Klares Wasser, Delfine, saubere Luft: Effekte der Corona-Krise auf die Umwelt

In Ländern wie Italien hat das Coronavirus das Leben komplett zum Stillstand gebracht. Auf die Natur wirkt sich das positiv aus.

In Cagliari auf Sardinien wagen sich Delfine wieder bis an die Kaimauern vor.
© Screenshot/Twitter/Buitengebieden

Venedig, Cagliari – Kaum wirtschaftliche Aktivität und so gut wie keine Menschen auf den Straßen in immer mehr Ländern dieser Welt: Die Coronavirus-Krise hat das öffentliche Leben und sämtliche Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt. Was den Mensch und seinen Wohlstand hart trifft, erwirkt für die Umwelt aber durchaus positive Effekte. Diese zeigen sich immer mehr.

Wo in Venedig etwa einst trübes Wasser floss, sind die Kanäle derzeit kristallklar. Seit Jahrzehnten kann man an einigen Stellen sogar erstmals wieder bis auf ihren Grund sehen. Unter anderem auch die kleinen Fische unter den Booten und Gondeln sind plötzlich sichtbar.

📽 Video | Saubere Kanäle in Venedig, ohne Motorengeräusche

Die Stadtverwaltung Venedigs stellte gegenüber CNN aber klar, dass sich die Wasserqualität nicht verbessert habe. Weil weniger Boote und Schiffe auf dem Wasser unterwegs sind, würden die Sedimente naturgemäß am Boden liegen bleiben und nicht aufgewirbelt. Was aber besser geworden ist, sei die Luftqualität. Durch das geringe Verkehrsaufkommen werde sie weniger verschmutzt.

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In der ganzen Po-Ebene in Norditalien, die eigentlich als Industrie-Zentrum bekannt ist, sind die Stickstoffkonzentrationen seit Ausbruch der Krise signifikant gesunken. Wo am 10. März die Sperrzone ausgerufen wurde und 16 Millionen Menschen in der Region Lombardei nur noch aus triftigen Gründen aus der Gegend hinaus oder hineindurften, ist die Luft eine ganz andere geworden, wie Daten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA zeigen.

📽 Video | Stickstoffkonzentration in Norditalien

Ein anderer wunderschöner Effekt der Ausgangssperre wurde in Cagliari auf Sardinien entdeckt: Erstmals seit etlichen Jahren wurden im Hafen nach Einstellen des Schiffsverkehrs wieder Delfine gesichtet. Videos in den sozialen Netzwerken zeigen, wie die Tiere sich sogar bis an die Kaimauern wagen. Möglich macht dies die plötzliche Ruhe dort: Delfine reagieren sehr sensibel auf Unterwasserlärm. Schon Schraubengeräusche vorbeifahrender Boote können bei den Meeressäugern Stress auslösen und ihren Orientierungssinn schädigen.

📽 Video | Delfine in Cagliari

Blauer Himmel in China

Von einer erheblich besseren Luftqualität, wo ansonsten der Smog die meiste Zeit des Jahres den Alltag beherrscht, profitieren auch Großstädte in China. In Wuhan und Shanghai im Süden des Landes wurde erstmals seit Jahren wieder blauer Himmel – ohne vernebelt zu sein – gesehen.

Der Stickstoffdioxid-Ausstoß in China im Januar (links) und Ende Februar (rechts).
© Screenshot/NASA/EarthObservatory

Der Stickstoffdioxid-Ausstoß war durch die Coronavirus-Maßnahmen schon Ende Februar im Gegensatz zu Anfang Januar deutlich zurückgegangen. Und das erstmals aufgrund eines spezifischen Ereignisses, wie die NASA-Wissenschaftlerin Fei Liu erklärte: „Das ist das erste Mal, dass ich so einen dramatischen Rückgang über so einer großen Fläche aufgrund eines spezifischen Ereignisses sehe“, so Fei Liu. Zuvor sei unter anderem während der Wirtschaftskrise 2008 ein gradueller Rückgang zu beobachten gewesen, außerdem – allerdings vorübergehend und lokal – während der Olympiade in Peking 2008. (TT.com/anl)


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