Schlüsselfigur in Lewinsky-Affäre: Linda Tripp gestorben

Tripp hatte in den 90er-Jahren im Pentagon mit Monica Lewinsky zusammengearbeitet. Die vorherige Praktikantin im Weißen Haus erzählte Tripp vertraulich von ihrer Affäre mit Clinton.

Linda Tripp (r.) auf einem Archivfoto aus dem Jahr 1998.
© WILLIAM PHILPOTT

Washington – Die frühere US-Regierungsmitarbeiterin Linda Tripp, eine Schlüsselfigur im Lewinsky-Skandal um den früheren US-Präsidenten Bill Clinton, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Ihr früherer Anwalt Joseph Murta bestätigte am Mittwoch ihren Tod, ohne Angaben zur Todesursache zu machen. US-Medien berichteten unter Berufung auf Familienangehörige, Tripp sei an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben.

Tripp hatte in den neunziger Jahren im Pentagon mit Monica Lewinsky zusammengearbeitet. Die vorherige Praktikantin im Weißen Haus erzählte Tripp vertraulich von ihrer Affäre mit Clinton. Tripp begann daraufhin, ihre Telefonate mit Lewinsky heimlich aufzuzeichnen, und händigte die Bänder dem Sonderermittler Kenneth Starr aus. Sie erzählte Starr auch von dem berühmt-berüchtigten blauen Kleid Lewinskys mit den Spermaflecken des Präsidenten.

Tripp begründete ihre Enthüllungen unter anderem damit, dass Clinton die Praktikantin "emotional missbraucht" habe. Noch im Jahr 2018 verteidigte sie ihr Vorgehen in einer Internetsendung. Das Verhalten Clintons sei "inakzeptabel beim Anführer der freien Welt" gewesen.

Amtsenthebungsverfahren nach Enthüllungen

Die Enthüllungen über Clintons Affäre mit Lewinsky hatten seine Präsidentschaft in eine schwere Krise gestürzt. 1998 kam es zum Amtsenthebungsverfahren, weil Clinton die Beziehung zu verschleiern versucht hatte. Die Anschuldigungen lauteten auf Meineid und Behinderung der Justiz. Das Amtsenthebungsverfahren scheiterte jedoch 1999 im Senat.

Tripp sagte damals in einem Interview, trotz zahlreicher Drohungen bedauere sie ihr Vorgehen nicht. Die Öffentlichkeit habe "absolut keine Ahnung davon, was Monica durchgemacht hat", sagte sie NBC. Sie habe aus "patriotischer Pflicht" gehandelt. 2001 verlor sie mit dem Amtswechsel im Weißen Haus wie alle anderen "politischen Beamten" ihren Job.

Tripp erstritt von der Regierung eine Entschädigung von mehr als einer halben Million Dollar, weil Informationen aus ihrer Personalakte an die Medien durchgestochen worden waren. Sie heiratete später einen Deutschen und eröffnete mit ihm in Middleburg im US-Bundesstaat Virginia ein Geschäft mit Weihnachtsschmuck.

Lewinksy, die während des Skandals erklärt hatte, sie sei von Tripp hintergangen worden, äußerte sich am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter, als die schwere Erkrankung der 70-Jährigen bekannt war, aber noch nicht deren Tod. "Egal was gewesen ist, nachdem ich gehört habe, dass Linda Tripp schwer krank ist, hoffe ich auf ihre Genesung. Es ist kaum vorstellbar, wie schwer das für ihre Familie ist." (APA/AFP)


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