Existenzsorgen wegen Corona: Deutscher Tierpark bereitet sich auf Notschlachtung vor

Traditionell sind Tierparks vor allem in den Ferien, an Feiertagen und Wochenenden gut besucht. Doch die aktuell geltenden Ausgangsbeschränkungen verursachen einen millionenschweren Umsatzverlust. Im Neumünster sieht man sich deshalb gezwungen, für den Ernstfall Schlachtpläne aufzustellen. Das ist für die österreichischen Zoos überhaupt kein Thema.

Welche Tiere im schlimmsten Fall zuerst geschlachtet werden würden, gab der Tierpark nicht bekannt.
© dpa

Wien – Der Tierpark Neumünster in Schleswig-Holstein hat wegen der Corona-Zwangsschließung Notpläne für das Schlachten seiner Tiere erarbeitet. Dort stehe auch, wer im Fall des Falles zuletzt auf die Schlachtbank komme: Der 3,60 Meter große Eisbär „Vitus", sagte Zoodirektorin Verena Caspari.

Hintergrund ist, dass der Tierpark zurzeit keine Einnahmen durch Besucher hat. „Wir sind ein Verein", erklärte Kaspari. „Wir bekommen keine städtischen Gelder, und alles, was wir bis dato an Landesgeldern beantragt haben, ist noch nicht eingetroffen. Wir überleben aktuell nur durch Spendengelder."

Tierschutzrechtlich in Deutschland erlaubt

Noch reicht das. „Doch wenn - und das ist wirklich der aller worst, worst case - wenn ich kein Geld mehr habe, Futter zu kaufen, oder wenn es passieren sollte, dass mein Futterlieferant aufgrund neuer Restriktionen nicht mehr liefern kann, dann würde ich Tiere schlachten, um andere Tiere zu füttern." Das wäre dann aber der allerletzte Schritt.

„Das ist gar nicht so spektakulär, wie es sich anhört", sagte Zoodirektorin Kaspari. Denn in bestimmten Fällen ein Tier zu töten, sei sogar aus tierschutzrechtlichen Gründen vorgeschrieben. „Vorher könnte man natürlich auch versuchen, Tiere an andere Betriebe abzugeben. Das ist aber nicht mit allen Tieren so einfach." Doch Caspari ist zuversichtlich, dass der schlimmste Fall nicht kommen wird. Andere Tierparks hätten versprochen, den Neumünsteranern Fisch und Fleisch zukommen zu lassen, „wenn hier der allerschlimmste Fall eintreten würde", sagte sie.

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📍💬 Das sagen die heimischen Tierparks

Österreichische Zoos schließen derartige Pläne einstimmig und vehement aus, ergab ein Rundruf der APA am Mittwoch.

🦅 Alpenzoo Innsbruck: „Noch sind wir liquide"

Im Innsbrucker Alpenzoo wird es definitiv zu keinen Schlachtungen von Tieren kommen. „Das werden wir zu verhindern wissen", sagte Zoodirektor Andre Stadler im Gespräch mit der APA. Natürlich sei die finanzielle Situation auch im Alpenzoo keine gute, da man laufende Kosten, aber keine Einnahmen habe. Man arbeite reduziert, mit einem kleineren Team und habe geplante Investitionen vorerst auf die lange Bank geschoben. „Noch sind wir liquide", so Stadler. Man könnte auf diese Weise noch bis zu einem halben Jahr durchhalten. Er hoffe trotzdem, schnellstmöglich den Alpenzoo wieder öffnen zu können, merkte der Zoodirektor an. Man habe auch bereits Pläne für eine mögliche Öffnung vorgelegt, wie etwa beispielsweise der Sicherheitsabstand garantiert werden könne oder Maßnahmen an der Kasse und die Schließung des Kinderspielplatzes.

🐻 Tierpark Rosegg: „Notschlachtungen gehören in die Landwirtschaft"

Der größte Tierpark Kärntens ist jener in Rosegg im Bezirk Villach-Land. Besitzer Emanuel Liechtenstein hat keinerlei Pläne, Tiere zu töten. „Ich glaube auch nicht, dass das in Österreich passieren wird", sagte er auf Anfrage der APA. Er sei Vorsteher der Tierparks Österreich, eines Verbands von rund 20 Parks, und habe noch von keinem Mitglied etwas in dieser Richtung gehört. „Sicher ist die Situation problematisch, zumal die Versorgung der Tiere ja weiterlaufen muss und Kurzarbeit daher nur sehr bedingt möglich ist." Man sei aber gegenüber Zoos in großen Städten im Vorteil, da die Anlage weitläufig und teilweise auch natürliches Futter vorhanden sei. Den Begriff „Notschlachtungen" will Liechtenstein in dem Zusammenhang überhaupt nicht hören, der gehöre in die Landwirtschaft, etwa bei Seuchenbekämpfung.

🐒 Zoo Salzburg: „Das kann und wird nicht passieren"

Auch im Zoo Salzburg können sich die Bewohner sicher wähnen. „Nicht im Leben" werde es Notschlachtungen geben, sagte Geschäftsführerin Sabine Grebner auf APA-Anfrage. „Es gibt dafür auch keine Pläne in den Schubladen." Natürlich treffe die Sperre den Betrieb schwer. „Wir haben einen massiven Einnahmenentgang. Aber darunter dürfen weder die Tiere noch die Mitarbeiter leiden." Eine gewisse Sicherheit dürfte auch die Rückendeckung durch die öffentliche Hand bieten: Der Zoo gehört jeweils zur Hälfte Stadt und Land Salzburg. Gleichfalls gelten auch beim Tiergnadenhof Gut Aiderbichl bei Henndorf (Flachgau) Notpläne für Schlachtungen als denkunmöglich. „Das kann und wird nicht passieren", sagte ein Sprecher zur APA. „Wir haben den Tierbesitzern versprochen, sich um ihre Tiere zu kümmern." Dank Spenden sei die Versorgung derzeit noch möglich. „Die Situation ist aber schwierig."

🦁 Tierwelt Herberstein: „Versorgung und Jobs in jedem Fall gewährleistet"

Auch in der oststeirischen Tierwelt Herberstein seien Notschlachtungen „absolut unvorstellbar". Die Versorgung der mehr als 700 heimischen und exotischen Tiere sei gewährleistet – „in personeller als auch in finanzieller Hinsicht", hieß es am Mittwoch auf APA-Nachfrage. Die zoologische Abteilung wurde Mitte März in zwei Teams geteilt, die sich im Fünf-Tage-Rhythmus abwechseln und die Tiere pflegen, betreuen und mit Futter versorgen. Lieferungen würden planmäßig ankommen und Sponsoren unterstützen zusätzlich mit Futter.

🐍 Nationalpark Neusiedler See Seewinkel: „Unvorstellbar"

Im Nationalpark Neusiedler See Seewinkel im Burgenland, wo Graurinder, Wasserbüffel und weiße Esel gezüchtet werden, sind Notschlachtungen ebenso kein Thema. „Bei uns ist das in diese Richtung unvorstellbar", betonte Alois Lang vom Nationalpark auf APA-Anfrage. Bei der Züchtung stehe der Beweidungsaspekt im Vordergrund, jedem Tier stehe dementsprechend eine große Fläche zum Grasen zur Verfügung. (APA, dpa)


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