Corona-Ausbruch: Ermittlungen in Unterländer Heim und Zammer Ordenshaus

Mitarbeiterinnen sollen das Coronavirus in zwei Einrichtungen in Tirol ein­ge­schleppt haben. Die Staatsanwaltschaft prüft und hat Ermittlungen aufgenommen.

(Symbolfoto)
© TT/Julia Hammerle

Innsbruck - Nicht nur bei Corona-Partys wird derzeit von Behörden streng durchgegriffen. Nicht jed­e Nachlässigkeit oder Übertretung endet mit einer Verwaltungsstrafe. So ermittelt die Innsbrucker Staatsanwaltschaft derzeit in zwei Fällen, wo sorgloses Verhalten von Mitarbeitern und sonstigen Beteiligten geeignet gewesen sein könnte, die Ansteckung von Hausbewohnern mit dem Coronavirus herbeizuführen.

Pflegerin arbeitete trotz Erkrankung weiter

Der erste Fall betrifft ein Seniorenheim im Unterland. Dort war es zu einem anonymen Hinweis gekommen, dass eine Pflegerin im Heim weiter gearbeitet habe, obwohl sie gewusst hätte, dass sie positiv auf Corona getestet worden wäre - die TT berichtete. Bei Eintreffen der Polizei im Altenheim erwischten die Beamten die 31-Jährige nicht nur bei der Arbeit, sondern wurden von dieser auch noch beschimpft. Ob die Infektion von damals acht Heimbewohnern auf die Pflegerin zurückzuführen ist, ist offen - für die Frau gilt die Unschuldsvermutung.

Staatsanwalt Hansjörg Mayr zur TT: "Wir ermitteln in diesem Fall wegen des Delikts der vorsätzlichen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten gegen die Pflegerin und andere Personen. Die Einvernahmen laufen. Bei vorsätzlicher Begehens­weise drohen dafür bis zu drei Jahre Haft."

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Ermittlungen auch in Ordenshaus in Zams

Wegen Fahrlässigkeit zum selben Delikt (bis ein Jahr Haft) wird hingegen in Zams gegen unbekannt­e Täter ermittelt. Dort waren ja drei Reinigungskräfte, die zuvor in Ischgl und St. Anton gearbeitet hatten, beruflich auch in das Ordenshaus der Barmherzigen Schwestern in Zams gelangt. 39 von 58 Schwestern waren darauf positiv auf den Virus getestet worden. Seitens der Land­ecker Verwaltungsbehörde waren vorab keine verwaltungsrechtlichen Übertretungen seitens des Ordens festgestellt worden. Das Land Tirol kündigte dennoch Untersuchungen an.

Verwundert zeigte sich gestern der Zammer Bürgermeister Siggi Geiger, nachdem Medien zunächst berichteten, dass gegen das Pflegeheim Zams ermittelt wird. "Wir hatten dort drei positive Corona-Fälle bei den Mitarbeitern, aber keinen bei einem Bewohner", erklärt der Dorfchef. Alle seien genesen. Er wisse nichts von einer Anzeige.

Laut Staatsanwalt Hansjörg Mayr handelte es sich um ein Missverständnis. (fell, mr)


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