WSG Tirol stellt auf Kurzarbeit um und hofft auf Lösung am Rasen

Tirols Bundesliga-Vertreter WSG Tirol stellt in Kürze auf Kurzarbeit um. Solidarität und Fairness sollen dabei weiter an erster Stelle stehen.

Die Spielpause ändert nichts am scharfen Blick – WSG-Sportmanager Stefan Köck bezieht zur gegenwärtigen Situation ganz klar Stellung.
© GEPA pictures/ Amir Beganovic

Von Alex Gruber

Wattens – Bei der WSG Tirol ist zur Stunde Finanz-Vorstand Hubert Vogelsberger („Man muss viele Szenarien durchspielen“) gefordert, Rechnungsmodelle aufzustellen, die man den Mitarbeitern in Sachen Kurzarbeit vorlegen kann: „Wir haben bislang gut gewirtschaftet. Wir haben die Hoffnung, mit Kurzarbeit und einem blauen Auge davonzukommen, wenn wir auch alle zugesagten Gelder von der Liga (Fernsehen) bekommen.“

>>> Live-Blog: Die Auswirkungen des Coronavirus auf den Fußball

>>> Österreichs Fußball setzt auf Kurzarbeit in der Pressing-Pause

Sportmanager Stefan Köck notiert, dass sich Führungsetage wie Trainerstab selbstverständlich solidarisch erklären; „Wir wollen als gutes Beispiel vorangehen und gehen diesen Weg selbstverständlich mit. Wir haben die Spieler vorinformiert, dass wir ins Kurzarbeits-Modell gehen möchten, und bei den bisherigen Gesprächen hat es dazu keine Absage gegeben“, ist Köck überzeugt, dass alle den Weg mitgehen werden.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Der Teufel schlummert im Profifußball dieser Tage in vielen Details. In Verträgen mit einem Leistungsanspruch, der sich beispielsweise an gewisse Einsatzzeiten koppelt. Oder an Optionen zur Vertragsverlängerung, die in etwa an den Klassenerhalt gebunden sind. Diese Liste ließe sich noch länger fortsetzen. Auch deswegen hofft ein fairer Sportsmann wie Köck, „dass wir die Saison fair am Rasen zu Ende bringen können“. Ohne dass ein Klub oder ein Spieler dem jeweils anderen die lange Nase zeigen müsse. „Die Spieler wissen, dass wir sehr gute Umgangsformen pflegen und niemanden auf die Straße stellen“, hält der Manager bei der grün-weißen Familie fest.

Klausel bis zum letzten Pflichtspiel in Verträgen verankert

„Wenn die Saison über Ende Mai hinauslaufen sollte, haben wir in allen Verträgen die Klausel zur Fortsetzung bis zum letzten Pflichtspiel verankert“, folgt das WSG-Vertragswerk den Empfehlungen der heimischen Spielergewerkschaft (VdF). Einer wie Köck wird nicht müde, den Fußball bei all seiner Bedeutung gedanklich immer wieder richtig einzuordnen: „Im Moment gilt es, viel größere Dinge in den Griff zu bekommen“, spielt er auf den weltweiten Kampf gegen das Coronavirus an. Das staatliche Kurzarbeits-Modell „wollen wir nützen, aber nicht ausnützen. Hoffentlich denken viele so.“

Zum Thema Kurzarbeit

Kollektivvertrag: Die Bundesliga ist kollektivvertragsfähig. Die Möglichkeit, Kurzarbeit anzunehmen, gibt es im österreichischen Sport nur für in den höchsten beiden Ligen engagierte Fußballer, weil zwischen Gewerkschaft (VdF) und Bundesliga ein Kollektivvertrag abgeschlossen wurde.

AMS: Das AMS ersetzt dem Arbeitgeber ausschließlich die entstandenen Kosten für Einkommen bis zur Höchstbeitragsgrundlage (5370 Euro brutto). Clubs können aber natürlich einvernehmlich höhere Summen zahlen.

Stufen: Die Kurzarbeitsbeihilfe des AMS sieht bei bis zu 1700 Euro Nettoeinkommen ein Entgelt von 90 Prozent des bisherigen Gehalts vor, bei bis zu 2685 Euro sind es 85 Prozent und ab 2686 Euro sind es 80 Prozent.

Freiwilligkeit: Keinem Spieler mit laufendem Vertrag kann Kurzarbeit aufgezwungen werden. Da Klubs über keinen Betriebsrat verfügen, ist seitens des Vereins mit jedem Arbeitnehmer einzeln zu sprechen.

Trainerstab: Mitglieder des Trainerstabs können auf freiwilliger Basis in die Kurzarbeit wechseln und sind, sofern sie befristete Verträge besitzen, ebenfalls unkündbar.

Nächste Woche will die Liga mit den Klubs darüber beraten, wie es weitergehen kann. Auch da plädiert Köck in Sachen Trainingsalltag für eine einheitliche Vorgehensweise: „Wenn alle Vereine gleichzeitig wieder gemeinsam gegen den Ball treten können, haben alle die gleichen Voraussetzungen.“

Ein vorzeitiger Saison-Abbruch wäre in Liga zwei vor allem für den überlegenen Tabellenführer aus Ried bitter, der wegen der höheren Gewalt rechtlich kaum eine Chance hätte, den verdienten Aufstieg einzuklagen.

Bundesligist Admira stellte gestern auf Kurzarbeit um, um vorerst alle 90 Arbeitsplätze (Nachwuchs, Akademie, Geschäftsstelle und Profis) sichern zu können.

Kommentar: Wie gut ist der Fußball als Botschafter?

Von Alex Gruber

Bei den derzeitigen Ausgangsbeschränkungen bzw. -sperren mutet es zumindest eigenartig an, wenn man hört, dass deutsche Bundesliga-Klubs wie RB Leipzig oder VfL Wolfsburg unter „sterilen“ Bedingungen in Kleingruppen wieder im Trainingsbetrieb stehen. Denn so gut da alles desinfiziert werden mag, so sehr steht die Frage im Raum, welches Signal man gegenüber dem Otto-Normalverbraucher, der womöglich in seiner kleinen Wohnung eingesperrt ist, nach außen sendet ...

Spannend wird in einigen Monaten mit Sicherheit auch die Aussage von FIFA-Chef Gianni Infantino, der vor Kurzem zu Protokoll gab, dass man das Coronavirus im Weltfußball als Schritt zurück betrachten könne. Mit einem Weniger an Spielen und Turnieren – also entgegen dem Trend, mit ständig aufgestockten Teilnehmerfeldern noch mehr Geld abzucashen.

Es werden noch viele „Pausen“-Ansprachen folgen.Und der Fußball bietet rund um den Globus viel Substanz, vom hohen Ross herunterzusteigen.


Kommentieren


Schlagworte