Stiefvater mit Messer attackiert: 22-Jährige bestreitet Tötungsabsicht

Im Zuge eines Streits in einer Wohnung in Innsbruck holte eine Frau am Mittwochabend ein Messer aus der Küche und stach mehrmals auf einen 57-jährigen Mann ein. Die Frau bestreitet eine Tötungsabsicht.

Die 22-jährige Österreicherin konnte in unmittelbarer Tatortnähe festgenommen werden.
© Zeitungsfoto.at

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Nach knapp drei Wochen Ausgangssperre beschäftigt die erste schwere Gewalttat im häuslichen Bereich das Landeskriminalamt. Eine 22-jährige Frau hat am Mittwochabend offenbar einen Mann in dessen Innsbrucker Wohnung mit einem Messer attackiert. Für die Ermittler ein Mordversuch, zumal die Klinge in den Brustkorb eindrang. Die stark alkoholisierte Verdächtige wurde vorübergehend festgenommen. Das Opfer musste in der Klinik operiert und stationär aufgenommen werden, Lebensgefahr bestand keine.

Schauplatz der Auseinandersetzung war Mittwoch gegen 20 Uhr die Wohnung des 57-Jährigen in der Gutenbergstraße im Stadtteil Saggen. Wenig später ging bei der Polizei der Notruf ein – die 22-Jährige meldete den Beamten, dass sie den Gastgeber mit einem Messer am Hals verletzt habe. Als die Polizisten in der Wohnung in der Gutenbergstraße eintrafen, fanden sie den schwer verletzten Wohnungsbesitzer. Von der Anruferin fehlte zunächst jede Spur. Die 22-Jährige stellte sich aber kurz danach in der Nähe des Tatortes einer Polizeistreife.

Wie die ersten Ermittlungen ergaben, war die 22-jährige Obdachlose auf Besuch beim 57-Jährigen. „Wie sich inzwischen herausgestellt hat, handelt es sich um den Stiefvater, der der Frau immer wieder Quartier gegeben hat“, sagt Katja Tersch, Leiterin des Landeskriminalamtes (LKA). Die betrunkene Beschuldigte gab weiters an, dass es zu einem Streit gekommen sei – offenbar wollte der 57-Jährige sie aus der Wohnung weisen. Im weiteren Verlauf ging es auch um einen Hund, den die Stieftochter mitnehmen wollte. Schließlich, so schilderte die 22-Jährige, habe sie ein Messer aus der Küche geholt und zugestochen. Wie die Untersuchung in der Klinik ergab, hat sie dabei aber nicht den Hals, sondern den Oberkörper im Bereich des Schlüsselbeins getroffen. Die Verletzung ist schwer, aber nicht lebensbedrohlich. Die Beschuldigte erklärte bei der Einvernahme laut Polizei, dass sie den Mann nur ernsthaft verletzen wollte. Sie wurde in die Justizanstalt gebracht. Tersch betont, dass es seit dem „Hausarrest“ aus Sicht des LKA keine Auffälligkeiten bei der häuslichen Gewalt gegeben habe.

Um Aggressionen in der Quarantäne zu vermeiden, rät die Polizei zu einem strukturierten Alltag, Aufteilung der Hausarbeit und Fitnessübungen in der Wohnung. Jedes Familienmitglied sollte auch Zeit und Möglichkeiten haben, um alleine sein und sich zurückziehen zu können.

📽 Video | LKA ermittelt nach gewaltsamen Streit


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