Handynetz und Internet sind trotz Home-Office und Streaming stabil

Home-Office und Netflix-Streams: Der Ansturm auf das Netz ist zwar momentan groß, laut Mobilfunk-Vergleichsportal tarife.at ist das Kommunikationsnetz aber stabil. Die besten Bandbreiten liefert weiterhin das Kabelnetz.

(Symbolbild)
© istock

Wien – Durch die derzeitigen Ausgangsbeschränkungen sind viel mehr User im Internet unterwegs. Nicht nur zum Privatvergnügen, sondern auch für viele zusätzliche Home-Office-Dienste geht die Datennutzung nun massiv nach oben. User klagen vermehrt über ein langsames Netz. Das Mobilfunk-Vergleichsportal tarife.at hat die Stabilität der Kommunikationsnetze in den vergangenen Tagen unter die Lupe genommen – und gibt Entwarnung. "Seit letztem Montag nimmt die Datengeschwindigkeit zwar um rund 11 Prozent ab, das Netz hält dem erhöhten Ansturm aber insgesamt stand", heißt es in einer Aussendung.

tarife.at rechnet vor: "Bei durchschnittlichen Downloadraten um die 27 Mbit/s erweisen sich vor allem die DSL-Netze als äußerst stabil." Höhere Schwankungsbreiten seien hingegen bei LTE-Netzen zu beobachten. "Dazwischen reihen sich die Kabelnetze ein. Mit durchschnittlich 81 Mbit/s halten sie einerseits der höheren Nachfrage stand und liefern weiterhin die besten Bandbreiten".

Fernsehen und Offline-Videos statt Streamen entlasten das Netz

Damit das Netz auch weiter stabil bleibt, empfiehlt tarife.at ein solidarisches Verhalten. Statt den ORF über die TVthek zu streamen, solle man wenn möglich den Sat- oder Kabelfernseher verwenden. Außerdem würde es helfen, Videos und Serien offline zu schauen und bei sozialen Netzwerken den "Data Saver" zu aktivieren.

Auch Telekomanbieter wie A1 oder "3" haben in den vergangenen Tagen mehrfach betont, dass es genügend Internetkapazitäten gebe und diese auch ausgebaut würden. Auch halte die Infrastruktur eine Zunahme an Streamingnutzung aus. Netflix, die ORF-TVthek und andere Anbieter passen die Qualität der Videostreams nämlich an die Bandbreite an. Viele Dienste schaffen auch bei geringer Bandbreite eine hohe Auflösung, weil sie die Streams komprimieren. Am Dienstag sagte "3"-Chef Jan Trionow, dass "Zurückhaltung beim Videostreamen" nicht nötig sei.

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Vorkehrungen für Fall der Überlastung bereits getroffen

Wie der Standard am Mittwoch berichtete, hat sich die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) in einem Schreiben an die Telekomanbieter gewandt: Im Fall einer drohenden Netzüberlastung hat die Regulierungsinstituton es Betreibern erlaubt, die normalerweise streng gehandhabte Netzneutralität außer Kraft zu setzen.

Konkret könnten bestimmte Datenpakete, etwa Streaming-Angebote wie Netflix, in der Priorität nachgereiht werden – das würde bedeuten, dass sie nur noch gedrosselt übertragen werden, während andere Anwendungen den Vorrang bekommen.

Maßnahmen müssen begründet werden

Das ist normalerweise im Sinne der erstmals 2016 eingeführten Netzneutralität nicht möglich. Denn es müssten alle Datenpakete im Netz gleich behandelt werden. Ob es sich um eine Notfallsituation handelt, beurteilen die Telekomanbieter selbst. Allerdings gibt es Vorgaben: So müssten laut dem vom Telekom-Geschäftsführer Klaus Steinmaurer verfassten Schreiben "objektiv nachvollziehbare, messbare Kriterien" angewandt werden, um das Erfordernis im Einzelfall und auf Nachfrage nachweisen zu können.

Etwaige Maßnahmen müssen bei der RTR allerdings noch am selben Tag gemeldet werden. Sie müssen begründet werden und es muss bekannt gegeben werden, welche Auswirkungen es haben wird und wie lange die Einschränkung bestehen wird. Eine Steuerung des Datenverkehrs, die "über das notwendige und erforderliche Ausmaß" hinausgeht, sei ausdrücklich verboten, heißt es in dem Schreiben.

Schweizer Bundesrat erwägt Blockieren von Videostreaming

Die Problematik stellt sich auch in anderen von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Ländern. In der Schweiz erwägt der Bundesrat sogar, Videostreaming gänzlich zu blockieren. Gespräche zwischen Netzbetreibern und Bund sind dort offenbar am Laufen, unterdessen werden Nutzer dazu aufgefordert, Anwendungen, die besonders datenhungrig sind – wie eben Videostreaming –, nur sparsam zu nutzen.

Auch vonseiten der EU gibt es Gespräche: Die EU-Kommission hat sich an Netflix gewandt, und sprach mit dem Netflix-Chef über Wege, die Belastung zu senken, wie die Brüsseler Behörde am Mittwoch mitteilte. Dabei sei es unter anderem um die Idee gegangen, die Bildqualität bei starker Auslastung automatisch von HD- auf Standard-Auflösung runterzuschrauben.

Die Kommission rief die Streaming-Plattformen insgesamt auf, mit Internet-Anbietern zusammenzuarbeiten und ihren Datendurchsatz anzupassen, um das Arbeiten von zu Hause aus nicht zu bremsen. (APA)


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