ÖAMTC-Sommerreifentest 2020: Nur einer von 24 fällt durch

Die Winterreifenpflicht endet nächste Woche, eine Pflicht für Sommerreifen gibt es nicht. Dennoch lohnt sich ein Blick auf den Sommerreifentest: 28 Modelle wurden geprüft. Acht davon erreichten die Gesamtbeurteilung „sehr empfehlenswert“, ein einziger Reifen fiel durch.

(Symbolbild)
© pixabay

Innsbruck – Pünktlich zum Frühlingsbeginn haben der ÖAMTC und seine europäischen Partner wieder Sommerreifen getestet. Mit zufriedenstellendem Ergebnis: Acht von insgesamt 28 Reifen erreichten die Gesamtbeurteilung „sehr empfehlenswert", 18 wurden als „empfehlenswert" und einer als „bedingt empfehlenswert" beurteilt. Ein Modell fiel im Test mit der Beurteilung „nicht empfehlenswert" durch.

Reifenwechsel noch nicht unbedingt notwendig

Kommende Woche, am 15. April, endet in Österreich die Winterreifenpflicht. Ein Wechsel auf Sommerreifen ist aber aus gesetzlicher Sicht nicht notwendig und eine Weiterfahrt mit Winterreifen aus rechtlicher Sicht unbedenklich, informierte der ÖAMTC am Dienstag. „Wer sein Auto für notwendige Fahrten zur Arbeit oder zum Einkaufen nützt, braucht sich jetzt nicht stressen. Es gibt keine Sommerreifenpflicht. Ein Räderwechsel ist daher derzeit nicht notwendig, man kann ohne weiteres mit den montierten Reifen weiterfahren", sagte ÖAMTC-Techniker Friedrich Eppel.

Außerdem kann es im April und Mai noch empfindlich abkühlen, Winterreifen sind bei tiefen Temperaturen die bessere Wahl. Ist auch dann ein Umstecken aufgrund der Beschränkungen nicht rasch möglich, sollte man aber jedenfalls beachten, dass Winterreifen bei höheren Temperaturen weicher als Sommerreifen sind und daher auf warmer Fahrbahn weniger Grip und so beispielsweise längere Bremswege haben.

Der ÖAMTC-Sommerreifentest

Getestet wurde diesmal in den Dimensionen 225/40 R18 (Kompaktwagen und untere Mittelklasse) und 235/55 R17 (SUVs und Vans). Bewertet wurden wie gewohnt Fahr- und Sicherheitseigenschaften sowie Umwelt- und Wirtschaftlichkeitsaspekte. „Der Großteil der Testkandidaten in dieser Dimension liefert zufriedenstellende Ergebnisse ab", fasst ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel zusammen.

Speziell die Leistungen auf trockener Fahrbahn überzeugten, ausgenommen bei den zwei Modellen Rotalla Setulla S-Pace RU01 und Falken Azensis FK510. „Deren Problem liegt nicht so sehr beim Bremsweg, sondern eher beim allgemeinen Fahrsicherheitsgefühl, vor allem bei höheren Temperaturen", sagte Eppel. Die größte Schwäche des Rotalla, der als einziges Produkt mit „bedingt empfehlenswert" beurteilt wurde, sei die Performance bei Nässe.

Service

Testergebnisse im Detail

„Sehr empfehlenswert" (8): Continental PremiumContact 6, Michelin Pilot Sport 4, Goodyear Eagle F1 Asymetric 5, Maxxis Victra Sport 5, Michelin Primacy 4, Bridgestone Turanza T005, Maxxis Premitra 5 und Pirelli Cinturato P7

„Empfehlenswert" (18): Nexen N’Fera Sport, Sava Intensa UHP 2, Vredestein Ultrac Vorti, Falken Azenis FK510, Bridgestone Potenza S001, Kumho Ecsta PS71, Nokian Powerproof, Pirelli P Zero, Toyo Proxes Sport, Hankook Ventus S1 evo3, Cooper Zeon CS-Sport, Hankook Ventus Prime 3, Semperit Speed-Life 2 SUV, Yokohama BluEarth RV-02, Continental EcoContact 6, Esa+Tecar Spirit Pro, Kumho Ecsta HS51, Kleber Dynaxer HP3

„Bedingt empfehlenswert" (1): Rotalla Setulla S-Pace RU01

„Nicht empfehlenswert" (1): Laufenn S-Fit EQ

Vier 225/40 R19-Modelle „sehr empfehlenswert"

