Rücktritt! Tiroler Biathlon-Ass Landertinger beendet seine Karriere

Die gesundheitlichen Probleme der vergangenen Jahre bewogen den Hochfilzener zu diesem Schritt. Nach WM-Bronze im vergangenen Februar geht der 32-Jährige als "Sieger vom Platz".

Emotionaler Abschied: Bei der WM im vergangenen Februar lief Landertinger sensationell zu Bronze.
© GEPA pictures/ Andreas Pranter

Innsbruck - Dominik Landertinger hat am Sonntag einen Schlussstrich unter seine erfolgreiche Biathlon-Karriere gezogen. Nach vier Olympiamedaillen, fünf WM-Medaillen und 37 Weltcup-Podestplätzen stellt der 32-jährige ÖSV-Biathlet sein Gewehr und seine Langlauf-Ski endgültig ins Eck.

Für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt aufzuhören. Seit meiner Bandscheiben-OP liegen schwierige Jahre hinter mir, in denen ich meinen Leistungen oft hinterhergelaufen bin. Meine Karriere fortzusetzen, wäre meinem Körper und meiner Gesundheit gegenüber gierig gewesen.
Dominik Landertinger

Landertinger, der nach einem operativen Eingriff an der Lendenwirbelsäule 2017 über zwei Jahre um sein Comeback an der Weltspitze kämpfte, wurde für diese Anstrengungen im vergangenen Februar in Antholz mit der emotionalen WM-Bronzemedaille im Einzelbewerb belohnt.

„Im Dezember wollte ich eigentlich schon aufhören. Nach langen Überlegungen habe ich aber dann alles auf eine Karte gesetzt, wollte nochmals sämtliche Kräfte mobilisieren und nichts unversucht lassen. Die Entscheidung war richtig, aber ich habe auch gemerkt, dass dieser Aufwand auf Dauer so nicht durchzuziehen ist. Es war immer mein großer Wunsch, die Karriere gut abzuschließen und ich bin dankbar, dass mir das vergönnt war. Dank der Medaille in Antholz habe ich das Gefühl, als Sieger vom Platz zu gehen.“

Als 20-Jähriger bereits Weltmeister

Der Stern des Tirolers ging bereits 2009 bei den Weltmeisterschaften in Pyeongchang auf, wo sich der damals gerade mal 20-jährige Bursche aus der Tiroler Biathlon-Hochburg Hochfilzen im Massenstart zu einem der jüngsten Weltmeister der Geschichte kürte. Vier weitere WM-Medaillen sollten folgen. Zudem nahm Landertinger drei Mal an Olympischen Winterspielen teil, von denen er nie ohne mindestens eine Medaille nach Hause fuhr. Auch im Weltcup liest sich seine Erfolgsbilanz beeindruckend. Der Pillerseetaler, der im Dezember 2007 in Pokljuka sein Weltcup-Debüt gab, schaffte es 37 Mal auf das Podest. Neben fünf Weltcupsiegen (2 x Einzel/3 x Staffel) holte „Landi“ auch eine Kristallkugel für den Gesamtsieg in der Massenstart-Disziplinen-Wertung (2008/09).

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Gemessen an den Medaillen bei Großveranstaltungen ist Landertinger der erfolgreichste österreichische Biathlet.
© smpr/Daniela Maier

„Ich bin stolz darauf, was ich erreicht habe und froh, dass ich auch immer das nötige Glück hatte, meine Topleistungen bei Großereignissen auf den Punkt abrufen zu können. Mein Dank gilt meiner Familie und meinen Freunden, dem Österreichischen Skiverband und meinen langjährigen treuen Partnern, die für mich ebenfalls zu Freunden geworden sind, und mit denen ich auch in Zukunft entsprechend verbunden bleiben möchte.“

