Landwirtschaftskammer will Erntehelfer einfliegen lassen

Kurz vor Beginn der Erntesaison in Tirol hofft die Landwirtschaftskammer auf Erntehefer. 250 „Schlüsselarbeitskräfte" sollen eingeflogen werden. Die Kammer hofft auf Solidarität seitens des Handels, die Preise nicht zu drücken.

Die Erntesaison steht kurz bevor.
© Julia Hammerle

Von Max Strozzi

Innsbruck – Man sei über jeden froh, der sich über die Online-Plattform dielebensmittelhelfer.at zur Mitarbeit am Feld gemeldet hat, betonte gestern Tirols Bauernkammerpräsident Josef Hechenberger. Von den bislang rund 1000 Personen, die sich angeboten haben, seien aber nur etwa 150 in der Lage, vollzeit zu arbeiten. Und diese hätten sich auch nicht ausschließlich als Feldarbeiter gemeldet, sondern auch für andere Arbeiten entlang der Wertschöpfungskette, also auch in der Verarbeitung. Damit besteht vor dem anstehenden Beginn der Erntesaison weiterhin ein Mangel an Feldarbeitern, die in der Regel aus dem Ausland kommen. Rund 800 Erntehelfer werden in Tirol zu Spitzenzeiten benötigt.

Laut Agrar-LR Josef Geisler brauche man rund 250 „Schlüsselarbeitskräfte“, die sowohl am Feld als auch in der Verarbeitung tätig sind, um den Handel mit heimischen Lebensmitteln zu bedienen. „Es gibt ein Ansinnen, Erntehelfer einfliegen zu lassen“, so Geisler. Laut Hechenberger gebe es Versuche, einen Flug aus Rumänien oder der Ukraine zu chartern. Derzeit sei aber vieles noch offen.

Wie viele Erntehelfer wann benötigt werden, sei derzeit noch unklar, sagte Wendelin Juen von der Landwirtschaftskammer. Die Erntetermine hängen schließlich von der Wetterentwicklung ab. Das Thema Erntehelfer „wird in Richtung Mai spannend, weil dann die ganze Palette an Gemüse kommt“.

📽 Video der Pressekonferenz

Probleme für Tirols Landwirte gibt es laut Hechenberger auch im Vieh- und Fleischbereich. Rund 60 % des Fleisches würden normalerweise außer Haus verzehrt, etwa in Restaurants. Dieser Markt ist völlig weggebrochen. Damit gebe es zu viel Vieh und Fleisch am Markt, was die Preise purzeln lässt. Hechenberger appellierte an den Handel, sich solidarisch zu verhalten und „keinen Preisdruck auf regionale Lebensmittel zu erzeugen“.

Für jene 2000 Bauernbetriebe, die auch im Tourismus, etwa mit „Urlaub am Bauernhof“, tätig sind, liegt auch diese Einkommensquelle derzeit trocken. Ebenso sei die Forstwirtschaft massiv betroffen, weil Exporte der Sägeindustrie in manche Länder wegfallen, so die Bauernvertreter.

Über Stundungsmöglichkeiten bei Agrarinvestitionskrediten, mittels Überbrückungskrediten des Landeskulturfonds sowie über den 15 Mrd. Euro schweren Krisenfonds des Bundes soll Landwirten geholfen werden. Der Härtefallfonds hingegen sei für die Landwirtschaft laut Geisler nur „sehr begrenzt“ nutzbar“.


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