Unfallversicherung: AK fordert Gesetzesanpassungen für Home Office

Laut AK-Experten ist es nicht gesichert, dass Unfälle im "Home Office" versicherungsrechtlich abgedeckt sind. Die Arbeiterkammer fordert daher eine rechtliche Anpassung.

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Wien – In Zeiten der Corona-Pandemie lautet die Empfehlung der Bundesregierung, dass möglichst viele Betriebe auf Home Office umstellen. Nicht nur zum Selbstschutz, auch zum Schutz der Funktionsfähigkeit von Firmen arbeiten nun Zehntausende in den eigenen vier Wänden. Passiert zu Hause aber ein Unfall, dann könnte man bei aktueller Gesetzeslage durch die Finger schauen.

"Viele Unfälle werden in einem guten Ausmaß nicht abgedeckt sein bzw. kann man sich auf keinen Fall darauf verlassen, dass sie abgedeckt sind", erklärte Wolfgang Panhölzl, Leiter der Abteilung Sozialversicherung der AK Wien, am Montag. Das sei kein tragbarer Zustand und aus dem Grund forderde die Arbeiterkammer für die Zeit eine Gesetzesanpassung. Eine Anpassung, die in die Richtung gehe, dass der Aufenthaltsort des Versicherten als Arbeitsstätte gelte.

Die Unfallversicherungsanstalt AUVA bestätigte am Montagnachmittag auf Anfrage die eingeschränkten Versicherungsleistungen im Home Office. "Der Versicherungsschutz erstreckt sich grundsätzlich nur auf den Arbeitsraum, in dem der Mitarbeiter die berufliche Tätigkeit ausübt", hieß es.

Unfallversicherungsschutz unklar

Stürzt etwa ein Arbeitnehmer zu Hause auf dem Weg zum Kaffee oder zur Toilette, könnte es zu Streitigkeiten kommen. Während dies innerhalb des Betriebes auf jeden Fall als Arbeitsunfall zu werten wäre, ist dies in der eigenen Wohnung keinesfalls sicher. "Es ist unklar, inwiefern ein Unfallversicherungsschutz gebührt, weil es kaum eine Rechtsprechung dazu gibt. Das Schwierige in der jetzigen Rechtsprechung ist, dass Privatsphäre von der beruflichen Sphäre in einer normalen Wohnung schwer abgegrenzt werden kann."

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Zudem gelten am normalen Arbeitsplatz auch die An- und Abreise, das Besorgen von Mittagessen oder sonstige übliche Wege wie ein Arztbesuch als arbeitsrechtlich unfallversichert. Bei Home Office gibt es diesbezüglich gar keine Regelung. Und so würden viele Unfälle als Freizeitunfälle laut ASVG gelten.

Der wesentlichste Unterschied sei, dass es bei einem herkömmlichen Freizeitunfall keine Renten gibt. Also keine Dauerleistung für die Verminderung der Arbeitsfähigkeit. "Wenn bei einem Arbeitsunfall jemand über eine Treppe stürzt, bekommt man für den Grad der Erwerbsminderung sein Leben lang eine Unfallrente", erläuter Panhölzl.

"Die meisten Arbeitnehmer haben kein Büro zu Hause"

Das Home Office, das übrigens gleichbedeutend mit der Telearbeit ist (dann eben nicht nur daheim), birgt freilich auch andere Tücken. So verfügen die meisten Arbeitnehmer nicht etwa über ein eigenes Büro und müssen sich den "Arbeitsplatz" mit anderen Familienmitgliedern teilen.

Die meisten Arbeitnehmer hätten kein Büro, so der AK-Experte. Eine Gesetzes-Anpassung müsse aber auch für alle Wege gelten, die von dieser definierten Arbeitsstätte weggehen. "Wenn Sie sich ein Essen holen, eine Pause an der frischen Luft machen oder Sie müssen zum Arzt: das sind übliche Wege, die im Zusammenhang mit der Arbeitsstätte geschützt sind", meint Panhölzl. Das müss nun auch im Zusammenhang mit dem privaten Aufenthaltsort gelten.

Man sei diesbezüglich mit dem Gesundheitsministerium in Kontakt und versuche, eine derartige Regelung durchzusetzen. Die Frage sei st nur wann.

"Der Weg aufs WC, das Kochen, der Weg zum Arzt usw. nicht umfasst."

Versicherungsschutz bestehe laut AUVA je nach örtlichen Gegebenheiten in einem eigenen Arbeitsraum, es könne aber auch das Wohnzimme usw. sein. Zudem sei auch ein temporäres Ausweichen zum Beispiel auf die Terrasse möglich. Der Versicherungsschutz in diesen Arbeitsräumen besteht nur im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit. Bei privaten Handlungen bestehe kein Versicherungsschutz.

Bewegt man sich in den übrigen Wohnräumen, besteht der Versicherungsschutz nur, wenn der Weg mit einer betrieblichen Motivation und im Zusammenhang mit der Arbeitsleistung erfolgt. "Der Weg aufs WC, das Kochen, der Weg zum Arzt usw. sind davon nicht umfasst."

"Generell ist das Risiko, im Home Office einen Arbeitsunfall zu erleiden, als verhältnismäßig gering zu erachten und wird sich erfahrungsgemäß im Wesentlichen auf Stürze beschränken", teilte die AUVA in ihrem Statement mit. (APA)


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