup.

Vor acht Jahren hatte Kraft auf seiner Heimschanze in Bischofshofen sein Weltcup-Debüt gegeben, ein Jahr später holte er dort als Dritter des Tournee-Bewerbs seinen ersten Podestplatz. Nun hat der Tourneesieger von 2014/15 zwei große und zwei kleine Weltcup-Trophäen in seinem Besitz.

Kraft: „Es ist schön, wenn das dann belohnt wird"

„Unglaublich, dass das wieder passiert ist. Das ist etwas ganz Großes, wenn man das wieder erreicht, schon zum zweiten Mal“, erklärte der Pongauer. „Es ist doch immer wieder eine Arbeit von fast einem ganzen Jahr. Was da wieder alles dahintergesteckt ist an Aufs und Abs, schwierige Zeiten, schöne Zeiten. Es ist schön, wenn das dann belohnt wird.“

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So leicht es vielleicht von außen ausgesehen habe, habe die Saison doch sehr viel Energie gekostet, blickte Kraft auf die wegen des Coronavirus am 12. März vorzeitig beendet Weltcup-Serie zurück. „Der Herbst war sehr schwierig, da hat es springerisch nicht geklappt, da habe ich meine Bindung umgestellt. Das waren sehr schwierige Zeiten, aber der Pati (Berater Patrick Murnig, Anm.) und ich und das ganze Trainerteam haben das ganz gut hinbekommen.“

So lag Kraft am Ende 140 Punkte vor dem Deutschen Karl Geiger, dem Gesamt-Zweiten. In den vergangenen sechs Saisonen war er nie schlechter als Gesamt-Sechster. „Wenn man weiß, wie knapp alles beisammen liegt, ob man Top-Ten-Springer ist oder nicht, das ist echt ein schmaler Grat, dann macht mich das selbst unheimlich stolz, dass das immer wieder funktioniert hat in den letzten Jahren“, betonte der Skiflug-Weltrekordler und Doppel-Weltmeister von 2017.

Da müsse alles zusammenpassen, sagte Kraft und dankte seiner Freundin, Familie, all den Betreuern und Trainern im ÖSV-Team und seiner Agentur Jump and Reach. „So kann ich mich voll auf meinen Sport konzentrieren“, meinte die Nummer 1 im Team von ÖSV-Cheftrainer Andreas Felder.

Die große Feier fiel aus

Daniel Fettner, der Pressesprecher der Springer, hatte die Trophäen nach Bischofshofen gebracht, sonst waren am Montag nur noch ein Mitarbeiter der Agentur und zwei Fotografen anwesend. Eine große Feier fiel aus, doch Kraft hatte wegen der Umstände Verständnis. „Mit dem Coronavirus ist die Situation ernst, da muss man nicht große Feiern machen. Ich weiß, dass ich die Kugel gewonnen habe, das ist tief in mir drinnen und freut mich riesig, aber man soll den Ernst der Lage beachten und sich daran halten, was die Regierung sagt. Da kann man auf so etwas schon einmal verzichten“, meinte der Gewinner von 21 Weltcup-Bewerben.

Die zahlreichen Termine für einen Gesamtsieger fallen nun aus. „Eine etwas ruhigere Zeit schadet mir jetzt aber überhaupt nicht, wo man einmal auf der Coach liegt, selber kocht, Zeit mit meiner Freundin hat“, betonte Kraft.

Ganz ohne Feiern ging es aber nicht ab, auf der Heimreise aus Norwegen ging es hoch her, erzählte Kraft. „Im Flieger haben wir noch ordentlich gefeiert, da ist ist es ziemlich zugegangen, auch danach noch im Bus. Das war etwas Anderes und sehr lustig.“ (APA)


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