Momentaufnahme der Krise: Was das Coronavirus weltweit bewirkt

Weltweit zwingt das Coronavirus die Staaten in die Knie: Russland steht vor landesweiten Ausgangssperren, Wanderarbeiter in Indien sollen isoliert werden und die Regierung in Thailand riegelt die Urlaubsinsel Phuket ab.

In Spanien gibt es mit 7340 Erkrankten inzwischen mehr Coronavirus-Infizierte als in China.
© LLUIS GENE

Madrid, Bangkok, Neu-Delhi – Weltweit ist die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus auf mehr als 700.000 gestiegen. Dramatisch bleibt die Lage in Italien und Spanien. Die spanischen Behörden meldeten am Montag 812 weitere Todesfälle innerhalb von 24 Stunden, die Gesamtzahl der Corona-Toten liegt dort damit bei 7340. In Asien werden die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus verschärft.

🧪 Spanien

Das „Gesicht" des Kampfes gegen die Corona-Pandemie in Spanien, der Arzt und Epidemiologe Fernando Simon, ist positiv auf das Virus SARS-CoV-2 getestet worden. Der 57-Jährige warte nun auf das Ergebnis des zweiten Tests, berichteten spanische Medien am Montag unter Berufung auf die Regierung in Madrid.

Der Leiter der Behörde für Gesundheitliche Notfälle (CCAES) im Madrider Gesundheitsministerium gehört inzwischen wohl zu den bekanntesten Spaniern. Er tritt seit Ausbruch der Krise jeden Tag im Regierungssitz Palacio de la Moncloa am frühen Nachmittag vor die Kameras, um die neuesten Zahlen mitzuteilen und eine Einschätzung abzugeben.

🐬 Italien

Die Tierwelt profitiert von der Ruhepause, zu der die Ausgangssperre Italien zwingt. Nachdem ein Großteil des Fähren- und Motorbootsverkehr still gelegt wurde, erreichte eine Gruppe von Delfinen am Sonntag den Hafen der Insel Elba. Bewohner der Insel in dem Hauptort Porto Ferraio beobachtete die Meeresbewohner unweit des Hafens spielen. Ihr Besuch wurde als gutes Omen in Zeiten der Pandemie betrachtet. Die Wasserqualität hat sich dank des Produktionsstopps in Italien wesentlich verbessert. So sind in Venedig keine Schiffe mehr unterwegs, die die Sedimente am Boden aufwirbeln, wodurch sich das Wasser der Kanäle eintrübte.

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⛔ Russland

Nach Moskau könnte es in Russland nun auch landesweit Ausgangssperren wegen der Corona-Pandemie geben. Das empfahl Ministerpräsident Michail Mischustin am Montag. Die Gouverneure und Chefs der Verwaltungen sollten auf die Erfahrung in der Hauptstadt achten. Sie sollten zudem die Möglichkeit schaffen, „solche Maßnahmen in ihren Regionen zu ergreifen", sagte er. In Moskau und im Umland gelten seit Montag Ausgangssperren.

Ausnahmen gibt es nur für den Weg zur Arbeit, zum Supermarkt und zur Apotheke. Erlaubt sind außerdem der Gang zum Müllcontainer und Gassigehen mit dem Hund im Umkreis von 100 Metern um die Wohnung. In Moskau sind nach offiziellen Angaben mit mehr als 1000 Infizierten die meisten Corona-Fälle in Russland registriert.

🥝 Neuseeland

Eine Website, auf der Neuseeländer Verstöße gegen die Ausgangssperre melden können, ist wegen des großen Ansturms nach kurzer Zeit zusammengebrochen. Die am Sonntagnachmittag bereitgestellte Website sei von meldewilligen Neuseeländern geradezu überrannt worden, sagte Polizeisprecher Mike Bush am Montag. Innerhalb kürzester Zeit habe es bereits rund 4200 Meldungen gegeben. Premierministerin Jacinda Ardern ermutigte die Bürger, weiterhin Verstöße zu melden. „Dies ist nicht der Moment, um gegen die Regeln zu verstoßen. Dies ist der Moment, zu Hause zu bleiben und Leben zu retten", sagte sie.

🥻 Indien

In Indien sollen Zehntausende Wanderarbeiter isoliert werden, um die Pandemie einzudämmen. Die Menschen haben sich zu Fuß auf den Weg aus Städten in ihre oft Hunderte Kilometer entfernten Heimatdörfer gemacht, nachdem sie wegen einer dreiwöchigen Ausgangssperre ihr Einkommen verloren. Sie waren auch plötzlich gestrandet, weil keine Züge und Busse mehr in Richtung ihrer Dörfer fahren.

Mit einer der größten Massenwanderung in Indiens jüngster Geschichte droht die Gefahr, dass sich das Virus bis in die entlegensten Orte verbreitet. Um dies zu verhindern, hat die Regierung am Sonntag die Bundesstaaten aufgefordert, die Grenzen zu schließen, zurückkehrende Tagelöhner zu versorgen und zu isolieren.

🏖️ Thailand

Die bei Touristen beliebte thailändische Insel Phuket riegelt zum Schutz vor dem Coronavirus ihre Grenzen für Fahrzeuge ab. Die Maßnahme gilt nach Angaben des Gouverneurs der Provinz von Montag bis 30. April, auch der internationale Flugverkehr ist durch Streichungen stark eingeschränkt. Außerdem wurden auf Phuket alle Strände, Zoos und Tiershows geschlossen, ebenso das Rotlichtviertel. In Thailand gilt seit Donnerstag der Ausnahmezustand.

In Bangkok sind bereits Einkaufszentren, Schulen und Restaurants offiziell dicht. In dem südostasiatischen Land sind bis Montagmittag 1524 Infektionsfälle mit dem Coronavirus gemeldet worden. (APA/AFP/dpa)


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