Tiroler Wirte in Sorge: Lieferservice ist kein Allheilmittel

Die Tiroler Wirte befinden sich angesichts der Corona-Krise zwischen Sorge und Strategieentwicklung. Seit der Lokal-Totalsperre haben sich für einige Gastronomen Lieferservices als Überlebensstrategie etabliert. Doch das gilt nicht für alle.

Restaurantbesucher bleiben in Zeiten der Corona-Krise aus, wie hier auf der Maria-Theresien-Straße in Innsbruck.
© BAGNG

Innsbruck – Tiroler Gastronomen, vor allem solche die Klein-, Mittel- und Familienbetriebe führen, plagen seit der Lokal-Totalsperre zur Eindämmung des Coronavirus Existenzängste. Einige warten vorerst die Entwicklungen ab, andere haben bereits selbst schon Strategien zum Erhalt des eigenen Betriebs in Krisenzeiten entwickelt.

Lieferservices als Überlebensstrategie etabliert

Neue Strategien begrüßt auch Alois Rainer, Obmann der Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Tirol. "Es ist gut, wenn Gastronomen kreativ werden und beispielsweise Lieferservices anbieten", betonte er. Für die Kundenbindung und die Kontaktpflege mit Stammgästen sei das wichtig, auch hinsichtlich der Zeit nach der Sperre, so der Fachgruppen-Obmann. Aber: "Man muss ganz handfest rechnen, ob sich das rentiert oder nicht".

Darauf, dass es sich rentiert, haben die Betreiber des Innsbrucker Wirtshauses "Burenwirt" gehofft und bereits mit Montag letzter Woche ein neues Lieferservice auf die Beine gestellt. Alfred Nikolai und Ingrid Marzari haben unter anderem eine Facebook-Gruppe gegründet, über die sie mit ihren Stammkunden kommunizieren und auf deren Solidarität zählen. Es laufe derzeit sehr gut, erklärten beide unisono. "Wenn es so weiter geht, dann kommen wir über die Krisenzeit und müssen auch keinen unserer Mitarbeiter kündigen", zeigten sie sich zuversichtlich.

Lieferservice ist kein Rezept für alle

Komplizierter ist die Lage für Manuela Schmid, die zusammen mit ihrem Mann Franz in Polling das Lokal "P202" betreibt. Sie agiert nach wie vor über eine bekannte Lieferservice-Plattform. "Derzeit kommt es aber dort immer wieder zu Ausfällen aufgrund der Überlastung", erklärte Schmid. Zunehmend bekomme man jetzt deshalb selbst direkte Anrufe und Anfragen. Der Lieferservice laufe insgesamt eher schleppend.

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Ähnlich stellt sich die Situation beim Lokal "Die Smokerei" in Wattens dar, das seit 16. März einen Lieferservice anbietet. "Unsere Umsätze sind mit denen von vorher nicht vergleichbar", berichtete Irena Meladze, die das Lokal zusammen mit Philipp Daxl betreibt.

Situation am Land gestaltet sich schwierig

Außerhalb der Landeshauptstadt und deren Umlandgemeinden stellt sich die Situation für Gastronomen noch komplexer dar. "Wir sind, was das mögliche Einzugsgebiet eines Lieferservices betrifft, einfach nicht mit Innsbruck vergleichbar", erklärte Martin Frischmann, Pächter des "Bräustüberl Kufstein". Er selbst habe sich unter anderem deswegen gegen ein Lieferservice entschieden. Auch eine etwaige Gefährdung seiner Mitarbeiter, wenn er diese in Corona-Zeiten weiterhin in der Küche oder im Lieferdienst beschäftigt, habe ihn dazu veranlasst, zuzusperren und auch vorerst zuzulassen.

Wir sind, was das mögliche Einzugsgebiet eines Lieferservices betrifft, einfach nicht mit Innsbruck vergleichbar.
Martin Frischmann, Pächter des "Bräustüberl Kufstein"

Die Gastronomen und den WK-Gastronomie-Obmann eint der Wunsch nach einer Situation, in der wieder ein wenig Normalität einkehrt. Die diesbezüglichen Hoffnungen sind aber gedämpft. "Auch wenn die Lokale wieder aufsperren, wird es nicht wie vorher sein", strich etwa Alois Rainer hervor. Es sei denkbar, dass dann das Essengehen mehr als bisher "Luxus" werde. "Ich rechne damit, dass mit bis zu 50 Prozent Einbußen über einen Zeitraum von einem Jahr zu rechnen ist", so der Fachbereichsobmann. Auch Frischmann zeigte sich verhalten: "Die Touristen und die Stammgäste, die bei uns zu einem guten Teil der älteren und damit gefährdeten Generation angehören, bleiben sicher länger aus".

Auch wenn die Lokale wieder aufsperren, wird es nicht wie vorher sein.
Alois Rainer, Obmann der Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Tirol

Drei Monate beschreiben sowohl Manuela Schmid als auch Martin Frischmann als den Zeitraum, nachdem es kritisch werden könnte. "Drei Monate kann man überbrücken, danach wird es schwierig", stellte Frischmann klar. "Nach drei Monaten nur Lieferservice wird es brenzlig", strich Schmid hervor. Was es jetzt jedenfalls brauche, sei Klarheit was die finanzielle Unterstützung der Gastro-Betriebe betrifft, meinte Rainer. "Es kann nicht im Sinne der Bundesregierung sein, dass kleine Betriebe zusperren", meinte der WK-Spartenobmann. (APA)


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