Lieferprobleme: Europäischen Spitälern gehen Narkose- und Schmerzmittel aus

Noch besteht kein Engpass, in spätestens zwei Wochen könnten vielen Krankenhäusern in Europa allerdings die Narkose- und Schmerzmittel ausgehen. Grund sind Lieferprobleme aufgrund gestrichener Flügel.

Symbolfoto.
© DANIEL REINHARDT

Brüssel, Wien – Vielen Spitälern in Europa könnten in spätestens zwei Wochen Narkose- und Schmerzmittel ausgehen. Darauf machten europäische Uni-Kliniken – darunter auch das Wiener AKH – sehr dringlich aufmerksam, berichtete das Ö1-Morgenjournal am Freitag. Der Grund sind fehlende Substanzen zur Herstellung der Mittel aus Indien, die wegen der Einschränkungen durch das Coronavirus nun nicht geliefert werden.

"Normalerweise nehmen Passagierflugzeuge kleine Kisten davon mit – zwischen Indien und der EU fliegt aber zurzeit niemand. Wir haben deshalb bei Transportfliegern nachgefragt. Aber unsere Mengen sind gering und kaum etwas wert. Für Cargo-Flieger kein Geschäft. Deshalb lehnen uns viele ab", sagte Adrian van den Hoven, Generaldirektor von Medicines for Europe, einem Verband der europäischen Pharma-Industrie.

Noch kein Engpass, Nachschub allerdings schwierig

Von einem Engpass sei keine Rede – noch nicht, erläuterte er laut Ö1. Aber die Vorräte dieser Inhaltsstoffe schrumpfen und Nachschub sei schwierig. Die EU-Kommission versuche von Brüssel aus zu koordinieren, versicherte EU-Kommissionssprecher Stefan De Keersmaecker auf ORF-Anfrage.

Van den Hoven drängt aber Gesundheitsbehörden sich besser und schneller auszutauschen – auch wegen anderer Medikamente. "Wir wissen etwa genau, wie viele HIV-Patienten in Europa Medikamente brauchen. Wir richten unsere Produktion danach aus. Jetzt verschreiben aber Ärzte HIV-Medikamente gegen Corona. Das bringt unsere Berechnungen völlig durcheinander", warnte er. (APA)

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Anschober sieht keine akuten Lieferengpässe

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sieht zwar keine akuten Lieferengpässe bei Schmerzmitteln. Sollte es weiterhin Lieferschwierigkeiten geben, dann "ist es eine Frage der Zeit, dass Engpässe entstehen werden, wenn aus Indien weniger Produkte kommen".

Letztlich sei man bei den Medikamenten in der selben Situation wie bei Schutzbekleidung, weil sich Europa von ausgelagerter Produktion abhängig gemacht habe, sagte Anschober in einer Pressekonferenz am Freitag. Daher brauche es eine "europäische Strategie der Eigenproduktion".

Zurückgewiesen wurde von Anschober ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, wonach die EU-Kommission schon im Jänner eine koordinierte Beschaffung von Test- und Schutzausrüstungen vorgeschlagen hat, die EU-Gesundheitsminister das aber abgelehnt hätten. Österreich habe immer Wert darauf gelegt, "dass wir europäische Programme brauchen".


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