Mit „sehr empfehlenswert" wurden bei den 225ern der Continental PremiumContact 6, der Michelin Pilot Sport 4, der Goodyear Eagle F1 Asymetric 5 und der Maxxis Victra Sport 5 beurteilt. „Die vier Modelle sind echte Allrounder und geben sich weder in den Sicherheits- noch in den Umweltaspekten eine Blöße", so der ÖAMTC-Experte. In dieser Dimension verfehlten drei Produkte ein „sehr empfehlenswert" knapp: Nexen N'Fera Sport, Sava Intensa UHP 2 und Vredestein Ultrac Vorti glänzen mit guten Trocken- und Verschleißergebnissen, landeten bei den Nasstests aber im durchschnittlichen Bereich.

Ähnlich erging es dem Pirelli P Zero: Bester auf trockener Fahrbahn, sehr gut bei Nässe, aber gleichzeitig mit Schwächen bei Verbrauch und Verschleiß. Ein typischer Zielkonflikt bei Reifen, der ein besseres Ergebnis als ein „empfehlenswert" verhindert, schrieb der Club.

Vier 235/55 R17-Modelle „sehr empfehlenswert"

Gute Resultate gibt es auch in der Dimension 235/55 R17, einer oftmals auf SUVs eingesetzten Reifengröße (der Test wurde daher auch mit SUVs durchgeführt). Die Reifengröße kann oft auch auf Transportern verwendet werden. Die Ergebnisse zeigen, dass sie auch für diese Fahrzeugkategorie eine bessere Alternative sind, als die im Vorjahr erstmals vom Mobilitätsclub getesteten C-Reifen der Dimension 215/65 R16C. „Die Laufleistung ist im Durchschnitt zwar geringer, aber speziell in Sachen Nassgriff, wie z.B. beim Bremsweg auf nasser Fahrbahn, schneiden die meisten der heuer getesteten Modelle besser ab", berichtete Eppel.

Mit „sehr empfehlenswert" wurden in dieser Dimension vier Reifen bewertet: Michelin Primacy 4, Bridgestone Turanza T005, Maxxis Premitra 5 und Pirelli Cinturato P7. Diese Modelle können in allen Kriterien punkten, verfügen über keine größeren Schwächen. Bei den „empfehlenswerten" Reifen zeigt sich ein etwas differenzierteres Bild – meist liegen die Schwachpunkte in den Nass-Eigenschaften, nur drei Modellen macht die trockene Fahrbahn zu schaffen.

„Nicht empfehlenswert" für Laufenn S-Fit EQ

Einziger Ausreißer nach unten ist laut Test der Laufenn S-Fit EQ (zu dem bereits ein Nachfolger erhältlich ist, der aber zum Zeitpunkt des Testreifeneinkaufs noch nicht verfügbar war). Dieses Modell gehört in Sachen Verschleiß, Kraftstoffverbrauch, Abrollgeräusch und Trocken-Eigenschaften zum vorderen Mittelfeld.

Ist die Fahrbahn jedoch nass, „enttäuscht der Laufenn mit wenig Grip und schlechter Balance", hieß es. Hinzu kommen lange Bremswege, so dass der Mobilitätsclub das einzige „nicht empfehlenswert" im aktuellen Sommerreifentest aussprach. (TT.com/APA)

💡 Tipps für den Räderwechsel zu Hause

  • Alte Sommerreifen auf Schäden und Profiltiefe prüfen.
  • Bei Sommerreifen ist eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm vorgeschrieben.
  • Schrauben richtig festziehen.
  • Bei vielen Reifenmodellen ist die Laufrichtung vorgegeben, sie müssen daher wieder an der gleichen Fahrzeugseite montiert werden.
  • Wer weniger abgefahrene Reifen mit stärker abgenützten tauschen will, sollte dies nur tun, wenn der Unterschied in der Profiltiefe nicht allzu groß ist – ansonsten droht Schleudergefahr.
  • Bei Autos mit Reifendruckkontrollsystem soll man nur, wenn man sich mit der notwendigen Neukalibrierung des Systems auskennt, selbst Hand anlegen.
Für Sommerreifen ist eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm vorgeschrieben. Damit diese nicht kurz nach dem Umstecken unterschritten wird, muss bei der Montage natürlich deutlich mehr vorhanden sein.
Friedrich Eppel, ÖAMTC-Techniker

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