Konsumentenschutz warnt vor deutschen TUI-Gutscheinen

Für den deutschen Markt will der Reiseveranstalter TUI bei Stornos auf Grund der Corona-Krise Reisegutschriften ausstellen. Für die Kunden hat das Rechtsfolgen.

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© Kristen

Wien, Hannover – Der deutsche Reiseanbieter TUI will Kunden, deren Reise wegen der Corona-Pandemie storniert werden musste, mit einer Gutschrift bis zu 150 Euro zur Annahme eines Reisegutscheins motivieren. Das gilt nur für den deutschen Markt. Die TUI Austria Holding biete das nicht an, wie man seitens des Österreich-Ablegers betonte. Der deutsche Weg stößt bei Konsumentenschützern auf heftige Kritik.

Denn für die Urlauber hat die Annahme des Marketing-Präsents Rechtsfolgen. "Die Nachteile dieser Lösung werden tunlich verschwiegen," warnte der Obmann des Verbraucherschutzvereines (VSV), Peter Kolba, vor einigen Fallstricken.

Bei Insolvenz wertlos

Wer sich in Deutschland eine bis Ende April stornierte Reisebuchung in Form von sogenanntem Reiseguthaben gutschreiben lasse, erhalte bis zu 150 Euro zusätzlich pro Buchung auf sein Guthabenkonto, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag. Urlauber, die sich schon bis Ende Juni für ihre nächste Reise entscheiden, erhalten demnach außerdem einen "Treuebonus" von bis zu 100 Euro.

Kolba gab zu bedenken, dass die Gutscheine nicht gegen eine Insolvenz des Veranstalters abgesichert seien. "Würde über die TUI die Insolvenz eröffnet, wären die Gutscheine praktisch wertlos", so der Verbraucherschützer.

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Wer nun rasch - bis Juni - buche, müsse auch wissen, dass man nicht mehr kostenlos vom Reisevertrag zurücktreten kann, sollten die Coronavirus-Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung andauern.

Ich halte die Informationen der TUI für irreführend und gesetzwidrig und ersuche den VKI - denn der hat im Gegensatz zum VSV die Legitimation zu Verbandsklagen - dagegen mit Unterlassungsklage vorzugehen.
Peter Kolba, Konsumentenschützer

Informationen "irreführend"

Weiters buchen Österreicher, die bei TUI buchen, laut Kolba in der Regel bei TUI Deutschland. In Deutschland wurde die vom Staat gedeckelte Insolvenzabsicherung (110 MillionenEuro), die bereits bei Thomas Cook nicht ausgereicht hat, bisher nicht gesetzlich saniert. Im Fall einer Insolvenz der TUI würde die Insolvenzabsicherung unter Umständen - wie schon bei Thomas Cook - nicht ausreichen.

Kaum hat die TUI Staatshilfe bekommen, werden Marketing-Geschenke gemacht. Allerdings werden die Nachteile dieser Lösung tunlich verschwiegen.
Peter Kolba, Konsumentenschützer

"Ich halte die Informationen der TUI für irreführend und gesetzwidrig und ersuche den VKI (Verein für Konsumenteninformation, Anm.) - denn der hat im Gegensatz zum VSV die Legitimation zu Verbandsklagen - dagegen mit Unterlassungsklage vorzugehen", so Kolba.

Mit dem Reiseguthaben für die Kunden in Deutschland, das bis Ende 2021 gültig ist, orientiert sich TUI Deutschland an den Vorschlägen zur Reiseentschädigung der deutschen Regierung. Sie setzt sich bei der EU für eine Gutscheinlösung ein. (APA)


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