US-Truppen in Deutschland: Gerüchte über Invasion Europas kursieren im Netz

Für die im Internet umherschwirrenden Bilder von Panzern und Soldaten im Nordwesten Deutschlands gibt es eine relativ einfache Erklärung. Ein beginnender Krieg, getarnt von Corona, ist es nicht.

Bremerhaven, 21. Februar: Die Militärübung "Defender Europe 2020" begann.
© AFP/Patrik Stollarz

Innsbruck, Hagen – Bilder von US-Truppen und Panzern, dazu wilde Theorien über eine Invasion Europas und Gerüchte über den Zusammenhang mit dem Coronavirus: In den letzten Tagen wurde vielerorts im Netz die Krisenstimmung noch durch Kriegsmetaphern befeuert.

Die Geschichten der Verschwörungstheoretiker gingen so weit, dass ein Krieg in Europa begonnen haben soll – getarnt von der Corona-Krise und den politischen Maßnahmen, die sie auslöste.

Einige der Tweets:

Unter anderem die Seite mimikama.at, bekannt dafür, Falschmeldungen richtig zu stellen, reagierte darauf: Sie zitierte die meist kursierende Meldung („Angeblich seien in Hagen Panzer aufgefahren, Militär und Polizei soll Passanten kontrollieren, und wer sich ohne Grund draußen aufhalte, solle sofort 300 Euro Strafe zahlen. Angeblich habe das die Person von einem Polizisten gehört.") sowie die Richtigstellung der Polizei Hagen auf Facebook:

Verkleinerte Übung „Defender-Europe 2020"

Trotz der abstrusen Vermutungen, die teilweise geäußert werden: Die Bilder der militärischen Einsatzkräfte auf deutschen Straßen sind echt – aber kein Grund zur Beunruhigung. Tatsächlich findet derzeit unter dem Namen „Defender-Europe 2020“ eine gemeinsame Übung von 18 NATO-Staaten und des US-Militärs statt. Insgesamt 37.000 Soldaten sollten die Truppenbewegung in Deutschland, Polen und den baltischen Staaten proben. Dazu wollte die USA mehr als 20.000 Soldaten nach Europa entsenden.

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Diese größte Übung seit 25 Jahren geheim zu halten, hatten die Verantwortlichen auch nicht vor: Bereits im Oktober 2019 wurde das Vorhaben offiziell angekündigt. Ursprünglich hätte es um ein „Signal" gehen sollen, „dass die USA ihrer Verantwortung für Europa und die NATO-Partner gerecht würden", wie der stellvertretende Kommandant der US Army Europe, Major General Andrew Rohling, noch im Jänner erklärte.

Die Einsatzkräfte und das Material aus den USA sollten per Schiff und Flugzeug nach Frankreich, Belgien, die Niederlande und Deutschland gebracht werden, am 22. Februar sollten die ersten Transportschiffe in Bremerhaven entladen werden. Anschließend hätte es per Straße und Schiene weiter nach Polen und in die baltischen Staaten gehen sollen. Um die Belastung für die Bevölkerung zu minimieren, sollte der Großteil der Transporte aber nachts zwischen 22 Uhr und 6 Uhr absolviert werden. Soweit geschah es auch.

Wegen der Ausweitung des Coronavirus reduzierten die USA die Zahl ihrer Soldaten bei „Defender Europe 20" Anfang März aber schließlich, am 13. März wurden die Truppenbewegungen der US-Streitkräfte „faktisch ganz ausgesetzt". Am 16. März wurden die Übungen schließlich „geordnet beendet". Nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums waren aber rund 5500 US-Soldaten über Deutschland eingereist. Amerikanische Schiffe auf dem Weg nach Deutschland seien umgelenkt worden.

Dass die verkleinerte Übung ausgerechnet während der Corona-Krise stattfand, war natürlich unglückliches Timing. Grund zur Besorgnis gab es aber trotzdem zu keiner Zeit. (TT.com/anl/APA)


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