Masken: Weltweiter Wettlauf um das begehrte Gut

Die USA sollen für Frankreich bestimmte Schutzmasken aus China weggekauft haben, ähnliche Vorwürfe gibt es aus der Ukraine gegen Deutschland: In der Corona-Krise beklagen viele Länder unfaires Vorgehen, wie Beispiele zeigen.

Um Mund-Nasen-Schutz und Schutzmasken ist ein regelrechter Kampf ausgebrochen.
© Vanessa Rachlé

Die USA gegen Frankreich, Deutschland und die Welt:

Die USA sollen für Frankreich bestimmte Schutzmasken aus China weggekauft haben. Das Dementi aus Washington kam schnell: „Die US-Regierung hat keine einzige Maske gekauft, die von China an Frankreich geliefert werden sollte", sagte ein US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Drei französische Regionen – darunter die der Pariser Hauptstadt und die Region Grand Est an der Grenze zu Deutschland – werfen den USA vor, ihnen dringend benötigte Schutzmasken aus China vor der Nase weggekauft zu haben.

Frankreichs Premierminister Edouard Philippe sprach von ausbleibenden Lieferungen und einer „beträchtlichen Nachfrage der Vereinigten Staaten in China". Aus Kanada gibt es ähnliche Vorwürfe gegen die USA. Regierungschef Justin Trudeau nannte sie „besorgniserregend" und kündigte eine Überprüfung an.

„Wir betrachten das als Akt moderner Piraterie."
Andreas Geisel, Innensenator Berlin

Auch Deutschlands Hauptstadt Berlin muss in der Corona-Krise auf eine dringend benötigte Lieferung von 200.000 medizinischen Schutzmasken verzichten. Grund: Die USA haben die Ware in Bangkok konfisziert, wie der Innensenator der deutschen Hauptstadt, Andreas Geisel, am Freitag mitteilte.

Geisel kritisierte das Vorgehen der USA scharf. „Wir betrachten das als Akt moderner Piraterie", erklärte er. "So geht man mit transatlantischen Partnern nicht um. Auch in globalen Krisenzeiten sollten keine Wildwest-Methoden herrschen." Die deutsche Bundesregierung müsse bei den USA auf die Einhaltung internationaler Regeln dringen.

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Außerdem will ie US-Regierung den Export knapper medizinischer Schutzausrüstung wegen der Ausbreitung des Coronavirus verbieten.

Deutschland gegen die Slowakei:

Der slowakische Politiker Peter Pellegrini, bis vor zwei Wochen Ministerpräsident seines Landes, erhob schwere Vorwürfe gegen einen unbekannten deutschen Händler: Pellegrini sagte Mitte März dem Fernsehsender TA3, die Slowakei habe unter seiner Führung „Millionen von Masken in der Ukraine reserviert". Dafür sei ein Aktenkoffer voller Bargeld in Höhe von 1,2 Millionen Euro vorbereitet worden. Mit einem Regierungsflieger sollten die Schutzmasken abgeholt werden. „Aber ein deutscher Zwischenhändler ist uns zuvorgekommen, hat uns überboten und gekauft", sagte Pellegrini.

Tschechien gegen Italien:

Tschechien beschlagnahmte im März 680.000 Atemschutzmasken und Beatmungsgeräte in einem Lagerhaus nördlich von Prag. Darunter war auch eine Spende aus China, die für das besonders betroffene Italien bestimmt war. Die Aktion sorgte in Italien für Empörung. Als Entschädigung schickte Tschechien nach eigenen Angaben 110.000 Masken nach Italien – rund 10.000 mehr, als eigentlich von China vorgesehen gewesen seien, wie Außenminister Tomas Petricek der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Frankreich gegen Spanien und Italien:

Nach Recherchen der Pariser Zeitschrift „L'Express" hat auch Frankreich Masken beschlagnahmt: Am 5. März wurden demnach Schutzmasken der schwedischen Firma Mölnlycke sichergestellt, die eigentlich für Spanien und Italien bestimmt waren. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte zuvor die Beschlagnahme aller Masken-Bestände angekündigt.

Was zeigen solche Fälle?

In erster Linie den erbarmungslosen Wettlauf um Schutzausrüstung. Nach Angaben von Christopher Yukins, Experte für öffentliches Beschaffungswesen an der Universität Washington, „brechen die Beschaffungsmärkte durch Covid-19 gerade zusammen". Die normalen Regeln des transparenten Wettbewerbs seien ausgesetzt. Der Forscher Jean-Sylvestre Mongrenier vom Pariser Institut Thomas More betont, auch verbündete Länder befänden sich jetzt in einer Situation der „Rivalität". Ob immer staatliche Akteure hinter Aufkäufen stehen oder private ist dabei ungewiss, wie andere Experten betonen.

In Österreich ist das Tragen eines sogenannten Mundnasenschutzes (MNS) ab Montag in Supermärkten verpflichtend. Anfang der Woche wurden Dutzende Tonnen Schutzausrüstung – Masken, Handschuhe und Schutzanzüge – von China nach Österreich geliefert. (APA, AFP, dpa, TT.com)


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