Gut zu wissen: So funktioniert die neue Corona-Kurzarbeit

Mit dem neuen Corona-Kurzarbeitsmodell, das AK, ÖGB und WKÖ gemeinsam mit der Bundesregierung ausverhandelt haben, steht allen Unternehmen ein wichtiges Instrument zur Verfügung, um in diesen Krisenzeiten Arbeitsplätze zu retten.

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Innsbruck – Mit dem neuen Corona Kurzarbeitsmodell, das AK, ÖGB und WKÖ gemeinsam mit der Bundesregierung ausverhandelt haben, sollen in diesen Krisenzeiten Arbeitsplätze gerettet werden, so die Arbeiterkammer in einer Aussendung am Donnerstag. „Es ist für praktisch alle Betriebe geeignet, vom kleinen Friseur bis zum großen Industriebetrieb“, betont Tirols Arbeiterkammer-Präsident Erwin Zangerl. Die Covid-19-Krise führe aber auch zu zahlreichen Fragen bei den Beschäftigten.

Hier erhalten Sie die aktuellsten Antworten zur neuen Corona-Kurzarbeit:

⛏️ Was ist Corona-Kurzarbeit?

Die Kurzarbeit dient zur Überbrückung von wirtschaftlichen (nicht saisonbedingten) Störungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus und soll die Beschäftigten im Betrieb halten. Kündigungen sollen vermieden werden.

📈 Wann kann Corona-Kurzarbeit in einem Betrieb eingeführt werden?

Corona-Kurzarbeit ist für Unternehmen unabhängig von der Betriebsgröße und unabhängig von der Branche möglich. Das Unternehmen, das Corona-Kurzarbeit einführen möchte, nimmt in einem ersten Schritt Kontakt mit dem AMS auf. Das kann per Mail oder telefonisch erfolgen.

Zeitgleich finden Gespräche auf betrieblicher Ebene statt, um in Betrieben mit einem Betriebsrat eine unterschriftsreife Betriebsvereinbarung abzuschließen. In Betrieben ohne Betriebsrat braucht es Einzelvereinbarungen mit jedem Arbeitnehmer.

📓 Wo stehen die Regelungen über Corona-Kurzarbeit?

Kurzarbeit wird grundsätzlich im Arbeitsmarktservicegesetz (AMSG § 37b und 37c) geregelt. Die spezielle Corona-Regelung findet sich in § 37b Abs 7 AMSG. Die Umsetzung legt eine Richtlinie des AMS (Arbeitsmarktservice) fest. Darüber hinaus gibt es eine Grundsatzeinigung zwischen den Sozialpartnern ÖGB und AK sowie WKÖ und IV.

💶 Welche Unterstützung gibt es vom AMS?

Um vom Arbeitsmarktservice Kurzarbeitsbeihilfe beanspruchen zu können, braucht es eine schriftliche Kurzarbeitsvereinbarung zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber-Vertretung (Wirtschaftskammer), Die Kurzarbeitsbeihilfe, die das AMS dem Arbeitgeber auszahlt, dient zur teilweisen Abgeltung der entstehenden Kosten insbesondere dieser Kurzarbeitsunterstützung.

⏲️ Wie lange kann der Zeitraum für Corona-Kurzarbeit sein?

Zunächst ist der Zeitraum für Corona-Kurzarbeit auf drei Monate begrenzt. Bei Bedarf kann die Kurzarbeit um weitere drei Monate verlängert werden.

🕑 Auf welches Maß kann die Arbeitszeit reduziert werden?

Im gesamten Durchrechnungszeitraum kann die Arbeitszeit um maximal 90 Prozent reduziert werden. Dabei können auch längere Zeiträume mit einer Wochenarbeitszeit von null Stunden vereinbart werden. Sollte dies der Fall sein, ist in den darauffolgenden Wochen die Arbeitszeit entsprechend höher anzusetzen. Beispiel: Kurzarbeitsdauer sechs Wochen: davon fünf Wochen null Prozent Arbeitszeit, eine Woche 60 Prozent.

💶 Wie viel Entgelt erhält ein Arbeitnehmer?

Die Kurzarbeitsbeihilfe des AMS bemisst sich am Nettoentgelt des Arbeitnehmers/der Arbeitnehmerin vor Kurzarbeit und garantiert ein Mindesteinkommen:

Bis zu 1700 Euro Bruttoentgelt beträgt das Entgelt 90 Prozent des bisherigen Nettoentgelts.

