Trotz Corona im Dienst: Pflegekraft von Polizei in Quarantäne geschickt

Nach einer anonymen Anzeige kontrollierte die Polizei in Kufstein in einem Altersheim im Bezirk Kufstein eine Pflegekraft wegen des Verdachts einer Infektion mit dem Coronavirus.

Mehrere Mitarbeiterinnen und Bewohner von Seniorenheimen haben sich mit Corona infiziert. In einem Fall ermittelt die Polizei. (Symbolfoto)
© Wenzel

Von Thomas Hörmann

Kufstein, Innsbruck, Rum – Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen eine Seniorenheim-Mitarbeiterin im Bezirk Kufstein. Die Vorwürfe sind massiv – „es besteht der Verdacht der vorsätzlichen Gemeingefährdung durch übertragbare Krankheiten“, bestätigt Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck: „Der Strafrahmen reicht bis drei Jahre Haft.“ Der Verdacht im Detail: Die 31-Jährige soll im Wohnheim gearbeitet haben, obwohl sie von ihrer Infizierung mit dem Coronavirus wusste.

Aber offenbar hatten auch andere Kenntnis vom positiven Testergebnis. Jedenfalls ging am Sonntag gegen 23.20 Uhr bei der Polizeiinspektion Kufstein ein anonymer Hinweis ein. „Bei einer anschließenden Überprüfung durch eine Polizeistreife im betreffenden Altersheim wurde die Pflegerin tatsächlich bei der Arbeit angetroffen“, heißt es im Polizeibericht. Die Frau habe die Beamten beschimpft und wollte sich nicht in Quarantäne begeben. Schließlich zeigte die Pflegerin doch ein Einsehen und zog sich zunächst in einen abgeschlossenen Raum des Seniorenheims zurück, ehe sie sich in häusliche Quarantäne begab.

Wie TT-Recherchen ergaben, sind acht Bewohner des Heims mit dem heimtückischen Virus infiziert. Ein Gemeinderat bestätigt das auch, schwächt die Vorwürfe gegen die Mitarbeiterin allerdings ab. „Die Senioren haben sich wohl schon vorher angesteckt. Die Pflegerin hat erst am Sonntag von ihrem positiven Testergebnis erfahren.“ Am Abend habe sie dann den Nachtdienst angetreten, sei aber nach dem Test nur zwei oder drei Stunden am Arbeitsplatz gewesen. Das Motiv ist unklar: „Vielleicht hat die durchaus tüchtige und verlässliche Mitarbeiterin keinen Ersatz gefunden“, vermutet der Gemeinderat.

Das Virus ist auch in Seniorenheimen in Innsbruck und Rum ein Thema. Wie umfassende Tests nach Verdachtsfällen am Freitag ergaben, sind im Wohnheim Hötting zwei Mitarbeiter und zwei Bewohner infiziert. Die beiden Pfleger sind jetzt in Quarantäne. Ein Bewohner wird in der Klinik betreut, der zweite hat nur leichte Symptome und ist in seinem Zimmer in Isolation. Auch im Seniorenwohnheim Soko in Rum wurde eine Pflegerin positiv getestet. Vorerst ein Einzelfall – Mitarbeiter und Bewohner weisen keine Symptome auf.


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