Beratungsstelle Energie Tirol: Einmal klimafit investieren statt zweimal zahlen

Die Beratungsstelle Energie Tirol begrüßt Konjunkturpakete und fordert, nachhaltig in gute Dämmung oder erneuerbare Heizung zu investieren.

Investitionen und Bauvorhaben der Gemeinden werden vom Land Tirol unterstützt. Diese sollen klimafreundlich sein, plädiert Energie Tirol.
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Von Cornelia Ritzer

Wien – 2020 sollte für die Klimapolitik ein Jahr der großen Entscheidungen werden. Die Europäische Kommision hatte den eine Billion Euro schweren Green New Deal angekündigt, in Österreich standen das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, die Themen Gebäudesanierung und Wärmestrategie sowie Vorarbeiten zu einer ökosozialen Steuerreform samt Einstieg in eine CO2-Bepreisung ab 2022 auf dem Plan. „Bis Corona war es ein großes Thema in der Öffentlichkeit, dass man etwas gegen den Klimawandel machen muss“, sagt Bruno Oberhuber, Geschäftsführer von Energie Tirol, der Beratungsstelle des Landes Tirol in Energiefragen. Der Energie-Experte glaubt weiterhin an die Dringlichkeit des Themas: „Ich glaube nicht, dass das stillsteht.“

Oberhuber sieht im TT-Interview die Chance, dass Konjunkturpakete ein Turbo für die Energiewende sein können. Das Land Tirol unterstützt die Tiroler Gemeinden mit 70 Millionen Euro bei Investitionen und Bauvorhaben. Der Energie-Tirol-Geschäftsführer plädiert dafür, bei Investitionen die Energieeffizienz mitzudenken, denn: „Es wäre fatal, jetzt eine Gasheizung zu kaufen, wenn man mit der gleichen Förderung ein erneuerbares System einbauen kann.“ Jetzt sei die Gelegenheit, Maßnahmen auch kostengünstig klimafit zu machen. Oberhuber: „Wenn man jetzt Schritte setzt, um die Wirtschaft in Gang zu bringen, gibt man einmal Geld für eine Maßnahme aus. Wenn diese eine Gasheizung statt einer eventuell etwas teureren Wärmepumpe ist, muss ich unter Umständen in fünf oder zehn Jahren das System austauschen und für die gleiche Maßnahme nochmal Geld ausgeben. Es kann also passieren, dass ich doppelt investieren muss.“ Seiner Meinung nach bedürfe es „keiner großen Stellschrauben, sondern klarer Vorgaben und einer Feinjustierung“, damit diese Unterstützung der Wirtschaft klimafreundlich wird.

Dass klare Vorgaben in der Bevölkerung gut ankommen, sei eine Lehre aus der Coronavirus-Krise, meint Oberhuber. „Man erkennt, dass die Unterstützung der Bevölkerung bei klaren Maßnahmen und einer klaren Politik groß ist.“ Diese Erfahrung habe vorher gefehlt. Und diese sei umso wichtiger, da die Wirksamkeit von klimapolitischen Maßnahmen erst spät, also in zehn bis 20 Jahren, sichtbar werde. „Das ist das Schwierige in der Vermittlung von Klima-Maßnahmen. Wenn wir heute etwas machen, werden wir erst 2040 sehen, dass die Emissionen dramatisch zurückgegangen sind und damit die Erwärmung vorerst stabilisiert ist“, meint der Energie-Experte.

Einen Wandel in der Wahrnehmung etwa gegenüber Verboten hat Oberhuber beim Aus von Ölheizungen beobachtet. Lange habe die Politik Verbote abgelehnt, nun sagt auch Tirol Nein zu Ölkesseln in Neubauten. Zwar sei es eine Verordnung, die laut Oberhuber „nicht wahnsinnig weh tut“, da neue Ölkessel bei Neubauten fast nicht mehr verwendet wurden. Trotzdem sei das Verbot ein wichtiges Signal: „Nun verbietet man einen Energieträger, obwohl es davor immer hieß, der Konsument muss selber entscheiden können.“ Und das wirke rasch in der Bevölkerung, „Es tauchen dann sofort Fragen auf, ob man bestehende Ölkessel noch verwenden kann“, erzählt Oberhuber aus der Praxis.

Stimmen fürs Klima und für Öko-Kriterien

Die Stimmen für grüne Investitionen in der Krise mehren sich. Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) kündigte in der Vorwoche an, die Gewährung von Steuerhilfen an Unternehmen an Klima­bedingungen knüpfen zu wollen. Der Klimaschutz sei „nämlich das beste Konjukturpaket“, sagte die Grünen-Politikerin.

Laut der deutschen Umweltökonomin Claudia Kemfert sollen Unternehmen belohnt werden, die von fossilen auf erneuerbare Energien wechseln. Man solle nicht Fehler der Finanzkrise 2008

09 wiederholen, als Rettungsgelder „wahllos“ ausgeschüttet wurden.

Und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist überzeugt, dass die Corona-Krise den Kampf gegen den Klimawandel nachhaltig verändern wird. Die Menschen hätten verstanden, „dass niemand zögert, sehr tiefgreifende, brutale Entscheidungen zu treffen, wenn es darum geht, Leben zu retten. Dasselbe gilt für das Klimarisiko.“ (APA, dpa, TT)


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