Corona-Virus: Strenge Blutzuckerkontrolle für Diabetiker wichtig

Die Ursachen für mögliche "gravierende Infektionsverläufe" sind noch unklar. Begleiterkrankungen von Diabetikern können zu schweren Krankheitsverläufen führen.

Symbolfoto
© iStock

Innsbruck – Ältere Menschen ab 65 und solche mit Vorerkrankungen von Herz, Lunge und Nieren, sowie Menschen mit Diabetes und Krebs zählen zur Risikogruppe für eine gehäufte und oft schwerwiegend verlaufende Infektion mit dem neuen Coronavirus. All diese besonders gefährdeten Menschen haben eines gemeinsam: eine verminderte Immunabwehr.

Faktor Begleiterkrankungen

Die bisherige Erfahrung zeigt, dass eine Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 in den meisten Fällen mild und ohne nennenswerte Symptome verläuft. Bei rund 20 Prozent, darunter Menschen mit Diabetes, kann die Lungenerkrankung Covid-19 jedoch mit schweren Komplikationen verbunden sein. Welche Ursachen diesen gravierenden Infektionsverläufen zugrunde liegen, muss erst erforscht werden.

Susanne Kaser, stellv. Leiterin Univ.-Klinik für Innere Medizin I und Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft.
© Foto: Wildbild

„Ein wesentlicher Faktor ist, dass Menschen mit Diabetes häufig an Begleiterkrankungen leiden, zum Beispiel chronische Nierenerkrankungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen", erläutert erklärt Susanne Kaser von der Medizin-Uni Innsbruck. Diese Umstände können dazu führen, dass auch der Krankheitsverlauf schwerer sei. Noch gebe es aber zu wenige Informationen und klinische Daten, um sagen zu können, welche Menschen mit Diabetes speziell gefährdet sind. Anzunehmen wäre, dass dies jene sind, die eine schlechte Blutzuckerkontrolle aufweisen ebenso wie jene, die an anderen Erkrankungen vor allem des Herz-Kreislaufsystems oder der Nieren leiden und damit ein erhöhtes Risiko tragen würden.

"Auch Übergewicht und Adipositas – Faktoren, die mit einer Diabetes Typ II-Erkrankung häufig assoziiert sind – gehen mit einer erhöhten Infektionsanfälligkeit einher, sodass das COVID-19-Risiko für Betroffene nochmals erhöht ist", so Kaser.

Weitere Infos für Diabetiker

Aktuelle Information zu COVID-19 und Menschen mit Diabetes mellitus finden sich auf der Website der Österreichischen Diabetes Gesellschaft.

Zielwerte und Impfempfehlungen

Weil chronisch erhöhte Blutzuckerwerte die Immunabwehr beeinträchtigen und anfälliger für Infektionskrankheiten und deren Komplikationen machen können, ist es umso wichtiger, den Blutzuckerspiegel zu überwachen und zu optimieren. „Generell ist bei jedem Infekt eine engmaschige Blutzuckerkontrolle unbedingt erforderlich, auch Umstellungen von Medikamenten können bei schweren Infektionen erforderlich sein“, erklärt Kaser. In diesem Fall sollte mit den behandelnden Ärzten rückgesprochen werden – in der aktuellen Situation telefonisch, um eine Ansteckungsgefahr für sich und die Mitmenschen zu minimieren.

Auch bei positiver Testung und Krankheitssymptomen müssen Menschen mit Diabetes nicht sofort ins Krankenhaus. „Einzig der klinische Verlauf, das heißt der Schweregrad der Erkrankung entscheidet darüber, ob eine stationäre Behandlung erforderlich ist“, so die Diabetologin.

Medikamente bleiben verfügbar

Neben der konsequenten Einhaltung der von den Behörden angezeigten COVID-19 Präventionsmaßnahmen sollte sehr streng auf Hygiene geachtet werden. Generell und von der aktuellen Situation unabhängig sollten alle Menschen mit Diabetes die Impfempfehlungen (Influenza, Pneumokokken) beachten, rät Kaser.

Der Zugang zu Medikamenten sei ebenso gesichert.Alle führenden Hersteller von Insulinen und blutzuckersenkenden Medikamenten hätten rückgemeldet, dass die Produkte ausreichend vorrätig seien und die Nachlieferungen wie geplant erfolgen würden. "Hamsterkäufe, wie derzeit in Apotheken zu beobachten, sind absolut entbehrlich und können gefährlich werden“, betont Kaser abschließend. (TT.com)


Kommentieren


Schlagworte