Soziale Medien helfen gegen soziale Isolation: Viele dennoch gefährdet

In der Corona-Krise sind soziale Medien die wichtigsten Helfer, um mit anderen in Kontakt zu bleiben. Wer bisher nicht einsam war, wird es wohl auch derzeit nicht sein. Zwei Gruppen sind allerdings besonders gefährdet.

Symbolfoto.
© HELMUT FOHRINGER

Stuttgart – Im Kampf gegen die soziale Isolation während der Coronavirus-Pandemie spielt Social Media eine wichtige Rolle. Diese Ansicht vertritt Medienpsychologie-Forscherin Sabine Trepte von der Universität Hohenheim in Stuttgart. Die sozialen Medien seien die wichtigsten Helfer, um mit anderen in Kontakt zu bleiben und sich auszutauschen, hieß es in einer Aussendung vom Freitag.

Überall entstünden Initiativen, in denen sich Menschen miteinander vernetzen, um Hilfe für andere zu organisieren. So erledigten etwa jüngere die Einkäufe für ältere Menschen oder führten deren Hunde spazieren. Schüler bekämen den Lehrstoff nach Hause geschickt und stünden im Austausch mit ihren Lehrern.

Ein weiterer Trend sei die Verabredung zum Musizieren auf den Balkonen. "Diese Qualität ist neu. Nur eins können die sozialen Medien nicht: Die körperliche Nähe zu anderen Menschen ersetzen", wurde Trepte in der Mitteilung zitiert.

Wer vor der Corona-Krise nicht unter Einsamkeit gelitten habe, werde es auch angesichts von Kontaktsperre und Abstandsregel nicht tun. "Diese Menschen verfügen ja bereits über ein stabiles Netzwerk aus Partnerschaft, Familie, Freunden und Bekannten, das ihnen jetzt die notwendige soziale Unterstützung und emotionale Entlastung bietet", meinte Trepte.

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Zwei Gruppen besonders gefährdet

Gefährdet seien hingegen vor allem Ältere über 80 Jahren sowie Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren, bei denen auch ohne Krise eher Gefühle von Einsamkeit auftreten als in anderen Altersgruppen und denen nun ganz besonders die regelmäßigen Treffen mit ihren Freunden fehlen. Aber auch alle anderen, die schon vor der Corona-Krise gefährdet waren, benötigen Unterstützung, hieß es in der Aussendung.

Dazu gehören Personen, die unter psychischen oder körperlichen Krankheiten leiden oder behindert sind, sowie ökonomisch und sozial benachteiligte Menschen. Ihnen fehlen oft, neben den materiellen Mitteln, auch die psychischen Ressourcen sich gezielt Hilfe zu suchen.

Außerdem stellte Trepte fest, dass beim Medienkonsum in der Corona-Krise vermehrt auf seriöse Quellen geachtet werde. Vor allem die Online-Angebote öffentlich-rechtlicher Fernsehsender sowie von Zeitungen, die Wert auf Qualitätsjournalismus legen, erfreuten sich steigender Zugriffszahlen. (APA)

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  • Corona-Sorgen-Hotline (Land Tirol): Tel. 0800 400 120 (von 8 bis 20 Uhr)
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