Anthony Fauci: Ein Medizin-Star als Gegenpol zu US-Präsident Trump

Ein Mann geistert in den vergangenen Tagen durch sämtliche US-Medien: Anthony Fauci. Der Spitzenmediziner ist wegen seiner Leistungen im Besitz der US-Freiheitsmedaille. In der Krise ist sein Fachwissen nun besonders gefragt – vor allem weil von höchster Stelle oft Falschmeldungen kommen.

Dr. Anthony Fauci im Presseraum des Weißen Hauses mit US-Präsident Donald Trump.
© BRENDAN SMIALOWSKI

Von Issam Ahmed, AFP

Washington – Wenn US-Bürger wissen wollen, was in der Coronavirus-Krise wirklich Sache ist, dann hören sie auf Anthony Fauci. Mit nüchterner Klarheit, schonungsloser Offenheit und unverkennbarer Reibeisen-Stimme fasst der oberste US-Infektiologe regelmäßig den aktuellen Stand zur Pandemie zusammen.

Der Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) ist zu einem wahren Medizin-Star geworden, wird als "amerikanischer Held" gefeiert – und ist damit ein Gegenpol zu US-Präsident Donald Trump. Dabei muss der 79-Jährige einen schwierigen Balanceakt meistern, bei dem nicht nur medizinischer Sachverstand, sondern auch diplomatisches Geschick gefragt ist. Einerseits erarbeitet der italienischstämmige Mediziner im Krisenstab des Weißen Hauses Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie und führt die Forschungsbemühungen zum Coronavirus an. Andererseits muss er immer wieder falsche oder irreführende Äußerungen Trumps einfangen - ohne den Präsidenten gegen sich aufzubringen.

Fauci widerspricht Trumps Falschmeldungen

Als Trump Anfang März ankündigte, ein Impfstoff gegen das Coronavirus könne in wenigen Monaten zur Verfügung stehen, stellte Fauci klar, realistisch sei ein Zeitraum von einem oder eineinhalb Jahren. Als Trump vergangene Woche ein Malaria-Medikament als potenzielles Wundermittel in der Pandemie anpries, mahnte der Infektiologe, bisher gebe es nur "anekdotische Evidenz" für eine Wirksamkeit.

Während der Präsident immer wieder die Gefahr durch das Coronavirus herunterspielte, antwortete Fauci am 11. März bei einer parlamentarischen Anhörung auf die Frage, ob den USA das Schlimmste noch bevorstehe, ohne zu zögern mit "Ja". Seine Ausführungen schloss er mit dem Satz: "Fazit: Es wird schlimmer." Spätestens da wussten alle in den USA um den Ernst der Lage.

Regelmäßig tritt Fauci an Trumps Seite im Weißen Haus vor die Presse, wenn über die Arbeit der Coronavirus-Task-Force unterrichtet wird. Der neben dem bulligen Trump winzig erscheinende Mediziner hat eine erfolgreiche Strategie im Umgang mit dem Präsidenten entwickelt: Er korrigiert ihn nicht direkt, sondern stellt nüchtern die Fakten klar.

Wissenschafter setzt im Kampf gegen Desinformation auf Fakten

"Ich kann nicht vor das Mikrofon springen und ihn wegdrücken", sagte Fauci dem Wissenschaftsmagazin Science. In der New York Times betonte der Mediziner: "Ich will nicht als harter Kerl auftreten, der sich dem Präsidenten entgegenstellt. Ich will nur, dass die Fakten stimmen. Und anstatt zu sagen: 'Sie liegen falsch', muss man nur ständig darüber sprechen, was die Daten und die Beweise sind."

"Ich kann nicht vor das Mikrofon springen und ihn wegdrücken."
Anthony Fauci über den Umgang mit US-Präsident Donald Trump

Die große Kompetenz des Mediziners aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn steht außer Frage. Seit 1984 leitet er das Institut für Allergien und Infektionskrankheiten, verdiente sich große Anerkennung im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids und später gegen das Zika-Virus und Ebola.

2008 wurde Fauci mit der US-Freiheitsmedaille geehrt, einer der höchsten zivilen Auszeichnung in den USA. Viermal wurde ihm angeboten, die NIAID-Dachorganisation National Institutes of Health (NIH) zu leiten – Fauci aber lehnte ab.

Fünf Stunden Schlaf als Luxus in der Corona-Krise

Der Kampf gegen das Coronavirus fordert ihm nun alles ab. In der New York Times berichtete der 79-Jährige, er habe inmitten der Krise mehrere Nächte in Folge nicht mehr als drei Stunden Schlaf bekommen. Da sei es geradezu erholsam gewesen, wieder fünf Stunden am Stück schlafen zu können.

Fauci wird sich seine Kräfte gut einteilen müssen. Denn auf ein schnelles Ende der Pandemie deutet ebenso wenig hin wie auf ein besonneneres Krisenmanagement von Präsident Trump.


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