Bis zu 2685 Euro Bruttoentgelt beträgt das Entgelt 85 Prozent des bisherigen Nettoentgelts.

Ab 2686 Euro Bruttoentgelt beträgt das Entgelt 80 Prozent des bisherigen Nettoentgelts.

Für Einkommensteile über 5370 Euro gebührt keine Beihilfe. Bei Lehrlingen beträgt das Einkommen 100 Prozent des bisherigen Nettoentgelts.

Rechenbeispiel

Mit einem Vollzeitarbeitnehmer (38,5 Wochenstunden) werden zunächst 3 Monate Kurzarbeit mit der (niedrigst möglichen) Arbeitszeit von zehn Prozent vereinbart. Gleichzeitig wird ausgemacht, dass zum Einstieg solange wie möglich null Stunden gearbeitet werden. drei Monate entsprechen 13 Wochen. Die Gesamtarbeitszeit während der Kurzarbeitsperiode beträgt damit 13 x 3,85 Stunden = 50,05 Stunden = 50 Stunden 3 Minuten.

Damit kann der Arbeitnehmer zunächst die ersten 11 Wochen(!) mit 80 bis 90 Prozent des Nettoentgelts zu Hause bleiben und steigt dann in der 12. Woche mit 11 Stunden 33 Minuten wieder ein und leistet in der 13. Woche wieder 38,5 Stunden Vollarbeit.

Sollte er auch in Woche zwölf und 13 noch nicht benötigt werden, kann man in die nächsten 13 Wochen Kurzarbeit gehen. Dann könnte der Arbeitnehmer die ersten 23 Wochen (!) arbeitsfrei haben, in die 24. Woche fallen 23 Stunden 6 Minuten, Woche 25 und 26 sind wieder mit der Normalarbeitszeit.

Man kann also lange Zeiträume mit null Stunden überbrücken, wenn notwendig.

Nehmen wir an, dass der Arbeitnehmer bisher ein Bruttomonatsgehalt von 2000 Euro bezogen hat (14 x jährlich), das bedeutet laufende Bruttokosten für den Arbeitgeber von 2570,20 Euro im Monat. Legt man die Sonderzahlungen anteilig um (13. und 14. Monatsgehalt), hat der Arbeitgeber monatliche Bruttokosten von 2996,90 Euro.

Für den Arbeitnehmer bedeutete das ursprüngliche Bruttogehalt 1495,54 Euro netto im laufenden Monat. Durch den Lohnausgleich auf 85 Prozent erhält der Arbeitnehmer immerhin ein laufendes Monatsnetto von 1271,21 Euro bei durchschnittlich 10 %iger Arbeitsleistung während der Kurzarbeitsperiode.

Der Arbeitgeber hat, damit der Arbeitnehmer dieses Nettoentgelt erhält, im laufenden Monat Arbeitskosten von 2252,21 Euro, erhält aber eine Kurzarbeitsbeihilfe von 2310,53 Euro. Damit gewinnt er im laufenden Monat sogar eine zusätzliche Liquidität durch die Weiterbeschäftigung dieses Arbeitnehmers von 58,32 Euro! Erst unter Berücksichtigung der anteiligen Sonderzahlungen wird der Beitrag des Arbeitgebers zu diesem attraktiven Coronakrisen-Überbrückungsmodell deutlich: Mit anteiligen Sonderzahlungen liegen die effektiven Monatskosten des Arbeitgebers bei 317,05 Euro. Dafür erhält er freilich durchschnittlich 10 Prozent der ursprünglichen Arbeitszeit in der Kurzarbeitsperiode.

🏨 Was passiert mit meinen Sonderzahlungen (Urlaubsgeld)?

Für Sonderzahlungen gibt es die ungekürzte Zahlung – wie vor Eintritt in die Kurzarbeit vereinbart.

👷🏼‍♀️ Gilt die Differenz von der reduzierten Arbeitszeit auf die vorangegangene Normalarbeitszeit als Freizeit?

Grundsätzlich gilt die freiwerdende Zeit als Freizeit und steht dem Arbeitnehmer/der Arbeitnehmerin zur freien Verfügung.

