WSG Tirol und Wacker wollen „Klarheit, auch wenn sie sehr weh tut“

Jahrhundertkicker Herbert Prohaska fordert einen Abbruch der Bundesliga. Was sagen die beiden Tiroler Vereine zu diesem heiklen Thema? Die TT hat sich umgehört.

Wann im Tivolistadion nach der Corona-Pause wieder ein Bundesliga-Anstoß erfolgt, wird bzw. muss sich Ostern weisen.
© gepa

Von Wolfgang Müller und 
Tobias Waidhofer

Wattens, Innsbruck – Abbruch – und das am besten sofort. Österreichs Jahrhundertfußballer Herbert Prohaska hat in Zeiten der Corona-Pandemie eine klare Meinung, wie es mit der österreichischen Fußball-Bundesliga weitergehen soll. Auch die Frage, wie man diese Saison werten solle, beantwortet der ehemalige Inter-Legionär in einer Kolumne: „Die letzte Saison heranzuziehen halte ich für eine Schnapsidee, mein Vorschlag: kein Meister, für die Europacupplätze die Tabelle nehmen, wie sie jetzt ist. Und kein Absteiger, dafür zwei Aufsteiger.“

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„Der Schneckerl ist eine Legende und eine Privatperson, die natürlich ihre Meinung äußern darf“, meinte WSG-Tirol-Manager Stefan Köck dazu. „Ich finde so etwas aktuell aber nicht seriös. Wir sollten uns auf die Einschätzung der Experten – und das sind Virologen und die Regierung – verlassen.“ Auch bei den Belgiern, die die Saison am Donnerstag zum Ärger der UEFA abgebrochen hatten, werde man erst im Nachhinein sehen, ob dies die richtige Entscheidung gewesen sei. Und Köck streicht erneut heraus, was er seit Ausbruch des Virus betont: „In der aktuellen gesellschaftlichen Lage ist es nebensächlich, wann Fußballer wieder kicken.“ Sollte die Saison aber wirklich abgebrochen werden, sei eines klar: „Egal wie die Saison dann gewertet wird, es wird Gewinner und Verlierer geben.“ Und dabei sei jedem Verein das Hemd näher als der Rock. „Ried positioniert sich, Rapid positioniert sich – das ist auch logisch.“

Clubkonferenz Mitte April soll Klarheit schaffen

Gerhard Stocker, der die zweite Liga im Aufsichtsratsgremium der Bundesliga vertritt, ist für klare Ansagen. Allerdings erst bei der Clubkonferenz am 16. April. Die Sitzung wurde um eine Woche verschoben, weil die Maßnahmen der Regierung am 13. April abgewartet werden müssen. Doch dann muss Schluss mit der Ungewissheit sein. „Klarheit ist gefragt, auch wenn die schmerzhaft sein kann“, fordert der Wacker-Präsident definitive Entscheidungen: „Und wenn die ganze Saison ausgesetzt wird und im Herbst neu aufgesetzt startet. Dann hat man genug Zeit, sich darauf entsprechend vorzubereiten und diverse Kompromisse zu überlegen. Was natürlich auch die Sponsoren betrifft. Dafür würde ich auch plädieren, wenn der FC Wacker so wie zurzeit Ried in Führung läge. Im Moment Diskussionsansätze sofort mit Klagedrohungen zu unterbinden, finde ich kontraproduktiv. Denn der Fußball hat bei allen wirtschaftlichen Problemen auch sein Image zu pflegen.“

Im Amateurbereich sieht Stocker wenig bis überhaupt keinen Sinn, die Ligen fortzuführen. Im Profibereich, das gilt in erster Linie für die Bundesliga, muss man gerechte Regelungen bezüglich der Teilnahme an den europäischen Bewerben finden. Mit der Absage der EURO und der Verschiebung der Europacupbewerbe setzte die UEFA jedenfalls ein Zeichen, dass die nationalen Ligen Priorität haben. Was die Entscheidung über eine Fortführung der Meisterschaften nicht leichter macht. „Auch im Fußball gilt das Prinzip, dass der Ober den Unter sticht. Heißt, dass sich die nationalen Verbände an die UEFA-Vorgaben zu halten haben. Das gilt dann auch für den österreichischen Fußball. An die Entscheidungen des ÖFB wird sich auch die Bundesliga zu halten haben“, so Stocker, der bekanntlich sein Amt als Wacker-Präsident nach Verschiebung der für 30. April geplanten schwarzgrünen Generalversammlung bis Ende August erfüllt.


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