Von Filmfestivals bis zu Konzerten: Die Kulturszene in Europa steht still

Abgesagte Konzerte und verschobene Festivals – die Kulturszene treffen die Folgen der Corona-Krise besonders hart. Einige große Veranstaltungen mussten bereits abgesagt werden, andere stehen auf wackeligen Beinen.

Das Filmfestival in Venedig im September steht auf der Kippe.
© APA/dpa

Europa – Von Hamburg bis Venedig, von Filmfestival bis Klassikkonzert – In ganz Europa sind Kulturschaffende von der Corona-Krise betroffen. Konzerte werden abgesagt, Filme finden kein Publikum und Bilder keine Betrachter. Welche Veranstaltungen es besonders hart trifft und was sich Künstlerinnen und Künstler einfallen lassen, um die Krise zu überstehen, lesen Sie hier:

Hamburger Konzertveranstalter gründen Hilfsfonds

Die drei größten Veranstalter von Konzerten in der Elbphilharmonie und der Laeiszhalle in Hamburg haben einen Unterstützungsfonds für freiberufliche Musiker ins Leben gerufen. Vom "Elbphilharmonie Hilfsfonds" sollen Künstlerinnen und Künstler profitieren, deren Konzerte wegen der gegenwärtigen Corona-Pandemie nicht stattfinden können.

Getragen wird der Fonds von der HamburgMusik GmbH, dem NDR und der Konzertdirektion Dr. Rudolf Goette. "Es steht bereits ein niedriger sechsstelliger Betrag zur Verfügung, mit dem wir sofort loslegen können", sagte Christoph Lieben-Seutter, der aus Wien stammende Generalintendant der Elbphilharmonie und der Laeiszhalle. Das Geld stammt von Konzertgästen, die auf eine Rückerstattung des Kaufpreises für ihre Karten verzichtet haben.

Der große Saal der Elbphilharmonie in Hamburg wird wohl noch einige Zeit leer bleiben.
© Iwan Baan

Sommerszene 2020 in Salzburg abgesagt

Auch die diesjährige Sommerszene in Salzburg ist der Coronapandemie zum Opfer gefallen. Da bis Ende Juni alle öffentlichen Veranstaltungen in Österreich untersagt sind, könne die heurige Festivalausgabe der Sommerszene von 15. bis 27. Juni nicht stattfinden, informierte die Szene Salzburg. Ob einzelne Projekte zu einem späteren Zeitpunkt oder beim Festival 2021 gezeigt werden, stehe noch nicht fest.

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Französische Musiker bringen „Corona-Album“ heraus

33 französische Künstler haben am Mittwoch ein Album gegen den Ausgangssperren-Blues veröffentlicht. In Frankreich bekannte Künstler wie Arthur H, Malik Djoudi und Etienne de Crecy haben Stücke beigesteuert. Das Album nennt sich "Music for containment" (Musik für die Ausgangssperre).

Der Sänger Arthur H nannte das gemeinsame Album eine „schöne, kreative und einfache Geste" in einer schwierigen Zeit. Auch Künstler litten unter der Ausgangssperre. Die Erlöse aus dem Album sollen der Stiftung Fondation de France zu Gute kommen, die sich für Menschen in schwierigen Verhältnissen einsetzt. Stilistisch reicht das Album von Elektro- bis Ambient-Musik.

📽 Video | Vielfältig ist das Album "Music for Containment"

Filmfestival Venedig könnte verschoben werden

Die Organisatoren des Filmfestivals von Venedig hoffen, dass bis zu Beginn des Events am 2. September die Coronavirus-Epidemie zu Ende sein wird, schließen jedoch eine Verschiebung auf das nächste Jahr nicht aus. Einen Beschluss, ob das Festival stattfinden wird oder nicht, will Festivaldirektor Alberto Barbera bis Ende Mai treffen.

"Vor uns stehen drei Szenarien. Das Schlimmste ist, dass wir uns wegen der noch tobenden Pandemie ein Sabbatical nehmen müssen. Das optimistische Szenario wäre, dass die Pandemie zu Ende ist und alles wie früher weitergeht. Hinzu gibt es eine Möglichkeit dazwischen und zwar ein Festival mit Distanzierung unter den Zuschauern und sanitären Vorbeugungsmaßnahmen. Wir werden bis Ende Mai einen Beschluss fassen", sagte Barbera laut der römischen Tageszeitung La Repubblica.

