Gläubigerschützer fürchtet Insolvenzwelle ab Herbst

Im 1. Quartal gab es wegen der Maßnahmen der Regierung Rückgänge bei Firmen- und Privatinsolvenzen. Die Pandemie seit Mitte März ist eine der häufigsten angegebene Insolvenzursachen bei Firmen.

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© Erwin Wodicka

Wien – Der Gläubigerschutzverband AKV rechnet wegen der Coronavirus-Krise mit einer "zeitverzögerten" Insolvenzwelle ab Herbst 2020. Denn die staatlich gesetzten Maßnahmen im Zuge der Corona-Krise verschieben zahlreiche Insolvenzanträge um einige Monate in die Zukunft. Der dann folgende Anstieg könnte noch größer ausfallen als nach der Finanzkrise 2008, so der AKV laut Aussendung am Donnerstag.

"Nachdem nun die Realwirtschaft unmittelbar betroffen ist, befürchten wir spätestens ab Frühherbst 2020 einen über der damaligen Finanzkrise liegenden Anstieg von Insolvenzen," so der Verband. Dass bereits insolventen Unternehmen das von der Regierung eingeführte Corona-Kurzarbeitsmodell nicht zur Verfügung stehe, könne zudem eine "Vielzahl an scheiternden Sanierungen" hervorrufen, fürchtet der AKV.

Moratorium auf Konkursanträge vorgesehen

Im Rahmen der zahlreichen Krisengesetze der vergangenen Wochen hat die Regierung beschlossen, dass die Insolvenzantragspflicht bei einer Überschuldung für Kapitalgesellschaften, also Unternehmen bei denen niemand persönlich haftet, vorübergehend bis 30. Juni ausgesetzt wird. Insolvenzverfahren auf Gläubigerantrag sind im selben Zeitraum auch nicht zu eröffnen. Für Finanz und Gesundheitskassen ist zudem eine Art Moratoriums auf Konkursanträge vorgesehen. Damit bleiben viele Anträge in näherer Zukunft aus und verschieben sich zeitlich um einige Monate nach hinten.

Dementsprechend ist die Zahl bei den Firmen- sowie bei den Privatinsolvenzen seit Mitte März drastisch eingebrochen. Laut Daten des AKV wurden seit dem 16. März nur noch durchschnittlich 34,5 Privatinsolvenzen pro Woche eröffnet. Zum Vergleich: In den ersten 11 Wochen des Jahres 2020 wurden im Schnitt noch 165 Verfahren pro Woche eröffnet. Der Verband führt den Rückgang explizit auf einen Rückgang bei den Antragstellungen und nicht auf den Notbetrieb der Insolvenzgerichte zurück.

Rund ein Viertel schloss wegen Pandemie

Auch bei den Firmeninsolvenzen zeigte sich in den vergangenen vier Wochen ein drastischer Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um rund 61 Prozent. Seit dem 16. März gab es heuer nur 108 eröffnete Firmeninsolvenzen, nach 275 im gleichen Zeitraum 2019.

Seitdem sei die Corona-Krise auch eine der häufigsten angeführten Insolvenzursachen bei Firmen, hieß es in der Aussendung des AKV. Rund ein Viertel der Unternehmen, die seit Mitte März Insolvenz angemeldet haben, habe die Auswirkungen der Pandemie als Grund angeführt. 383 Dienstnehmer seien bisher von coronabedingten Insolvenzen betroffen. Von den in den vergangenen vier Wochen wegen der Coronavirus-Krise eröffneten Verfahren wurde bereits ein Drittel der Unternehmen geschlossen und 266 Arbeitnehmer verloren deswegen ihren Arbeitsplatz.

Der drastische Rückgang bei den Insolvenzanträgen seit den Regierungsmaßnahmen schlug sich auch auf die Statistik für das gesamte erste Quartal nieder. Firmeninsolvenzen gingen von 1283 im Vorjahr auf 1251 (minus 2,49 Prozent) zurück, die Zahl der Privatinsolvenzen fiel laut AKV deutlicher von 2493 auf 1895 (minus 23,99 Prozent) eröffneten Verfahren. (APA)


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