Doping

Keine Schutzzeit für Dopingsünder, neue Fragezeichen um Dürr-Akte

Nach dem Wien-Marathon 2019 wurde Vincent Yator (l.) positiv getestet – Sperre.
© GEPA pictures/ Philipp Brem

Corona-Zeit bedeutet nicht automatisch Schonzeit. Dopingkontrollen gehen weiter, auch rund um die „Operation Aderlass“ tat sich zuletzt eine weitere Frage auf.

Lausanne – Es nahm sich gestern wie eine Warnung aus, dass es trotz Corona keine Schutzfrist für potenzielle Dopingsünder geben würde: Der Kenianer Vincent Yator wurde von der Integritätskommission des Leichtathletik-Weltverbandes für vier Jahre gesperrt. Der Vorwurf: Einnahme diverser Doping-Substanzen im Vorjahr. Seine noch nicht rechtskräftigte Sperre beginnt mit 1. Oktober 2019, die Aberkennung von Ergebnissen samt Preisgeldern mit 10. April 2019, und damit drei Tage nach Rang sieben beim Wien-Marathon.

Der Präsident des Leichtathletik-Weltverbands, Sebastian Coe, hatte Sportler bereits zuletzt davor gewarnt, die Pandemie als Schlupfloch für Doping zu nutzen. „Kein Sportler sollte jemals zu dem Schluss kommen, dass er sich in einer Test-Sperrzone befindet, das ist nicht der Fall“, sagte der Brite der ARD. „Wir haben Systeme eingerichtet, die mehr als ausreichend sind, um mit der aktuellen Verwerfung umzugehen.“

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Derzeit ruht das internationale Kontrollsystem weitgehend, auch der Kontrollbetrieb in Österreich läuft nur auf Risikosportarten reduziert. Standard-Nachweisverfahren wie etwa Urinkontrollen sind derzeit kaum möglich. Dopingjäger verweisen auf indirekte Nachweisverfahren wie den biologischen Athleten-Blutpass.

„Wir wären naiv zu glauben, dass nicht einige versuchen, das System auszutricksen. Daher treiben wir Technologie voran, um innovative Verfahren einzuführen, damit potenzielle Betrüger nicht davonkommen“, sagte Travis Tygart, der Chef der US-Antidoping-Agentur, ohne allerdings konkret zu werden.

Die ARD-Dopingredaktion zitierte zudem aus einer an Mäusen durchgeführten Studie der Universität Oslo aus dem Jahr 2013, die nahelegt, dass Athleten auch schon von kurzzeitigem Anabolika-Konsum dauerhafte Vorteile beim Muskelwachstum haben. Weitergedacht hieße das, dass Athleten auch bei den auf 2021 verschobenen Olympischen Sommerspielen in Tokio noch davon profitieren würden.

Dürr doch nicht „Kronzeuge und freiwilliger Whistleblower“?

Fragezeichen ergab auch ein jüngst in der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlichter Hintergrund-Bericht zur Doping-Razzia rund um die „Operation Aderlass“ bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld. Die Frage: „Wer war der Informant, der heikle Informationen des überführten Langläufers Johannes Dürr an einen Ermittler weitergab?“

Nach Meinung von Martin Prinz, Autor des Buchs über Ex-Langläufer Johannes Dürr, war das „Doping-Doppelleben“ des Niederösterreichers nur ein Teil der Geschichte. So sei vertrauliches Interview­material an die Staatsanwaltschaft gelangt. War Dürr also doch nicht der „Kronzeuge und freiwillige Whistleblower“, als der er verkauft wurde? (dpa, TT)