Tschechien stoppte Lieferung von Atemschutzmasken an Italien

Die tschechischen Behörden haben mehr als 100.000 Mundschutz-Masken beschlagnahmt, die eigentlich für das besonders vom Coronavirus betroffene Italien bestimmt waren. Der tschechische Außenminister räumte den Fehler am Sonntag ein.

Die tschechische Regierung hat angeordnet, dass alle Menschen in der Öffentlichkeit eine Mund- und Nasenbedeckung tragen müssen.
© AFP/Cizek

Rom – Italien beschuldigt Polen und die Tschechische Republik, eine chinesische Lieferung von Masken und Geräten gestoppt und beschlagnahmt zu haben. Die beiden voneinander unabhängigen Transporte seien an den jeweiligen Grenzen konfisziert worden, berichtete die römische Tageszeitung La Repubblica.

Die italienischen Gesundheitsbehörden sprechen von einem "ernsten und absurden" Vorfall. Das italienische Außenministerium machte daraufhin Druck in Warschau. "Wir sind angesichts der Berichte aus EU-Ländern sprachlos, die von Italien erworbenes Material für das Gesundheitswesen stoppen. Wir werden nicht zulassen, dass sozialer Egoismus zur nationalen Politik einiger EU-Mitgliedstaaten wird", protestierte der sozialdemokratische Parlamentarier Ettore Fiano. "Dieses Verhalten ist ein Affront für Italien und gefährdet die nationale Gesundheit", protestierte die Fraktionschefin der oppositionellen Forza Italia im Senat, Anna Maria Bernini.

Fehler eingeräumt, Atemschutzmasken sollen bald in Italien sein

Der tschechische Außenminister Tomas Petricek räumte den Fehler laut Nachrichtenagentur dpa am Sonntag ein. Dies sei nicht mit Absicht geschehen, sagte der Sozialdemokrat der Agentur CTK. Es wird nach einem Weg gesucht, wie die Masken bereits Anfang kommender Woche doch noch ihr Bestimmungsland erreichen könnten. Die Sendung war als Hilfslieferung der Rotkreuzgesellschaft Chinas an chinesische Landsleute in Italien deklariert. Sie wurde im Zuge einer größeren Razzia gegen Preiswucher in einem Lagerhaus im nordböhmischen Lovosice sichergestellt.

Außenminister Luigi Di Maio erklärte, er habe einen Anruf vom Außenministerium im Prag und die Versicherung erhalten, dass die Atemschutzmasken in den nächsten zwei Tagen geliefert werden sollen. Weitere 200.000 Atemschutzmasken, die Italien erworben hat, seien in der Türkei gestoppt worden. Italien sei dabei, alle Probleme bei der Lieferung von sanitärem Material zu beheben.

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Atemschutzmasken sind in dem von der Coronavirus-Pandemie schwer betroffenen Italien begehrt wie noch nie. Die Staatsanwaltschaft der süditalienischen Stadt Bari leitete eine Untersuchung ein, nachdem den regionalen Gesundheitsbehörden weniger Atemschutzmasken als bestellt geliefert worden waren. Den Gesundheitsbehörden seien außerdem Atemschutzmasken zu wesentlich überhöhten Preisen angeboten worden. (APA/dpa)


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