⚔️ Kann ein Arbeitnehmer während der Kurzarbeitsphase gekündigt werden?

Während der Dauer der Kurzarbeit muss jener Beschäftigungsstand im Betrieb aufrechterhalten werden, der zum Zeitpunkt der Antragstellung bestanden hat. Betriebsbedingte Kündigungen dürfen frühestens nach der Behaltefrist ausgesprochen werden.

Personenbezogene Kündigungen sind immer möglich; der Arbeitgeber ist jedoch verpflichtet, durch Neueinstellung den Beschäftigtenstand aufrecht zu erhalten.

Im Falle einer einvernehmlichen Lösung muss der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin nachweislich Gelegenheit haben, sich mit Betriebsrat oder Gewerkschaft bzw. Arbeiterkammer über die Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu beraten.

⌛ Gibt es nach der Kurzarbeitsphase einen Kündigungsschutz?

In den Kurzarbeitsvereinbarungen wird eine Behaltepflicht für die Zeit nach der Kurzarbeit von einem Monat festgelegt werden. Die Behaltefrist nach der Kurzarbeit gilt nur für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die von der Kurzarbeit betroffen waren, nicht aber für alle Beschäftigten des Betriebs.

🤔 Kann ein Arbeitnehmer während der Kurzarbeitsphase selbst kündigen?

Arbeitnehmer können während der Kurzarbeit jederzeit unter Einhaltung der geltenden Fristen selbst kündigen bzw. eine einvernehmliche Auflösung ihres Dienstverhältnisses vorschlagen. Im Falle einer einvernehmlichen Lösung gilt diese jedoch nur, wenn der Arbeitnehmer nachweislich Gelegenheit hatte, sich mit Betriebsrat oder Gewerkschaft über die Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu beraten.

🤷‍♂️ Ist der Arbeitnehmer bei Kurzarbeit weiterhin voll sozialversichert?

Die Beiträge zur Sozialversicherung sind vom Arbeitgeber auf Basis des ungekürzten Einkommens vor Eintritt in die Kurzarbeit zu leisten. Das heißt, dass sich beim Arbeitslosengeld oder für die Pensionsbemessung für die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kein Nachteil ergibt. Im Corona-Kurzarbeitsmodell werden die Sozialversicherungsbeiträge ab dem ersten Monat dem Unternehmen vom AMS ersetzt.

👩‍🏭 Dürfen auch Lehrlinge in die Kurzarbeit einbezogen werden?

Auch Lehrlinge können in die Kurzarbeit miteinbezogen werden. Sie erhalten allerdings die volle Lehrlingsentschädigung weiter.

🏃‍♂️ Können Teilzeitbeschäftigte in die Kurzarbeit einbezogen werden?

Für Teilzeitbeschäftigte ist ebenfalls Kurzarbeit möglich, dabei muss jedoch die bisherige Teilzeit-Arbeitszeit entsprechend reduziert werden.

🛌 Können Arbeitnehmer, die sich in Altersteilzeit befinden, in die Kurzarbeit einbezogen werden?

Werden in die Kurzarbeit Arbeitnehmer einbezogen, für die ein laufendes Altersteilzeitgeld gewährt wird, beziehen sich die kurzarbeitsbedingten Ausfallstunden auf die im Rahmen des Altersteilzeitmodells bereits reduzierte Arbeitszeit. Der Lohnausgleich bleibt davon unberührt. Das tatsächliche Entgelt für die geleistete Arbeitszeit reduziert sich entsprechend den kurzarbeitsbedingten Ausfallstunden.

👍 Können auch Leiharbeitnehmer im betroffenen Betrieb in die Kurzarbeit einbezogen werden?

Leiharbeitnehmer können ebenfalls kurzarbeiten, wenn der Beschäftigerbetrieb kurz-arbeitet und auch mit dem Leihunternehmer (Arbeitskräfteüberlasser) eine eigene Kurzarbeitsvereinbarung abgeschlossen wird. Diese Kurzarbeitsvereinbarung bezieht sich nur auf jene Leiharbeitnehmer, die im kurzarbeitenden Beschäftigerbetrieb eingesetzt sind und nun ebenfalls dort kurzarbeiten. Gleichzeitig dürfen sie aber nicht in der ausgefallenen Arbeitszeit an ein anderes Unternehmen „verliehen“ werden. Außerdem gilt auch hier die Behaltepflicht. Dies bedeutet während der festgelegten Zeit der Behaltepflicht (also während der Dauer der Kurzarbeit und einer evtl. vereinbarten Behaltefrist danach) darf die Zahl der Leiharbeitnehmer, die an den betroffenen Betrieb überlassen wer-den, nicht verringert werden.

