Rendi-Wagner fordert flächendeckende Tests, Anschober hält das für nicht sinnvoll

SPÖ-Chefin und Mediziner Pamela Rendi-Wagner fordert, im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie müsse in Österreich viel mehr getestet werden. Für Gesundheitsminister Rudolf Anschober sind flächendeckende Tests nicht sinnvoll und auch nicht machbar. Er verspricht jedoch, die Testkapazitäten würden künftig noch ansteigen.

SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner.
© APA

Wien – SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner fordert flächendeckende Tests, um Corona-Infizierte rascher identifizieren und isolieren zu können. Außerdem plädiert sie für eine zentrale Koordination der Beschaffung von Schutzausrüstung für alle Spitäler, aber auch für niedergelassene Ärzte.

"Je mehr Tests durchgeführt werden, desto besser die Kontrolle der Ausbreitung des Virus. Dazu müssen dringend alle freien Laborkapazitäten des Landes genutzt werden", argumentierte Rendi-Wagner gegenüber die APA die Forderung nach flächendeckenden Tests. Sie verwies auf Erfahrungen aus China und Südkorea, wo rigorose Testungen zu einer schnellen Isolierung führten, um eine Weiteransteckung zu verhindern. In beiden Ländern gebe es einen langsamen Rückgang der Erkrankungen.

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Wegen seiner früheren Erfahrungen mit den Vorläufer-Viruserkrankungen SARS und MERS habe Südkorea genügend Kapazität für ausreichend Tests bereitgehalten. "Genau diese vielen Tests sind der Erfolgsschlüssel im Kampf gegen Corona."

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Außerdem fordert die SPÖ-Vorsitzende eine zentrale Koordination der Verteilung von Schutzausrüstungen. "Vor allem das Gesundheitspersonal ist einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. Um einen Kollaps des Gesundheitssystems zu vermeiden, müssen alle Hebel in Gang gesetzt werden, um Spitäler und niedergelassene Ärzte mit Schutzausrüstung auszustatten."

Das medizinische Personal müsse auch dringend informiert werden, ob und wann mehr Schutzausrüstung geliefert werden. Nur das schaffe Planungssicherheit für die Spitäler, damit genügend Kapazitäten auch zur notwendigen Bevorratung bereitgestellt werden können. "Man darf die Spitäler und Ärzte im niedergelassenen Bereich nicht alleine lassen", betonte Rendi-Wagner.

Anschober: "Aufgrund der Ressourcen nicht umsetzbar"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) erteilte der Forderung von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner eine Absage. "Eine flächendeckende Testung wird von unserem Fachbeirat als nicht sinnvoll bewertet und ist auch aufgrund der Ressourcen nicht umsetzbar", erläuterte der Ressortchef am Montag auf Anfrage.

"Wir erhöhen schrittweise massiv die Zahl der Testungen in Österreich – es bleibt bei klaren Schwerpunkten: Verdachtsfälle laut Falldefinition, oder Entscheidung des niedergelassenen Arztes, aber vor allem alle Gesundheitsberufe als Zielgruppe", bekräftigte Anschober. Er betonte, dass im Laufe der vergangenen Woche die Testkapazität von 1.000 bis 1.500 Testungen pro Tag in zehn Labors auf derzeit etwa 2.000 bis 4.000 Tests pro Tag in 20 Labors verdoppelt wurde.

Laut Anschober steigt die Zahl der täglich möglichen Tests täglich, weil sich immer mehr Labors aus dem niedergelassenen Bereich mit sogenannten Hochdurchsatzgeräten ausstatten. Eine präzise tagesaktuelle Angabe sei daher schwierig. "Außerdem kommen Labors aus dem niedergelassenen Bereich hinzu. So werden die Kapazitäten schrittweise massiv erhöht", erläuterte der Minister. Zu den Kosten der Testungen sind derzeit keine genauen Angaben möglich, hieß es aus dem Ministerium. (APA)


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