Coronavirus: Schule daheim fordert alle Beteiligten in Tirol

Seit einer Woche heißt es für Tirols Schüler: daheim lernen. Eltern berichten, dass Schulen und Lehrer damit verschieden umgehen – eine neue Situation für alle.

Viele Lehrerinnen, wie Elke Knapp, VS Wattenberg, sind daheim mit Schülern in Kontakt.
© OFFEANNG

Von A. Plank und L. Pircher

Innsbruck, Wattenberg – Elke Knapp ist derzeit viel mit Kindern und Eltern ihrer Schule in Kontakt. Kommuniziert wird vor allem über „Schoolfox“.Manche Eltern rufen auch an. Knapp unterrichtet normalerweise in der 2-klassigen Volksschule in Wattenberg. Sie ist für 18 Kinder der ersten und zweiten Schulstufe zuständig. Vergangenen Montag kamen alle Eltern nacheinander, um die vorbereiteten Arbeitspäckchen samt Arbeitsplan abzuholen. „Das war ganz unkompliziert“, erzählt Knapp.

„Diese Woche wurden alle Kinder zu Hause betreut, für nächste Woche gibt es schon Anmeldungen für die schulische Betreuung.“ Das Lehrerteam übernimmt diese abwechselnd. Die Eltern melden den Bedarf bis spätestens 16 Uhr am Vortag an. Am Montag sei sie zur Betreuung in der Schule, außerdem können die Eltern im Laufe des Vormittags erledigte Aufgaben zur Korrektur bringen und Nachschub beim Lesestoff mitnehmen. „Auf der Schulhomepage gibt’s auch noch Übungslinks, aber die ,Pflichtarbeit‘ bekommen die Kinder von uns in Papierform, damit es alle haben, falls es daheim Probleme mit Druckern gibt.“

So weit laufe alles entspannt, sagt die Pädagogin, die schon neugierig ist, wie es nächste Woche mit den erledigten Arbeiten ausschauen wird. Die Lehrerin gibt Tipps zum Lernen mit Volksschulkindern. Stoff solle in den ersten beiden Klassen nur zwei Stunden durchgenommen werden, ab der dritten Klasse drei Stunden. „Auch in der Schule wird in diesem Alter noch viel gespielt, gebastelt und gesungen.“ Manche Mütter städtischer Schulen wundern sich indes über Schreiben der Lehrer. Wer mehrere schulpflichtige Kinder hat, tut sich schwer, Anweisungen wie diese umzusetzen: „Eine kleine Glocke läuten, wenn die Arbeitszeit anfängt und wenn sie wieder aufhört.“ Andrea A., die vier Kinder hat, freut besonders die Anweisung, dafür zu sorgen, dass sich die Kinder nicht ablenken.

In den Neuen Mittelschulen und Gymnasien passiert indes schon viel über das Internet. Bei den Trainingsplänen mancher Sportlehrer gewinnt man zwar den Eindruck, die Kinder können sich nach der Quarantäne für eine Aufnahmeprüfung bei der Cobra melden, aber noch sind fast alle mit viel Enthusiasmus dabei. Auch Religions- und Musiklehrer schicken Übungen, erzählen Schüler, sodass ganz schön viel Arbeit zusammenkommt.

Eine Mutter meint dazu: „Im Idealfall lernen die Kinder nun, wie man sich die Arbeit einteilt.“ In Gesprächen mit Familien hört man heraus, dass es vorwiegend von den Lehrpersonen abhängt, in welchem Ausmaß Arbeitsaufträge übermittelt werden: „Manche übertreiben es, andere sind human“, sagt eine dreifache Mutter aus dem Oberland. Manche Familien wundern sich, dass es teils auch in Nebenfächern wie Religion aufwändige Arbeitsaufträge gibt. Seitens der Bildungsdirektion heißt es dazu auf TT-Anfrage: „Religion und Zeichnen sind Fächer wie alle anderen. Es gibt daher keinen Grund, warum für sie nicht die gleichen Regeln gelten sollten.“

Dass es verschiedenste Herangehensweisen der Schulen zum Home-Schooling gebe, sei damit zu begründen, dass die Situation für alle neu sei. Und damit, „dass die Ausstattung der jeweiligen Schule eine große Rolle spielt. Manche Schulen können aufgrund ihrer technischen Ausstattung und ihres Know-how fast einen stundenplanmäßigen Unterricht digital abhalten, andere nicht.“ Seitens der Elternbildung Tirol heißt es, Eltern seien nicht dazu verpflichtet, ihren Kindern neuen Schulstoff beizubringen, es gehe um Vertiefung des Gelernten. Die Elternbildung Tirol biete bezüglich Home-Schooling Hilfe an (Tel.: 0650/5641580).

Nachhilfe kommt per App

Innsbruck – Schüler können via App kostenlos betreutes Online-Lernen nützen. Die App vermittelt Erwachsene, die unterrichten, und Schüler, die lernen wollen. Man nennt auf der App die Fächer und die Altersgruppe.

Das „Lernsieg“-Team, von dem die Initiative ausgeht, ordnet jedem Schüler einen Lehrer zu. Es hatte mit der Lehrerbewertungs-App für gehörigen Wirbel gesorgt. Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike sagt zum neuen Angebot: Eine Plattform, die helfe, zur Weiterbildung beizutragen, sei unabdingbar. „So können etwa Schüler mit Migrationshintergrund ihr Deutsch aufbessern“, erklärt „Lernsieg“-Gründer Benjamin Hadrigan.

Jene, die sich nicht mit Apps auskennen, können sich via E-Mail bei lehrer@lernsieg.at oder schueler@lernsieg.at melden. (TT)


Kommentieren


Schlagworte