🤷‍♀️ Dürfen während der Kurzarbeit Überstunden geleistet werden?

In der Corona-Sozialpartnervereinbarung kann auch die Zulässigkeit der Leistung von Überstunden festgelegt werden. Es sind jene Betriebsbereiche zu nennen, in denen Überstundenarbeit erlaubt sind. Im Fall geleisteter Überstunden sind diese von den im jeweiligen Abrechnungsmonat angefallenen Ausfallstunden in Abzug zu bringen.

👩‍🏭➕👩‍🌾 Ist Zuverdienst möglich?

Wer jetzt in Kurzarbeit ist, kann in der arbeitsfreien Zeit unbeschränkt dazuverdienen - das hat Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) klargestellt. Zu bezahlen seien lediglich die regulären Abgaben und Steuern. Erntehelfer würden jetzt zum Beispiel dringend gebraucht, erklärten das Arbeits- und das Landwirtschaftsministerium am in einer Mitteilung. W

egen der geltenden Reisebeschränkungen können jetzt viele Saisonniers nicht nach Österreich kommen. Darum soll mit einem Erlass geregelt werden, dass Betriebe, die jetzt neue Bewilligungen beantragen, diese auch bekommen. Zeitlich begrenzte Überschreitungen der Kontingente seien zulässig. Arbeitgeber sollen bekanntgeben, welche Bewilligungen nicht mehr in Anspruch genommen werden können, weil der Saisonnier nicht einreisen kann.

🤒 Was passiert, wenn der Arbeitnehmer während der Kurzarbeit krank wird?

Während eines Krankenstandes muss – wie stets – der Arbeitgeber das Entgelt so weiterbezahlen, als wäre gearbeitet worden. Es tritt also kein Einkommensverlust im Vergleich zu den Beschäftigten auf, die weiter Kurzarbeit leisten, aber auch keine Besserstellung. Dies gilt natürlich nur, so lange Anspruch auf volle Entgeltfortzahlung besteht.

🏨 Müssen vor der Kurzarbeit Urlaub und Zeitguthaben verbraucht werden?

Arbeitgeber können den Verbrauch von altem Urlaub und Zeitguthaben verlangen, jedoch nicht einseitig anordnen. In Betrieben mit Betriebsrat ist der Urlaubsverbrauch über eine Betriebsvereinbarung zu regeln.

🏖️ Kann der Arbeitnehmer während Kurzarbeit in Urlaub gehen?

Selbstverständlich ist das möglich. Die meisten Vereinbarungen sehen vor, dass während des Urlaubs das volle Entgelt bezahlt wird, als ob es keine Kurzarbeit gäbe. Nicht möglich ist es aber, nur an jenen Tagen Urlaubstage zu konsumieren, während derer gearbeitet wird, und für die Tage, an denen die Arbeit ausfällt, nicht. Mit z. B. drei Urlaubs-tagen eine ganze Woche frei zu bekommen ist also nicht möglich.

⏳ Muss die Arbeitszeit in jeder Arbeitswoche gleich gekürzt werden oder kann sie geblockt werden?

Innerhalb des Durchrechnungszeitraums kann die Arbeitszeit auch ungleich verteilt werden. Die gekürzte Normalarbeitszeit muss zwischen zehn Prozent und 90 Prozent der kollektivvertraglichen Normalarbeitszeit liegen; dies im Durchschnitt des Durchrechnungszeitraumes. Sie kann zeitweise auch Null sein! Beispiel: Kurzarbeitsdauer sechs sechs Wochen; fünf Wochen null Prozent, eine Woche 60 Prozent.

⛑️ Was passiert, wenn der Arbeitgeber während der Kurzarbeit insolvent wird?

In diesem Fall wird die Kurzarbeit beendet.

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Weitere Fragen beantwortet die Arbeiterkammer auch telefonisch unter der Hotline 0800/22 55 22 – 1414.

Die AK Tirol informiert laufend aktuell auch auf www.ak-tirol.com


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