Gut zu wissen: Was Krebspatienten in Sachen Coronavirus beachten sollten

Erste, frühe Daten zeigen, dass Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, schneller und möglicherweise auch schwerer an COVID-19 erkranken als Gesunde. Dominik Wolf, Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin V, erklärt, was Patienten jetzt bedenken sollten.

Dominik Wolf, Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin V.
© MUI/F. Lechner

Innsbruck — Die derzeitige Coronavirus-Infektionswelle ist vor allem für bestimmte Personengruppen gefährlich: Zu dieser zählen auch Krebspatienten, deren Immunsystem durch die Krankheit oder Therapie geschwächt ist. Erste frühe Daten weisen darauf hin, dass Patienten mit geschwächtem Immunsystem sich besonders schnell mit dem Coronavirus infizieren können und dass der Krankheitsverlauf schwerer sein kann. Dominik Wolf, Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin V (Schwerpunkt Hämatologie und Internistische Onkologie) beantwortet die wichtigsten Fragen, die für Betroffene jetzt relevant sein könnten.

Worauf Krebspatienten jetzt besonders achten sollten

"Ganz wichtig ist es, der aktuellen Situation ohne Panik zu begegnen, aber sehr wachsam und aufmerksam zu sein und vor allem auf Selbstschutz zu achten", erklärt Wolf. Händewaschen und Einhalten der Ausgangssperre seien besonders wichtig. Wenn möglich, sollte man seine Einkäufe nicht selbst erledigen und sich konsequent von Menschen außerhalb des eigenen Haushalts sozial distanzieren.

Bei Symptomen (Fieber, trockener Husten, Halsschmerzen) oder Kontakt mit einem nachgewiesenen Coronavirus-Fall sollten Krebspatienten unbedingt sofort das Gespräch zu ihrem behandelnden Arzt aufnehmen. Weiters gelte, vom Rauchen Abstand zu nehmen, bei Zuckererkrankung auf eine ordentliche Blutzuckereinstellung zu achten und auch die Blutdruckeinstellung zu kontrollieren.

Wer jetzt besonders gefährdet ist

Die Datenlage zu diesem Thema ist derzeit noch sehr dünn, aber vieles deutet darauf hin, dass vor allem Patienten unter Therapie oder kurz nach der Therapie deutlich gefährdeter sind als gesunde Vergleichspersonen. Auch das Risiko von schweren Verläufen ist hier deutlich erhöht.

Dominik Wolf erklärt, worauf Krebspatienten derzeit achten sollten.
© MUI/Lechner

"Patienten nach einer allogenen (Spende einer anderen Person, Anm.) Stammzelltransplantation unter noch laufender Immunsuppression sind neben Patienten mit Immundefekten oder Therapien, die das Immunsystem bzw. das blutbildende System für längere Zeit (Aplasie) unterdrücken, am meisten gefährdet. Es liegen aber bisher keine systematischen Daten vor, wie hoch das Risiko wirklich für die einzelnen Patientengruppen ist", erklärt Wolf und schränkt ein, dass solche Patienten grundsätzlich gegenüber anderen Infektionen sehr anfällig seien.

Sollte man eine Krebstherapie lieber verschieben?

Krebstherapien können und sollen nur dann verschoben werden, wenn den Patienten dadurch kein gesundheitlicher Nachteil entsteht. "Therapien, die notwendig sind, weil etwa eine lebensbedrohliche Situation vorherrscht oder ein hohes Rückfallrisiko besteht oder Therapien, die auch ein akut genesendes Potenzial haben, müssen weiterhin durchgeführt werden", betont der Experte. Es gebe aber auch eine Reihe von Situationen, bei denen man eine Verschiebung rechtfertigen könne. Diese müssten allerdings immer im Einzelfall besprochen werden.

Was bei Bluttransfusionen oder Stammzelltransplantation zu beachten gilt

Das Coronavirus ist nachweislich im Blut erkennbar, wobei das nicht bedeutet, dass es sich um lebensfähige Viren handelt. Eine Übertragung durch zelluläre Blutprodukte ist bisher nicht beschrieben. Wenn diese Möglichkeit aber auch als unwahrscheinlich gilt, muss sie dennoch in Betracht gezogen werden. Deshalb empfiehlt zum Beispiel die „European Society for Blood and Marrow Transplantation“ (EBMT), dass Patienten und Spender 14 Tage vor einer Spende bzw. vor Aufnahme in die Klinik zu einer Stammzelltransplantation in häuslicher Quarantäne verbringen. Beide werden vorab getestet. Eine weitere Empfehlung ist es, Präparate von Fremdspendern einzufrieren und erst nach Erhalt einer negativen Testung mit der Vorbehandlung zu beginnen.

Einfluss von Medikamenten auf Covid-19 und umgekehrt

"Es ist nicht bekannt, dass SARS-CoV-2 einen Einfluss auf Krebsmedikamente hat, weil man in positiv getesteten Fällen ja eine Therapie in der Regel verschieben würde. Es ist aber mit Sicherheit davon auszugehen, dass vor allem jene Krebsmedikamente mit einer immunsuppressiven Wirkung das Risiko einer Infektion und auch eines schweren Verlaufs deutlich erhöhen", warnt Wolf. Gerade deshalb sei eine breitere und schnellere Testung von Patienten und Mitarbeitern im entsprechenden Gesundheitssektor derzeit das einzig sinnvolle Instrument, um Krebspatienen ausreichend zu schützen.

Wie gefährdet ehemalige Krebspatienten sind

Daten aus China deuten darauf hin, dass auch Krebsüberlebende ein erhöhtes Risiko haben, sich mit dem Coronavirus anzustecken, weshalb auch diese sich besonders schützen sollten.

Was für Vor- oder Nachsorgetermine gilt

Auch in der Klinik Innsbruck weicht man zum Schutz der Patienten wenn möglich zur Tele-Medizin aus. Kritische Nachsorgetermine (fraglicher Rückfall, unklare, nicht SARS-CoV-2 suspekte Symptome) sollten aber trotzdem unbedingt abgeklärt werden. Tele-Medizin "ersetzt keinen Arzt und ist kein langfristig sinnvolles Konzept, um höchste Qualität in der Krebsversorgung sicherzustellen", streicht Wolf hervor. In der aktuellen Situation sei es aber das beste Instrument, um eine Überwachung der Patienten zu gewährleisten, sie zu informieren und auch zu beurteilen, ob eine Vorstellung am Krebszentrum wirklich notwendig ist. Alle Routineuntersuchungen sollten im Moment verschoben werden. (TT.com)

Krebspatienten sollten sich vor einer Ansteckung mit Covid-19 besonders in Acht nehmen.
© AFP/Loeb

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