Impfstoff-Tests in Afrika? ÖFB-Star Alaba prangerte Rassismus an

Französische Wissenschafter schlugen vor, einen möglichen Impfstoff zunächst in Afrika zu testen. "Sind diese zwei Typen Ärzte oder Clowns?", fragte der Bayern-Profi entsetzt.

ÖFB-Teamspieler David Alaba fand auf Twitter klare Worte.
© GEPA pictures/ Thomas Bachun

München/Paris - Österreichs Fußball-Star David Alaba hat mit Kritik auf den Vorschlag zweier französischer Wissenschafter reagiert, einen möglichen neuen Impfstoff gegen Covid-19 zunächst in Afrika zu testen. "Sind diese Typen Ärzte oder Clowns? Diese Art von Rassismus hätte ich mir nie vorstellen können. Schändlich und inakzeptabel", schrieb Alaba, dessen Vater aus Nigeria stammt, am Sonntagabend auf Twitter.

Der FC-Bayern-Spieler schloss sich einer mittlerweile langen Liste prominenter Persönlichkeiten an, darunter die früheren Weltklasse-Fußballer Didier Drogba und Samuel Eto'o. Die Wissenschafter hatten zuvor im französischen TV-Sender LCI darüber gesprochen, einen möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus in Afrika zu testen.

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Jean-Paul Mira, Chefarzt am Pariser Cochin Krankenhaus, fragte in die Runde: "Sollten wir diese Studie nicht in Afrika machen, wo es keine Masken, keine Behandlungsmöglichkeiten und keine Wiederbelebungsmaßnahmen gibt, ein bisschen so wie es bei bestimmten Aids-Studien gemacht wurde? Wo sie an Prostituierten experimentieren, weil man weiß, dass sie besonders exponiert sind und sich nicht schützen." Mira hatte zuvor gemeint, dass er nun bewusst provozieren werde.

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Camille Locht, Direktor der staatlichen Forschungs- und Entwicklungseinrichtung Inserm, antwortete: "Sie haben recht. Wir überlegen eine parallele Studie in Afrika mit einem ähnlichen Ansatz durchzuführen." Gleichzeitig denke man auch über Studien in Europa oder Australien nach, meinte Locht.

Shitstorm in sozialen Medien

Die Aussagen lösten einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken aus. In den Reaktionen zeigt sich Wut, die Menschen auf dem afrikanischen Kontinent haben. Denn: Während Afrika lange Zeit vom Coronavirus verschont geblieben war, häufen sich seit Mitte März auch dort die Fälle. Häufig führt die Spur nach Europa. Vom "Virus der Weißen" ist in Afrika die Rede. Dass nun ausgerechnet Forscher einer ehemaligen Kolonialmacht solche Pläne vorschlagen, rief zusätzliche Empörung hervor. "Wir wissen doch alle, wie uns Europäer und Amerikaner sehen. Überrascht es euch wirklich, dass sie Afrika als Testlabor sehen?", fragte eine Userin.

Drogba, der frühere Torjäger vom englischen Spitzenclub Chelsea und Kapitän der Cote d'Ivoire, schrieb, Afrika sei "kein Versuchslabor". "Ich möchte diese erniedrigenden, falschen und vor allem zutiefst rassistischen Worte aufs Schärfste verurteilen." Alaba schloss sich später an und betonte: "Wir müssen alle zusammenhalten und Hand in Hand arbeiten, um dieses Virus zu bekämpfen."

Ein Anwalts-Kollektiv aus Marokko kündigte eine Klage gegen Mira wegen rassistischer Beleidigung an. Der Forscher entschuldigte sich später in einer Aussendung seines Arbeitgebers: "Ich möchte mich bei all jenen entschuldigen, die verletzt und schockiert sind und die sich von meinen ungeschickten Äußerungen auf LCI beleidigt fühlen." Das Inserm meinte, die Aussage ihres Mitarbeiters sei aus dem Kontext gerissen und falsch interpretiert worden. (APA)


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