1000 Österreicher warten noch auf Rückholung, weitere Reisewarnungen

„Niemand wird im Stich gelassen", versprach Außerminister Schallenberg bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Vollständige Reisefreiheit werde es erst geben, wenn die globale Krise überstanden ist.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger und Außenminister Alexander Schallenberg (beide ÖVP) versetzten am Mittwoch Hoffnungen auf eine baldige Lockerung von Reisebschränkungen einen Dämpfer.
© HELMUT FOHRINGER

Wien – Von ursprünglich 47.000 Österreichern, die sich zu Beginn der Corona-Pandemie im Ausland aufgehalten haben, sind noch 3500 übrig. Von ihnen wollen rund 1000 auch tatsächlich zurück in die Heimat, wie Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien mitteilte. Hoffnungen auf eine baldige Lockerung von Reisebeschränkungen versetzte er einen Dämpfer.

Vollständige Reisefreiheit werde es erst geben, wenn die globale Krise überstanden ist, so Schallenberg bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Nicht alle Staaten seien „im Gleichschritt unterwegs", bei einigen Ländern werde es noch länger dauern, bis Maßnahmen gelockert werden könnten.

Reisewarnungen ausgeweitet

Deshalb weitete das Außenministerium die bereits für 29 Staaten bestehenden Reisewarnungen (Stufe 6) aus. Ab sofort bestehe auch für Belgien, Portugal sowie Schweden, Brasilien, Indonesien, Nigeria und die Philippinen eine Reisewarnung. Bereits jetzt wird in Europa etwa vor Reisen nach Italien, die Schweiz, Frankreich, Spanien, Großbritannien und die Niederlande gewarnt.

⚠️ Reisewarnungen:

  • Afghanistan
  • Belgien
  • Brasilien
  • Frankreich
  • Großbritannien
  • Indien
  • Indonesien
  • Irak
  • Iran
  • Italien
  • Jemen
  • Korea - Republik
  • Libyen
  • Mali
  • Mauretanien
  • Niederlande
  • Niger
  • Nigeria
  • Pakistan
  • Peru
  • Philippinen
  • Portugal
  • Russische Föderation
  • San Marino
  • Schweden
  • Schweiz
  • Senegal
  • Somalia
  • Spanien
  • Südafrika
  • Südsudan
  • Syrien
  • Ukraine
  • Vatikanstadt
  • Vereinigtes Königreich
  • Zentralafrikanische Republik

Und: „Wir müssen davon ausgehen, dass noch weitere Staaten dazukommen", prognostizierte Schallenberg. „Wir befinden uns noch voll und mitten in der Coronakrise." Eine Lockerung der derzeitigen Reisebeschränkungen sei „verfrüht" und berge die Gefahr einer zweiten Welle an Infektionen.

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Wir müssen davon ausgehen, dass noch weitere Staaten dazukommen.
Außenminister Alexander Schallenberg

Niemand wird „im Stich gelassen"

Von rund 3500 derzeit im Ausland befindlichen Personen, die in Österreich ihren Wohnsitz haben, warten laut Außenamt etwa 1000 auf ihre Rückholung. Sie sind quer über den Globus verstreut – in 84 Ländern, teilweise in Klein- oder Kleinstgruppen. Die „Phase der großen Rückholflüge" sei mit einem Repatriierungsflug aus Neuseeland in den kommenden Tagen beendet, weshalb man nun zur „Einzelfallbetreuung" übergehe. Hier setze man insbesondere auch auf die Zusammenarbeit mit anderen EU-Staaten. Bis dato sind 700 Österreicher mit EU-Kooperationsflüge zurückgebracht worden, insgesamt wurden 7100 Staatsbürger mit 37 Flügen zurückgeholt.

Jedenfalls werde „niemand im Stich gelassen", versicherte Schallenberg. Man werde sich weiterhin „intensiv darum bemühen", entsprechende Rückreisen zu organisieren. Für jene, die etwa aufgrund von Ausgangssperren nicht ausreisen können, gebe es konsularische Hilfe beispielsweise bei der Suche nach Unterkünften, der medizinischen Versorgung, beim Kontakt mit lokalen Behörden oder anderen im Land befindlichen Österreichern. Zudem gebe es die Möglichkeit eines „Notkredits" über Botschaft oder Konsulat.

📽 Video | Bürger (ORF) über die beschränkte Reisefreiheit:

Regierung rät zu Sommerurlaub im Inland

Weil eine Lockerung der Reisebeschränkungen derzeit nicht absehbar ist, appellierten Köstinger und Schallenberg an die Österreicher, in diesem Sommer einen Heimaturlaub anzudenken. So werde auch die von der Coronakrise massiv getroffene Tourismusbranche unterstützt. Allerdings kommen in der Sommersaison von Mai bis Oktober üblicherweise 70 Prozent der Nächtigungen von Ausländern und im gesamten Jahr sogar 75 Prozent.

Derzeit ist geplant, die Branche ab Mitte Mai wieder „vorsichtig und schrittweise" hochzufahren, sagte Köstinger. Ein konkreter Plan dafür werde derzeit ausgearbeitet. Dafür seien bis Ende April noch Evaluierungen notwendig. Wann wieder Ausländer anreisen werden, ist offen. Jedenfalls werde es aber bestimmte Verhaltensregeln - das Tragen von Masken, Abstandhalten und Ähnliches – geben müssen.

Für bereits gebuchte Auslandsreisen gilt: Gibt es eine entsprechende Reisewarnung, ist eine Stornierung kostenlos möglich. Bei Ländern, für die „nur" ein Reisehinweis des Außenamtes existiert, müsse Kontakt mit dem jeweiligen Reiseveranstalter aufgenommen werden. (APA)


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