Weiter Schwelbrände in Region um havariertes AKW Tschernobyl

Mindestens sechs weitere Schwelbrände rund um das AKW Tschernobyl halten die Einsatzkräfte auf Trab. Ein Übergreifen der Flammen auf die Atomruine konnte verhindert werden.

Ein Bild der Brände in der Tschernobyl-Sperrzone vom 10. April 2020.
© VOLODYMYR SHUVAYEV

Tschernobyl, Kiew – In der Region um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl haben am Wochenende weiterhin mindestens sechs Schwelbrände die Einsatzkräfte beschäftigt. Ein Übergreifen der Flammen auf die Atomruine und die Lagerstätten mit den radioaktiven Abfällen ist verhindert worden, teilte der ukrainische Katastrophenschutz am Sonntag mit.

Die Behörden betonen seit Tagen, dass es keine erhöhte Radioaktivität in bewohnten Gebieten gebe. Die Lage sei unter Kontrolle. Auch die Behörden beim Nachbarn Belarus (Weißrussland) und in Russland hatten nach eigenen Angaben keine Hinweise auf eine erhöhte Strahlenbelastung.

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Mehr als 700 Feuerwehrleute löschten die Brände auch mit Hilfe von Hubschraubern. Mit schwerer Militärtechnik legten Einsatzkräfte Brandschneisen an. Hilfe kam aus Deutschland in Form von Dosimeter, Feuerwehrschläuchen und eines Tanklöschfahrzeugs. Behörden hatten nach Satellitenbildern die abgebrannte Fläche auf rund 11.500 Hektar geschätzt. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace geht vom mehr als Vierfachen aus.

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Im benachbarten Gebiet Schytomyr hatten an der Grenze zur Ex-Sowjetrepublik Belarus am Donnerstag ausgebrochene Waldbrände auf Dörfer übergegriffen und rund 40 Wohnhäuser zerstört. Etwa 50 Menschen mussten nach Angaben des Gebiets-Gouverneurs Vitali Bunetschko in Sicherheit gebracht werden.

In der knapp 70 Kilometer vom Sperrgebiet entfernten Hauptstadt Kiew hielt sich am Samstag dichter Smog und am Sonntag noch Brandgeruch. Die Dreimillionenstadt verzeichnet nach Behördenangaben keine erhöhte Radioaktivität. Die vom Bürgermeister und Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko geführte Stadt forderte die Bürger auf, die Fenster geschlossen zu halten. Die Messergebnisse für Luftschadstoffe - etwa Schwefeldioxid - lagen über den Grenzwerten.

In den vergangenen Jahren kam es mehrfach zu Feuern in den unbesiedelten Gebieten der Sperrzone. Als Ursache gilt oft Brandstiftung. Zuletzt gab es deshalb auch zwei Festnahmen.

Nach der Explosion des Blocks vier im damals noch sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 wurden radioaktiv verstrahlte Landstriche um die Atomruine gesperrt. Es handelte sich um die größte Atomkatastrophe in der zivilen Nutzung der Kernkraft. Es gab Tausende Tote und Verletzte. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Seit mehreren Jahren ist das Gebiet für geführte Touristen zugänglich. (APA/dpa)


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