"Siehst du die Nebelgranaten?": Koschuh kontert Moretti

Tirol werde mit Klagen überhäuft, "als wäre das Coronavirus in Tirol entstanden", teilte Tobias Moretti am Mittwoch seine Empfindung auf Facebook mit. Darauf kontert der Kaberettist Markus Koschuh: Für Kritik gebe es keinen besseren Zeitpunkt, richtete er dem Schauspieler über YouTube aus.

Koschuh kritisierte Morettis Kritik an der Kritik an Tirols Corona-Krisenmanagement.
© Thomas Böhm

Innsbruck – Nachdem sich am Mittwoch Tobias Moretti via Facebook zur Kritik an Tirol im Umgang mit dem Coronavirus zu Wort gemeldet hat, kontert der Kabarettist Markus Koschuh mit einer "Replik auf Tobias Morettis Kritik an der Kritik an Tirol und Corona".

An Kindergartenzeit erinnere Morettis Argumenation

Tobias Moretti hatte versucht, das Image Tirols zu retten, indem er die Kritik an Tirol kritisierte. Er forderte in seinem Video "Solidarität" anstelle von "Klagen", die aus dem Ausland nach Tirol flattern würden. Mehr dazu: Tobias Moretti zu Corona: "Was in diesen Tagen passiert, ist ein Irrsinn."

Nun konterte der Kabarettist Koschuh und wandte sich auf YouTube öffentlich an den Schauspieler: "Wäre ich im Krisenstab der ÖVP-Öffentlichkeitsarbeit, ich hätte genau dich angerufen, genau das zu sagen, was du in dem Facebook-Statement gesagt hast." Der Zeitpunkt der plötzlichen Facebookpräsenz sei "umso verwunderlicher, umso durchschaubarer", so Koschuh und hebt die Kritik auf eine Metaebene: "Du forderst Solidarität und noch einmal Solidarität ein, und kritisierst die Kritiker einer zutiefst kritisierenswürdigen Lobby in Politik und Wirtschaft."

📽 Video | "Replik auf Tobias Morettis Kritik an der Kritik an Tirol und Corona"

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Moretti solle erklären, warum die Wintersaison nicht gleich nach dem Saisonende in Südtirol beendet wurde. Warum nach wie vor von einer Ansteckung von 14 Tirol-Urlaubern aus Island im Flugzeug geredet werde oder warum Touristen "auf eine ominöse Eigenverantwortung" hin die Quarantänezone verlassen konnten, obwohl ihre Heimreise erst am nächsten Tag stattfand. "Hörst du die Nebelgranaten nicht, oder willst du sie nicht hören?", fragt Koschuh.

"Werd' ein bissl kritischer"

Weiters erinnere Morettis Argumentation, dass Schweden lax im Umgang mit dem Coronavirus sei Koschuh an seine Kindergartenzeit, "wo es auch immer die anderen waren, die noch viel Schlimmeres angestellt haben." Die von Moretti geforderte Solidarität würde in Tirol angesichts der vielen privaten Initiativen längst gelebt. TT.com hat solche Initiativen landauf landab gesammelt: Von Kitzbühel bis Reutte: So helfen sich Tiroler in Corona-Zeiten.

Moretti verstehe Solidarität falsch, wenn er meine, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für Kritik sei. "Ganz im Gegenteil: Es gibt keinen besseren Zeitpunkt. Eine kritiklose Gesellschaft ist das letzte was wir jetzt brauchen." Mit wem solle man sich überhaupt solidarisieren, fragt Koschuh. Etwa "mit jenen Einflüsterern die verhindert haben, dass St. Anton nicht schon drei Tage früher isoliert" wurde? Das Virus komme zwar nicht aus Tirol, gibt Koschuh Moretti Recht. "Aber nicht aus Tirol in die Welt getragen wurde es auch nicht." Abschließend rät der Kabarettist dem Schauspieler: "Werd' ein bissl kritischer." (TT.com/tkl)


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