Masken, Tests bis Hotelschließungen: Die neuen Maßnahmen im Überblick

Der Expertenstab der Bundesregierung hat errechnet, dass gemäß einer realistischen Annahme das Gesundheitssystem Mitte April zusammenbrechen könnte. Das türkis-grüne Kabinett reagierte darauf mit neuen Maßnahmen. Ein Überblick.

Die heimischen Supermärkte sind verpflichtet, den Nasen-Mundschutz anzubieten, sobald die Lieferkapazitäten sichergestellt sind, was innerhalb der kommenden Tage der Fall sein soll.
© Kay Nietfeld

Wien – Die Bundesregierung hat am Montag weitere Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus präsentiert. Neben der Verpflichtung, beim Supermarkt-Besuch Masken zu tragen, sollen besonders gefährdete Personen von der Arbeit ins Home Office wechseln oder alternativ freigestellt werden. Darüber hinaus plant die Regierung u.a. 2000 Stichproben-Tests, um sich ein Bild über die Infizierten zu verschaffen.

🔎 Im Folgenden die Maßnahmen im Detail:

😷 MASKENPFLICHT

Der Besuch im Supermarkt soll in Zukunft nur noch mit einem sogenannten Mund-Nasen-Schutz möglich sein. Dieser soll kostenlos vor den Supermärkten ausgeteilt werden. Ohne eine solche Maske werde der Zutritt verwehrt, hieß es seitens der Regierung. Gelten soll diese Regel, sobald genügend Stückzahlen vorhanden sind, gerechnet wird damit ab Mittwoch.

Wie diese Maßnahme rechtlich konkret geregelt ist, ist derzeit noch offen, vorerst wird es keine Verordnung dazu geben, seitens Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hieß es aber, es werde zur Pflicht. Diese trifft sowohl Kunden als auch Angestellte. Letztere werden außerdem dazu verpflichtet, Handschuhe zu tragen.

Zum Einsatz kommen darf auch ein selbst hergestellter Mundschutz, etwa aus Stoff. Es geht hier nicht um den Eigenschutz, sondern darum, das Anniesen oder Anhusten zu vermeiden und damit die Ansteckung anderer zu verhindern. Auch Kinder sind von dieser Maßnahme erfasst. In weiterer Folge soll dann eine Ausdehnung der Maskenpflicht auf andere Bereiche kommen, Konkretes blieb die Bundesregierung dazu aber vorerst schuldig.

🧍↔️🧍‍♀️ ABSTANDSREGELN BEIM EINKAUF

Auch das Abstandhalten im Supermarkt soll genauer geregelt werden, vor allem in den Stoßzeiten. So sollen Maßnahmen ergriffen werden, damit sich nicht zu viele Menschen auf einmal im Geschäftsraum aufhalten – etwa durch Bodenmarkierungen, auch im Kassenbereich. Auch muss jeder Kunde einen Einkaufswägen benützten (sofern vorhanden), um den Sicherheitsabstand sicherzustellen.

Die Maßnahmen der Regierung sehen außerdem vor, dass Einkaufswägen nach dem Gebrauch desinfiziert werden müssen, regelmäßig muss das auch für Theken, Gefrierregalgriffe etc. erfolgen. Der Sicherheitsabstand von einem Meter muss künftig auch zu Frischwarentheken eingehalten werden.

Eintritt in Supermärkte erhalten nur Einzelpersonen. In Zukunft soll es eine festgelegte Anzahl von Kunden pro Quadratmeter geben. Sobald die Obergrenze erreicht ist, darf das Geschäft dann nur mehr betreten werden, wenn jemand herauskommt. Die Einhaltung wird von den Handelsunternehmen zu kontrollieren sein.

✋🏻 SCHUTZ GEFÄHRDETER PERSONEN

Risikogruppen sollen künftig noch besser geschützt werden – etwa jene, die Vorerkrankungen haben oder Personen über 70 Jahre. Diese sollen per Verordnung aus dem Arbeitsprozess herausgenommen werden und ins Home Office wechseln. Ist dies nicht möglich, sollen sie vom Arbeitgeber verpflichtend freigestellt werden. Den Arbeitgebern sollen in diesen Fällen die Lohnkosten abgegolten werden.

Die konkrete Definition der betroffenen Personengruppen werde vom Gesundheitsministerium auf Basis von Alter und Vorerkrankungen genau definiert, hieß es.

📽️ Video | Regierung verstärkt Corona-Maßnahmen

🧫 STICHPROBENTESTS & TESTS BEI BESTIMMTEN GRUPPEN

Mittels repräsentativer Stichprobentests will sich die Regierung einen besseren Überblick über die Infektion der Gesamtbevölkerung verschaffen. Dazu sollen 2000 Testungen vorgenommen werden, Ende der Woche soll das Ergebnis vorliegen. Darüber hinaus werden Stichprobenkontrollen bei bestimmten Gruppen durchgeführt, etwa bei medizinischem Personal, Polizisten oder Supermarkt-Angestellten. Auch hier soll in einigen Tagen ein Ergebnis vorliegen.

🏨 HOTEL- UND PENSIONSSCHLIESSUNGEN

Geschlossen werden sollen alle Hotels, Pensionen und sonstige Quartier-Geber (etwa auch Vermietungen über Plattformen wie AirBnB) für „touristische Zwecke". Dabei zielt die Regierung vor allem auf die anstehenden Osterferien ab – man will verhindern, dass es hier zu Reisetätigkeiten kommt. Zum konkreten Startzeitpunkt der Maßnahmen war vorerst noch nichts bekannt.

⏳ DAUER DER MASSNAHMEN

Die bisher gesetzten Maßnahmen sowie die neuen dürften wohl über Ostern hinweg aufrecht bleiben. Zwar gab es von der Regierung keinen konkreten Zeithorizont, Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) stellte das aber unmissverständlich klar: Man lege mit den Maßnahmen jetzt nach – „und es kann nicht nach Ostern lockerer werden". Und: Es haben niemand etwas davon, wenn wir uns herstellen und sagen, nach Ostern geht es lustig weiter – dann gibt es viel mehr Tote, sagte der Vizekanzler. Bundeskanzler Sebastian Kurz machte zudem klar, dass zunächst der Handel, dann erst die Schulen und Universitäten aufgesperrt werden. (TT.com, APA)


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