Filmfestival „Crossing Europe" mit Alternativprogramm

Das Linzer Filmfestival Crossing Europe hat nach seiner Absage nun ein Alternativangebot auf die Beine gestellt: Unter dem Titel „Crossing Europe 2020 - Extracts" sind von 21. April bis 20. Mai zehn Filme des ursprünglich geplanten Programms als Video-on-Demand zu sehen. Im Herbst soll es dann in Linz und in Wien noch ein bisschen Festivalfeeling mit echten Filmvorführungen geben.

Nach der Absage am 18. März habe man in Absprache mit den Hauptfördergebern diverse Varianten durchgespielt, um Teile des ursprünglich geplanten Festivalprogramms auf andere Weise dem Publikum zugänglich zu machen, hieß es in einer Aussendung von Crossing Europe am Mittwoch. Das Alternativangebot soll einen Querschnitt dessen abbilden, was Ende April in Linz zu sehen gewesen wäre. Das Publikum solle aktuelle europäische Filme anschauen können, für die kein regulärer Kinostart vorgesehen ist, und die Filmemacher ein Forum bekommen, um ihre Arbeiten zu zeigen.

„Hollywood in Vienna“ entfällt heuer

Das Filmmusikfestival „Hollywood in Vienna", das am 2. und 3. Oktober im Wiener Konzerthaus stattfinden hätte sollen, fällt aus. Die geplanten Konzerte und die Gala werden auf 23. und 24. September 2021 verschoben, teilten die Organisatoren am Donnerstag mit.

Man habe sich „schweren Herzens" zur Verschiebung entschlossen, da mehrere Partner der Gala wirtschaftlich von den Maßnahmen zu Eindämmung der Pandemie betroffen und Planbarkeit und Umsetzung eines internationalen Festivals in der gegenwärtigen Lage nicht oder nur eingeschränkt möglich seien.

Linzer „Höhenrausch" auf 2021 verschoben

Der diesjährige „Höhenrausch" in Linz wird coronabedingt auf 2021 verschoben. Nicht nur der Eröffnungstermin Ende Mai, sondern auch die zuletzt geprüfte Option einer Verschiebung auf Juli sei wegen der derzeitigen Restriktionen und der unvorhersehbaren internationalen Entwicklungen nicht zu halten gewesen, teilte das oberösterreichische Kulturquartier mit.

Seit 2009 zeigt das Kulturquartier regelmäßig Ausstellungen aus dem Format „Höhenrausch" bzw. „Sinnesrausch", die sich traditionell auch am Dach des Museums und angrenzender Gebäude breitmachen. Im Vorjahr zählte man 88.000 Besucher. An dem nun auf 2021 verschobenen „Höhenrausch" unter dem Titel „Wie im Paradies" wirken rund 30 internationale Künstler mit. Die Eröffnung ist für den Frühling geplant.

Bad Hersfelder Festspiele abgesagt: "Katastrophal!"

Die osthessische Stadt Bad Hersfeld hat seine Festspiele im Sommer wegen der Corona-Krise abgesagt. Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos) bezeichnete die Absage als "katastrophal": "Die Festspiele sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Stadt."

Nun müsse geklärt werden, ob das für diese Saison geplante Programm im Sommer 2021 nachgeholt werden könne, berichtete die Stadt. Die 70. Jubiläumssaison sollte am 26. Juni mit der Uraufführung des Stücks "Der Club der toten Dichter" nach der Regie von Intendant Joern Hinkel beginnen.

EU-Kulturminister für stärkere Zusammenarbeit

Die Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek von den Grünen unterhielt sich mit ihren EU-Kollegen. (Archivbild)
© APA

Unterdessen sprachen sich die für Kultur zuständigen Minister und Staatssekretäre der EU für eine noch engere Zusammenarbeit und verstärkte Maßnahmen auf EU-Ebene zur Unterstützung des Kunst- und Kulturbereichs aus. Das ergab ein Austausch über die Folgen der Coronakrise in einer vierstündigen Videokonferenz am Mittwoch, teilte Österreichs Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) der APA mit. Geschehen soll das sowohl im Rahmen der mit 37 Milliarden Euro dotierten „Corona Response Investment Initiative" als auch im Rahmen des Kulturförderprogramms „Creative Europe". (APA/AFP/dpa)


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