Sanders wirft hin: Traum von "politischer Revolution" ausgeträumt

Bernie Sanders gilt vielen als Ikone im Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit, für eine allgemeine Krankenversicherung und die Besteuerung von Reichen und Unternehmen. Nun muss Sanders einmal mehr einräumen, dass seine Vision nicht überzeugend genug ist für eine Mehrheit der Demokraten. Für November muss er Joe Biden das Feld überlassen, will jedoch weiter für seine Ideale kämpfen.

Bernie Sanders mit seiner Frau Jane O'Meara Sanders. Der parteifreie Kandidat wird nicht für die Demokraten gegen Trump antreten.
© PAUL RATJE

Washington – Aus der "politischen Revolution" wird vorerst nichts. Im Präsidentschaftsrennen der US-Demokraten hat der linksgerichtete Senator Bernie Sanders das Handtuch geworfen. Der von seinen oft jungen Anhängern als Linken-Ikone verehrte 78-Jährige zieht damit nach wochenlangem Zögern die Konsequenzen aus einer Reihe von Vorwahlschlappen.

Der selbsternannte "demokratische Sozialist" beendete am Mittwoch inmitten der Coronavirus-Pandemie den Wahlkampf – und machte den Weg frei für eine Präsidentschaftskandidatur des früheren Vizepräsidenten Joe Biden.

Sanders hatte es nie geschafft – und eigentlich auch nie versucht –, die Demokratische Partei hinter sich zu bringen. Vielmehr nannte er das "demokratische Establishment" stets in einem Atemzug mit dem republikanischen Establishment und den Wirtschaftseliten als Gegner. Seine Anhänger konnte "Bernie" mit diesem Image des furchtlosen Einzelkämpfers mobilisieren; ausbauen konnte er seine Wählerbasis aber kaum.

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Zentrale Figur im Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit

Der als kompromisslos kritisierte Senator für den Bundesstaat Vermont blieb bei den Demokraten stets ein halber Außenseiter – zumal er kein Parteimitglied ist, sondern ein Unabhängiger. Dabei ist unbestritten, dass Sanders eine zentrale Figur im Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit in den USA ist. Seit Jahrzehnten wirbt er für einen stärkeren Sozialstaat, eine fairere Einkommensverteilung, strengere Regeln für die Wall Street.

Schonungslos legte er die Schwächen des teuren US-Gesundheitssystems offen, das dutzende Millionen Menschen ausschließt – und das jetzt mit dazu beiträgt, dass die Coronavirus-Pandemie die USA so hart trifft. Doch sein Vorschlag einer gesetzlichen Krankenkasse für alle, wohlbemerkt bei Abschaffung der Privatversicherungen, ging auch bei den Demokraten den meisten zu weit. Zumal Sanders keinen konkreten Plan hatte, wie er dieses Versprechen finanzieren wollte.

Schlussendlich war Joe Biden (r.) für eine Mehrheit der demokratischen Vorwähler überzeugender als Bernie Sanders.
© SAUL LOEB

Furcht, zu progressiver Kandidat könne nicht gegen Trump gewinnen

Viele in der Partei fürchteten, ein Präsidentschaftskandidat mit der Vision einer "politischen Revolution" würde Wähler der politischen Mitte verprellen und bei der Präsidentschaftswahl im November gegen Amtsinhaber Trump untergehen. Der Präsident hatte schon das Schreckgespenst des "Kommunismus" an die Wand gemalt, den der "verrückte Bernie" anstrebe.

Dass Sanders trotz allem die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten erringen könnte, hatte zwischenzeitlich als echte Möglichkeit gegolten. Nach seinen frühen Vorwahl-Erfolgen im Februar stürmte der 78-Jährige in landesweiten Umfragen an die Spitze. Gestützt von einer landesweit hervorragend aufgestellten Graswurzelbewegung war er vor dem Superwahltag "Super Tuesday" am 3. März klarer Favorit und hätte seinen Rivalen davoneilen können.

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Moderater Flügel vereint sich vor Super Tuesday hinter Biden

Doch dann vereinte sich der zersplitterte moderate Demokratenflügel hinter Biden. Der Mitte-Politiker legte am Super-Dienstag ein spektakuläres Comeback hin und räumte auch bei den folgenden Vorwahlen ab. Sanders hatte schließlich rechnerisch kaum mehr Chancen auf eine Kandidatur. Doch der als Dickkopf verschriene Senator gab zunächst nicht auf, zumal Wahlkampf und Vorwahlen wegen der Coronavirus-Pandemie nahezu vollständig auf Eis lagen.

Bei den Demokraten wuchs die Sorge vor einem Schreckensszenario wie 2016. Damals hatte der Politik-Revoluzzer sich ein langes und erbittertes Vorwahlrennen mit seiner Rivalin Hillary Clinton geliefert, das zu tiefen Rissen bei den Demokraten führte. Kritiker machen den langjährigen Senator deswegen mitverantwortlich für Clintons Niederlage gegen Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016.

Sands räumt ein: "Joe Biden wird der Nominierte sein"

Nun räumte Sanders ein, dass er keine Chance mehr auf die Präsidentschaftskandidatur habe. "Joe Biden wird der Nominierte sein", sagte er am Mittwoch in einer Videoansprache. Ganz aufgeben will der Senator aber nicht: Er werde bei den Vorwahlen weiter Delegiertenstimmen sammeln, um beim Nominierungsparteitag im August politisches Gewicht zu haben.

Gleichwohl versprach Sanders eine Zusammenarbeit mit Biden, der ein "sehr anständiger Mann" sei. "Gemeinsam und vereint werden wir Donald Trump besiegen, den gefährlichsten Präsidenten der jüngeren amerikanischen Geschichte." (APA, AFP)


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