Steckbrief Dominik Landertinger

Geboren: 13. März 1988 in Braunau/Oberösterreich

Wohnort: Fieberbrunn/Tirol

Größe/Gewicht: 1,88 m, 80 kg

Familie: Marion und Sohn Johannes

Verein: HSV Hochfilzen

Hobbys: Radfahren, Autos, Musik

Homepage: http://www.dominik-landertinger.com

Größte Erfolge:

Olympia (2 Silber, 2 Bronze): Silber Sprint 2014 Sotschi, Silber Staffel 2010 Vancouver, Bronze Einzel (20 km) 2018 Pyeongchang, Bronze Staffel 2014 Sotschi

WM (1 Gold, 2 Silber, 2 Bronze): Gold Massenstart und Silber Staffel 2009 Pyeongchang, Silber Einzel 2016 Oslo, Bronze Staffel 2017 Hochfilzen und Einzel 2020 in Antholz

Weltcup (Debüt Dezember 2007): 2 Siege (2 Massenstart), 15 Podestplätze Einzel; 3 Siege, 15 Podestplätze mit Staffel; Gesamtdritter 2012/13, Disziplinsieger Massenstart 2008/09

Junioren-WM: Staffel-Gold und Sprint-Silber 2007, Staffel-Silber und Einzel-Bronze 2006

Zukunft im Gesundheitsmanagement

Für seine berufliche Zukunft hat der gelernte Maschinenbautechniker, der seine handwerklichen Fähigkeiten zuletzt auch bei diversen Bundesheer-Einsätzen im Rahmen der Corona-Krise unter Beweis stellte, bereits parallel zur sportlichen Karriere eine umfassende Ausbildung zum Spezial-Trainer für die Disziplin Biathlon und zum allgemeinen Trainer absolviert: „Meine Zukunft sehe ich derzeit im Gesundheitsmanagement für Firmen. Gerade Themen wie die richtige Balance zwischen Belastung und Regeneration spielen nicht nur im Sport, sondern auch im beruflichen Alltag eine entscheidende Rolle, um psychischen und körperlichen Problemen entgegenzuwirken. Auch der Bereich Hobbysport interessiert mich, weil hier trainingstechnisch viele Fehler gemacht werden. In erster Linie möchte ich mich in nächster Zeit in diesen Bereichen fortbilden, darauf freue ich mich sehr“, so Landertinger.

Reaktionen zum Rücktritt von Dominik Landertinger:

Toni Giger (ÖSV-Sportdirektor): „Mit Dominik Landertinger verlässt einer der ganz Großen die Biathlon-Bühne! Über viele Jahre hat er für Österreich bei Großereignissen Medaillen geholt und dabei am Schießstand Nervenstärke bewiesen. Unvergessen werden auch seine Schlussrunden bleiben, in denen er immer wieder kaum Machbares geschafft und mit unglaublicher Willenskraft gefinisht hat. Als Einzelsportler ein großer Kämpfer, in den Staffelbewerben ein verlässlicher Teamplayer. Ich bin mir sicher, dass er nach seiner so erfolgreichen Laufbahn mit dem Biathlonsport und dem ÖSV in enger Verbindung bleiben wird und wünsche Landi alles Gute.“

Franz Berger (Leitung Biathlon im ÖSV): „Mit Dominik Landertinger verliert der österreichische Biathlonsport einen Ausnahmeathleten. Seit Beginn seiner Karriere, schon als Schüler, hat er immer einhundert Prozent gegeben und alles von sich abverlangt. Daher war er im letzten Jahrzehnt nicht nur ein Medaillengarant bei Großveranstaltungen, sondern dank seiner Persönlichkeit und seiner vorbildhaften Einstellung auch eine Leitfigur innerhalb des Teams. Aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme in den vergangenen Jahren kann ich seine Entscheidung nachvollziehen. Er wird uns im Team als Sportler und Mensch fehlen. Ich kenne Dominik seit seiner Jugend, kann ihm zu seiner außergewöhnlich erfolgreichen Karriere nur gratulieren und wünsche ihm für seine berufliche und private Zukunft alles Gute.“


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