ÖFB entscheidet über Zukunft: „Es werden sicher nicht alle zufrieden sein“

Das ÖFB-Präsidium tagt heute (15 Uhr) per Videokonferenz, um über die nahe Zukunft des österreichischen Fußballs zu entscheiden. Im Amateurbereich geht die Tendenz klar in Richtung Abbruch.

Der Imster Marvin Schöpf (rot) und der Kufsteiner Mathias Madersbacher werden sich in dieser Saison wohl nicht mehr duellieren.
© Böhm

Von Tobias Waidhofer

Innsbruck, Wien – Die Stunde der Wahrheit naht. Heute (15 Uhr) steckt das ÖFB-Präsidium virtuell die Köpfe zusammen und wird danach bekannt geben, wie und ob es in Österreichs Fußball – vom Nachwuchs- über den Amateur- bis hin zum Profibereich – weitergeht. Die TT beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was entscheidet das ÖFB-Präsidium? Allgemein gesprochen stehen dort sämtliche Bewerbe des Landes, vom Nachwuchs über Frauenfußball, Amateurligen und Bundesliga bis zum Cup, auf dem Prüfstand. Da das Veranstaltungsverbot wohl bis 30. Juni Bestand haben wird, geht die Tendenz auf Amateur-Level ganz klar in Richtung Abbruch der Saison.

Wer stimmt ab? LASK-Präsident Siegmund Gruber ist als Bundesliga-Aufsichtsratsmitglied im ÖFB-Präsidium ebenso stimmberechtigt wie Philipp Thonhauser (Admira) und Liga-Vorstand Christian Ebenbauer, dazu kommen die neun Landeschefs, darunter der Tiroler Präsident Josef Geisler, und ÖFB-Boss Leo Windtner.

Könnte man die restliche Saison auch mit Geisterspielen durchführen? Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler (Grüne) debattierte bereits im Verlauf des gestrigen Tages mit Fußball-Vertretern über mögliche Geisterspiele. „Wir werden heute und morgen noch mit dem ÖFB und der Bundesliga konferieren, um zu schauen, was möglich ist“, sagte Kogler. Das gilt allerdings nur für den Profi-Bereich. „Das ist meines Erachtens im Amateurfußball überhaupt kein Thema“, formuliert auch TFV-Präsident Josef Geisler dazu eine klare Meinung.

Wie werden die Amateurligen im Falle eines Abbruchs gewertet? Dabei zeichnet sich die Tendenz ab, dass die bisherige Meisterschaft annulliert und im Sommer von Neuem begonnen wird. „Wenn Veranstaltungen ab Juli wieder erlaubt sind, dann kann man daran denken, dass der Herbst wie üblich gespielt werden kann“, stellt Geisler in Aussicht. Es stehe aber natürlich immer die Frage im Raum, wann man „realistischerweise damit rechnen kann, das Fußballspiele wieder wie bisher stattfinden können“. Theoretisch könnte jeder Landesverband für sich entscheiden, wie er mit seinen Bewerben umgeht. Ziel sei aber eine einheitliche Lösung. „Und von dieser gehe ich auch aus“, so ÖFB-Vizepräsident Geisler.

Wie ist die Stimmung an der Tiroler Basis? Die Tiroler Vereine rechnen großteils mit dem Abbruch der Saison. Die Frage, wann und wie es weitergeht, ließ aber auch bei Funktionären, Spielern und Trainer die Köpfe rauchen. Vorschläge zur Umstellung auf eine Ganzjahresmeisterschaft (Hinrunde März bis Juni/Rückrunde August bis November) oder zur Durchführung einer Blitz-Meisterschaft im Frühjahr 2021 flatterten der TT und auch Präsident Geisler ins Haus. „Es ist toll zu sehen, dass die Szene lebt und sich viele Leute Gedanken machen.“ Der Ganzjahresmeisterschaft könne der pensionierte Richter einiges abgewinnen. „Die Idee an sich ist diskussionswürdig. Aber wenn man auf so ein System umstellen will, braucht es mehr Vorlaufzeit.“ Eines ist aber klar: Egal wie die Entscheidung heute ausfällt, wird es Verlierer und Gewinner geben. „Es werden sicher nicht alle zufrieden sein“, weiß auch Geisler.

Drohen bei einem Liga-Abbruch Klagen von Vereinen? Der ÖFB hat ein juristisches Gutachten in Auftrag gegeben, das die Grundlage der Entscheidung bilden soll. „Ein Fall wie die Corona-Pandemie ist in unseren Bestimmungen nicht geregelt, deshalb brauchte es ein unabhängiges Rechtsgutachten“, erklärt der Zillertaler Verbandspräsident.

Denn es steht im Kampf um Meistertitel, Europacup-Plätze und Cup-Sieg sowie den Klassenerhalt viel Geld auf dem Spiel. Bundesliga-Schlusslicht St. Pölten hat schon angekündigt, im Falle einer Wertung des Tabellenstands juristische Mittel ergreifen zu wollen. Das ist wohl auch ein Grund dafür, warum die Gerüchte um eine Aufstockung von 12 auf 13 oder 14 Vereine (mit Ried und eventuell Austria Klagenfurt) im Falle eines Abbruchs der Bundesliga nicht leiser werden. „Es sollen so wenig Schiedsgerichte oder reguläre Gerichte wie möglich beschäftigt werden“, hat sich nicht nur Geisler zum Ziel gesetzt. Es wird spannend ...


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