Reaktionen zur Absage: „Alles andere würde IOC zum Straftäter machen"

Die wichtigsten Reaktionen zur Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 in Tokio auf einen bislang noch unbestimmten Zeitpunkt auf einen Blick:

London-Olympiasieger Robert Harting nahm sich wie gewohnt kein Blatt vor den Mund.
© GEPA pictures/ US Presswire

Thomas Bach (IOC-Präsident): „Dieses Olympische Feuer wird das Licht am Ende dieses Tunnels sein. Es geht um den Schutz des menschlichen Lebens. Finanzen hatten jetzt keine Priorität. Den Zeitrahmen haben wir noch nicht diskutiert. Es kommen 11.000 Athleten aus 206 Ländern zusammen, die Fans, die Sponsoren, die Verbände und so weiter. Es gibt so viele Puzzlestücke. Das braucht Zeit."

Karl Stoss (Österreichisches Olympisches Komitee/Präsident): „Wir begrüßen die Entscheidung, weil sie zum jetzigen Zeitpunkt die einzig richtige im Sinne der Gesundheit aller Athletinnen und Athleten ist. Der Höhepunkt der COVID19-Krise in Europa noch nicht einmal erreicht. Eine schlagartige Verbesserung der Lage ist nach derzeitiger Wissenslage nicht mehr in Sicht. Grundprinzipien wie Gesundheit, der Schutz des sauberen Athleten und Chancengleichheit bzw. die faire Austragung der Qualifikation sind unter diesen Umständen nicht mehr möglich.“

Werner Kogler (Vize-Kanzler und Sportminister): „Ich begrüße die Entscheidung des IOC, die Spiele von Tokio zu verschieben als weiteren Sieg der Vernunft."

Peter Mennel (Österreichisches Olympisches Komitee/Generalsekretär): „Ich begrüße, dass die unsichere Situation für Olympia-Athleten jetzt ein Ende hat. Im Augenblick haben die Gesundheit der Bevölkerung und die Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems klare Priorität."

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Japans Regierungschef Shinzo Abe (nach einem Telefongespräch mit IOC-Präsident Thomas Bach): „Wir haben Präsident Bach vorgeschlagen, eine Verschiebung für ungefähr ein Jahr in Betracht zu ziehen, um es den Athleten möglich zu machen, in ihrer besten Verfassung anzutreten, und um das Ereignis zu einem sicheren für die Zuschauer zu machen. Präsident Bach hat gesagt, er ist damit zu 100 Prozent einverstanden."

Stellungnahme des Internationalen Olympischen Komitees (IOC): „Unter den aktuellen Unständen und auf Basis der Information der Weltgesundheitsorganisation WHO von heute, haben der IOC-Präsident und der Premierminister von Japan die Schlussfolgerung gezogen, dass die Spiele der XXXII. Olympiade in Tokio auf ein Datum nach 2020, aber nicht später als Sommer 2021 verschoben werden müssen, um die Gesundheit der Athleten, der internationalen Gemeinschaft und aller, die in die Olympischen Spiele involviert sind, zu schützen."

Tanja Frank (Segeln/Olympia-Bronze 2016): „Dass Olympische Spiele verschoben werden, passiert nicht grundlos. Natürlich müssen wir uns jetzt mit der neuen Situation zurechtfinden, aber man kann in allem auch etwas Positives finden: Zum Beispiel mehr Vorbereitungszeit. Man weiß natürlich noch nicht wann, wo und wie wir wieder zu segeln beginnen können, aber das wird sich auch hoffentlich bald herausstellen. Wichtig ist jetzt die Gesundheit, und dass wir alle zusammenhelfen, dass wir die schweren Zeiten schnell überstehen!“

Robert Harting (deutscher Diskus-Olympiasieger): „Alles andere als sich der Weltgesundheit zu stellen und den Austragungszeitraum respektvoll anzupassen, würde das IOC zum Straftäter machen. Denn die Vereinten Nationen haben Gesundheit zu einem Menschenrecht erklärt.“

Lukas Weißhaidinger (Diskuswurf/WM-Dritter): „Menschlich ist die Absage natürlich zu begrüßen. Derzeit geht es vorrangig um die Gesundheit aller und um die Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems. Sportlich gesehen macht es mich, in einer ersten Reaktion, natürlich auch traurig. Ich habe seit vier Jahren auf den 1. August 2020, den Tag des Diskus-Finales, hingearbeitet."

Verena Preiner (Siebenkampf/WM-Bronze): „Es ist sicher die fairste und beste Lösung für den Sport. Und es gibt uns die Sicherheit, dass wir alle genügend Zeit haben, uns in Ruhe auf Olympia vorbereiten zu können."

Jürgen Melzer (Tennis): „Die Leute, die sich damit beschäftigen, haben nach Intervention von vielen Ländern eingelenkt. Ein Großereignis wie die Spiele braucht natürlich auch einen Vorlaufmodus, und wenn der nicht gegeben ist, ist es auf der Basis der Chancengleichheit richtig. Auf die Entscheidung, ob ich weiterspielen werde, nehmen die Olympischen Spiele keinen Einfluss."

Michael Schöpf (Kletterverband KVÖ/Sportmanager): „Es war auf alle Fälle die richtige Entscheidung, weil es einfach überhaupt nicht absehbar ist, bis wann sich das wieder legen wird. Sie nimmt viel Druck weg, vor allem, was die Athleten betrifft in der Vorbereitung. Faire Spiele sind doch das oberste Gebot. Auch wenn es sicher hart ist für Japan mit den ganzen Mehrkosten, die auf sie zurollen, aber im Sinne des Sports war es definitiv die richtige Entscheidung."

Jessica Pilz (Klettern): „Ich war schon seit einiger Zeit der Meinung, dass die Olympischen Spiele verschoben werden sollen, weil zum einen die Gesundheit vorgeht und zum anderen einfach die Bedingungen für uns Athleten einfach nicht optimal waren, um uns für dieses Event vorzubereiten."

Jakob Schubert (Klettern): "Natürlich hat man in den letzten Tagen schon mit der Entscheidung spekuliert, von dem her war es jetzt nicht so überraschend. Im Endeffekt denke ich schon, dass es die richtige Entscheidung ist. Vor allem kann man jetzt noch nicht davon ausgehen, dass der Virus bis in den August komplett bekämpft wurde und dann wäre noch das zusätzliche Risiko gewesen, dass sich Leute dort anstecken. Dadurch, dass es so frisch ist, habe ich noch nicht so viel darüber nachgedacht, aber natürlich geht das große Saisonziel verloren und es ist, glaube ich, jetzt wichtig für jeden Sportler, dass man sich sehr schnell ein anderes großes Ziel setzt."

Bisherige Absagen von Olympischen Spielen.
© APA

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